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Interview mit DJ BoBo: "Ich bin eine Mischung aus Heidi und Dieter"

Eigentlich hält er nicht viel von Castingshows. Bei seiner eigenen macht er allerdings eine Ausnahme: René Baumann, alias DJ BoBo, sucht auf ProSieben "Germany's next Showstars", gibt jedoch im stern.de-Interview zu, dass man das Rad nicht neu erfunden hat. Immerhin können sich die Zuschauer auf eine Mischung aus Dieter Bohlen und Heidi Klum freuen.

Ist eine weitere Castingshow nicht das Letzte, was Deutschland noch braucht?

Castingshows gehören halt zu unserer heutigen Fernsehunterhaltung. Solange die Zuschauer sie lieben und gucken, wird es auch welche geben.

Und das finden Sie gut?

Ich bin jetzt nicht gerade ein Castingshow-Junkie. "Bully sucht die starken Männer" fand ich gut. Da musste ich mich ausnahmsweise mal nicht fremdschämen. Da wurde mit den Kandidaten gelacht - nicht über sie. Das wollte ich auch machen.

Also kein gezieltes Vorführen von talentfreien Selbstüberschätzern für die Quote?

Nein, ich kann aber verstehen, dass man bei einem Format wie "Deutschland sucht den Superstar", bei dem die Castings immer nach dem gleichen Schema ablaufen, auch mal froh ist, wenn jemand etwas Verrücktes tut und aus der Reihe fällt - in welcher Form auch immer.

Ist "Germany's next Showstars" nicht der 100. Abklatsch von "Germany's next Topmodel", "Das Supertalent"...

Am Ende des Tages unterscheiden wir uns natürlich auch nicht von allen anderen. Wir erfinden das Rad nicht neu. Aber wir stellen neue Regeln auf. Bei uns müssen es mindestens zwei Leute sein. Wir suchen Gruppen, die mich nächstes Jahr auf meiner Tour begleiten. Das ist die Idee.

Wenn man im Fernsehen keinen Mut für neue Ideen hat und sichere Quote machen will, muss man scheinbar zurzeit einfach nur ein "Deutschland sucht..." oder "Germany's next..." in den Titel einbinden...

So einfach ist es natürlich nicht. Der Zuschauer will Qualität sehen. Am Ende kann man den Zuschauer nur eine gewisse Zeit mit mittelmäßigen Sachen unterhalten.

In einem Schweizer Kinofilm nahmen Sie sich vor einiger Zeit auf die Schippe. Sie spielten sich selbst und nahmen in dem Film auch an einem Casting teil...

...und wurde abgelehnt.

Können Sie eigentlich über sich selbst lachen?

Unbedingt. Man darf sich in der Unterhaltungsbranche nicht zu ernst nehmen. Das machen viele falsch. Ein bisschen Selbstironie ist durchaus angebracht und nötig. Vor allem wenn man Angriffsflächen bietet, wie ich. Ihr Deutschen macht euch ja besonders gerne über meine Nationalität und Größe lustig. Ich bin halt der kleine, lustige Schweizer.

Und in Ihrer Castingshow, sind Sie da mehr Heidi Klum oder mehr Dieter Bohlen?

Natürlich bin ich von uns dreien in der Jury der Bestimmteste. Am Ende muss ich ja mit den Gewinnern auf Tour gehen. Ich kann mir ja nicht selbst ein Ei legen, nur um der Unterhaltung Willen. Da werde ich auch schon mal sauer, wenn es ein Kandidat nicht ernst meint. Ich kann aber nicht so menschenverachtend sein wie Dieter Bohlen. "Kindergeburtstag" oder "Dorfdisco" ist dann schon das Böseste, was ich jemandem vorwerfe. Ich denke ich bin eine Mischung aus Heidi und Dieter.

Sie suchen "Showstars", es gibt den "Superstar", "Popstars"... Finden Sie nicht, dass der Begriff "Star" mittlerweile mehr für Flop als Erfolg steht und etwas verbraucht ist?

Der klassische Star, den es vor 40 Jahren noch gab, den gibt es heute nicht mehr. Der Begriff ist in den letzten Jahren ganz schön strapaziert worden. Ein Star ist heute schnell geboren. Die Frage ist aber, was er hinterher mit diesem Titel anfängt.

Kann ein DJ BoBo, der oft für seine Eurodance-Musik belächelt wird, überhaupt einen "Showstar" erschaffen - widerspricht sich das nicht?

Ich mache definitiv keine Stars. Ich biete ihnen nur eine Plattform, sich im Fernsehen und später auf meiner Tour zu präsentieren. Hilfe zur Selbsthilfe, sozusagen. Das ist mein Montessori-Prinzip. Was nicht heißt, dass ich nicht die Kompetenz dazu hätte, einen Star zu erschaffen.

Dann ist der Titel "Germany's next Showstars" aber irreführend.

Für die Nachhaltigkeit kann ich nun mal nicht sorgen. Das müssen die Sieger solcher Castingshows schon selbst machen. Dafür kann das Fernsehen nicht immer verantwortlich gemacht werden. Die Leute müssen nach den TV-Shows auch selbst etwas für ihre Karriere tun. Castingshows bieten eine Plattform. Das ist, wie wenn Eltern ihren Kindern die Hand zum Laufen lernen reichen. Irgendwann müssen die Babys lernen, alleine auf eigenen Füßen zu laufen. Viele fallen dann natürlich hin.

In Deutschland grassiert eine Castingmania. Wie ist es bei Ihnen in der Schweiz?

Einmal im Jahr gibt es den "Musicstar". Bei uns ist aber alles viel sanfter als bei Euch, alles zwei Gänge langsamer und gemächlicher. Wir haben einfach eine ganz andere Kultur. Die Intensität und das Tempo in Deutschland sind für mich als Schweizer heftig. In der Schweiz ist die Welt noch in Ordnung.

Interview: Katharina Miklis

"Germany's next Showstars", ab 4. Juni donnerstags, um 20.15 Uhr auf ProSieben