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Guttenbergs "Tatort Internet": Politiker und Experten kritisieren RTL II

Die Kritik an der von Ministergattin Stephanie zu Guttenberg präsentierten RTL-II-Sendung "Tatort Internet" nimmt zu: Während Experten nicht an eine Abschreckung der Täter glauben, verurteilte auch die Justizministerin die öffentliche Bloßstellung mutmaßlich pädophiler Männer.

Die RTL-II-Sendung "Tatort Internet" hat nach Ansicht des Sexualtherapeuten Christoph Joseph Ahlers keine abschreckende Wirkung auf pädophile Triebtäter. "Für diese Personen wird ein solches TV-Format dazu führen, dass sie ihre Vorsicht in ihrer Vorgehensweise erhöhen. Sie werden ihre Anstrengungen steigern, um nicht überführt zu werden", sagte Ahlers in der Wochenendausgabe der "Berliner Zeitung". Ahlers hat Dutzende Pädophile betreut, er ist Mitinitiator des Präventionsprojekts "Dunkelfeld" für Menschen, die auf Kinder gerichtete sexuelle Neigungen verspüren.

Der Psychologe sagte weiter, Pädophile seien präventiv so gut wie nicht erreichbar. Er glaube auch nicht daran, dass den Menschen in jedem Fall zu helfen sei, die für die Sendung in die Falle gelockt wurden. Viele suchten sich dann lediglich Hilfe, um sich mit dem Argument, nun in Therapie zu sein, eine günstigere Position für ein mögliches Strafmaß zu verschaffen. "Wir wissen aber auch, dass das Therapiemotiv schlagartig nachlässt, sobald die Gefahr gebannt scheint, wenn etwa ein Prozess glimpflich ausgeht." Ahlers kritisierte die Sendung scharf. Sie diene vor allem dazu, Zuschauer mit einem Gruselszenario zu versorgen. Die Mehrheit aller sexuellen Übergriffe finde jedoch in der gesellschaftlichen Mitte der Familien und dem Umfeld der Kinder statt, von mittelbaren oder unmittelbaren Angehörigen. "Das ist schwer auszuhalten. Deswegen kommen Formate gut an, die ein eindeutiges Feindbild als Randgruppe der Gesellschaft entwerfen."

Unterdessen verteidigte Produzentin Danuta Harrich-Zandberg die Sendung gegen Kritik. Sie verstehe die Diskussion um die Täter in keiner Weise, schrieb sie in der Sonntagausgabe der "Tageszeitung". Die Debatte in Deutschland unterscheide sich von Reaktionen auf ähnliche Sendungen im Ausland, wo die Opfer im Vordergrund gestanden hätten.

Ängste werden geschürt, Kindern wird nicht geholfen

Die CDU-Europaabgeordnete Sabine Verheyen bemängelte dagegen im "Spiegel", die Sendung schüre Ängste, ohne den Gefährdeten zu helfen. "Tatort Internet" fehlten weitestgehend Informationen, wie sich Jugendliche schützen könnten. Auch die Berichte von Opfern, die im Gegensatz zu den Tätern nicht unkenntlich gemacht würden, seien problematisch.

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) betonte im "Spiegel", dass die Anbandelung mit Minderjährigen im Internet, das sogenannte Cyber-Grooming, in Deutschland bereits seit 2004 unter Strafe stehe. Entsprechende Forderungen der Sendung und ihrer bayerischen Kollegin Beate Merk (CSU) seien daher "verfehlt". Um feststellen zu können, dass dies bereits heute strafbar sei, "hätte ein Blick in das Strafgesetzbuch genügt", sagte die Ministerin dem Nachrichtenmagazin.

DPA/kmi / DPA