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"Schmähkritik": Böhmermann geht wegen Erdogan-Gedicht in Berufung

Er will das teilweise Verbot seines Gedichts "Schmähkritik" nicht hinnehmen: Jan Böhmermann will das Urteil des Landgerichtes Hamburg im Fall seiner Satire über den türkischen Präsidenten Erdogan anfechten.

Jan Böhmermann über Recep Erdogan

Im "Neo Magazin Royale" verlas Jan Böhmermann am 31. März 2016 das Gedicht über den türkischen Präsidenten Recep Erdogan.

Im Streit zwischen Recep Tayyip Erdogan und Jan Böhmermann um dessen Gedicht "Schmähkritik" will der TV-Moderator nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" das Urteil des Landgerichts Hamburg anfechten. Böhmermann-Anwalt Christian Schertz habe am Freitag Berufung eingelegt, berichtete die Zeitung.

Das Landgericht hatte am 10. Februar einer Klage des türkischen Präsidenten teilweise stattgegeben. Die Pressekammer verbot dem Satiriker, "ehrverletzende" Verse des gegen Erdogan gerichteten Gedichts zu wiederholen. Erdogan wollte den Beitrag komplett verbieten lassen.

Jan Böhmermann will Gedicht weiter veröffentlichen dürfen

"Herr Böhmermann wird die durch das Urteil erfolgte Einschränkung seiner Grundrechte nicht akzeptieren", sagte Schertz der "Süddeutschen Zeitung" (Samstag). "Man kann ein Kunstwerk nicht in Einzelteile sezieren."

Das Gericht habe den aktuellen Gesamtkontext nicht berücksichtigt. Erdogan schränke die Grundrechte in der Türkei systematisch ein und lasse Kritiker und Journalisten inhaftieren. "Das übersteigerte Ehrempfinden" Erdogans dürfe ebenso wenig zum Maßstab des deutschen Rechtsstaates werden wie persönlicher Humorgeschmack oder strategische Erwägungen der Politik.

Ein Sprecher des Gerichts konnte auf Anfrage nicht bestätigen, dass die Berufung bereits eingegangen ist.


mai/DPA