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Harald Schmidt auf Sky: Alles bleibt beim Alten

Harald Schmidt verbiegt sich nicht: Ganz gleich welcher Sender seine Show ausstrahlt, Sprüche, Band und Sendungsaufbau bleiben gleich. Einziger Unterschied: Jetzt muss der Zuschauer zahlen.

Von Verena Kuhlmann

Und hier ist die letzte Glühbirne im deutschen Fernsehen", haucht die französische Stimme aus dem Off. Und da steht er auch schon und genießt den Applaus, der nicht enden will. Schwarzer Anzug, lila Krawatte und weißes Einstecktuch – Harald Schmidt sieht aus wie immer, betritt sein Studio schwungvoll wie immer und wird wie immer von seiner Band unter der Leitung von Helmut Zerlett musikalisch begleitet. Der König des Late Night ist zurück. Und schon geht es los mit den spitzen Sprüchen.

Die erste Bemerkung gilt natürlich dem neuen Sender: "Es macht sich bezahlt, wenn man Zuschauer nicht nur pflegt, sondern sie auch aus Bereichen holt, wo man sonst eher im Bereich des dritten Programms des Westdeutsche Rundfunks zuhause ist. Herzlich Willkommen, meine Damen und Herren, bei Sky!" Damit aber erst einmal genug zu den neuen Umständen und schnell weiter zum Altbewährten.

Werbeträger für "Sky"

Harry hat wieder gut aufgepasst und lässt die Nachrichten der letzten Woche Revue passieren. Der Flugbegleiterstreik ("Aus Solidarität habe ich mir heute morgen selbst einen heißen Kaffee in den Schritt geschüttet."), die Altersarmut ("Mir ist es lieber, ein Senior wühlt in der Mülltonne im Park als vor mir in der Schlange im Supermarkt nach dem Kleingeld."), Ohrlöcher für Kinder – alles wird gewohnt sarkastisch kommentiert. Auch das umstrittene "Focus"-Interview von Markus Lanz erwähnt Schmidt und versucht, neutral zu bleiben: Er nimmt ganz einfach Lanz, Gottschalk und das ZDF gleichermaßen aufs Korn. Kurz gesagt: Harald Schmidt zeigt von Anfang an, dass sich nichts verändert und er seinen Humor noch lange nicht verloren hat. Egal, für welchen Sender.

Die Tücken der Technik

Einen klitzekleinen Seitenhieb auf die alten Auftraggeber kann er sich aber nicht verkneifen. Von seinem Kamerateam lässt er mit einem schelmischen Lächeln die Außenfassade des Studios einblenden. Dort hängt ein Schild mit dem alten Sat1-Logo. Das wird schnell ersetzt durch das der ARD ("Nein, das war schön aber brauchen wir nicht mehr."). Es folgt das RTL-Logo, bis endlich das richtige und aktuelle erscheint. Dies bleibt die einzige Anspielung auf seine zahlreichen Senderwechsel, längst aber nicht das letzte Mal, dass er Werbung für Sky macht. Seine Band trägt sogar Armbinden, auf denen der Schriftzug des Senders prangt.

Nur das Technik-Team der Produktionsfirma bekleckerte sich nicht mit Ruhm: Tonausfälle und falsch platzierte Mikrofone sorgen für einen etwas holprigen Einstand. Und auch Klaas Heufer-Umlauf, Schmidts erster Gast in der "neuen Heimat", hält nicht so ganz, was Schmidt in seinen Lobeshymnen verspricht. Als "Literaturexperte" soll er den Gastgeber bei seinen Witzen unterstützen. Stattdessen hält er ein paar Bücher in die Kamera und zitiert aus dem "Spiegel". Nur eine große Pointe reißt er, indem er den neuen Sender Sky mit Nordkorea vergleicht: "Das ist ja ähnlich hermetisch abgeriegelt und keiner darf rein." Von jemandem, dem laut Schmidt die Zukunft gehört, kann man mehr erwarten.

Keine Überraschung, nichts Neues

Es folgen kulturell wertvollere Gäste: Cellistin Sol Gabetta und Pianistin Hélène Grimaud geben ihr musikalisches Talent zum Besten, nachdem sie mit Schmidt ein etwas wirres Gespräch über argentinisches Steak, die Aufzucht von Wölfen und Cello-Operationen geführt haben. Und dann ist die 1700. Sendung auch schon vorbei.

Harald Schmidt liefert ab, wie immer. Gekonnt kommuniziert er mit seinem Publikum, er hat seinen Zynismus und den schwarzen Humor beibehalten und tritt auf, wie seine Fans es von ihm gewohnt sind. Nur eben auch nicht mehr. Keine Überraschung, nichts Neues. Aber das hatte er ja im Voraus schon angekündigt. Jetzt kann der alte Harry nur hoffen, dass sein Programm besser läuft, wenn die Zuschauer bezahlen müssen und vor der Tür ein neues Logo hängt. Den Neustart der Show haben gestern nur etwa 60.000 Sky-Abonnenten verfolgt. Vielleicht sind es heute Abend mehr. Andernfalls passiert das, was er in einem stern-Interview vor ziemlich genau einem Jahr prophezeit hat – nur früher, als ihm lieb ist: Der Late Night in Deutschland geht mit ihm zu Ende.