HOME

Böhmermann: "Wir haben das Video gefälscht"

Jan Böhmermann behauptet in "Neo Magazin Royale", dass er das Stinkefinger-Video von Yanis Varoufakis gefälscht habe. Für den Mittag verspricht das ZDF Aufklärung um die große Aufregung.

"Jetzt könnt ihr dieses Problem alleine lösen": Varoufakis zeigte auf einer Konferenz 2013 in Zagreb den Deutschen mutmaßlich den Stinkefinger

"Jetzt könnt ihr dieses Problem alleine lösen": Varoufakis zeigte auf einer Konferenz 2013 in Zagreb den Deutschen mutmaßlich den Stinkefinger

TV-Moderator Jan Böhmermann liebt die Anarchie. Sein neuester Streich: Am Mittwochabend behauptet er in seiner Sendung "Neo Magazin Royale", dass er und seine Redaktion das umstrittene Video mit dem Stinkefinger des griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis gefälscht haben. Seine Redaktion will die Mittelfinger-Geste in das ursprüngliche Video hereinmontiert haben. Um das zu beweisen, zeigt Böhmermann eine Art Making-Of-Film, in dem die Entstehung des Videos zu sehen ist - und zwar unter hochprofessionellen Bedingungen im Studio mit Schauspieler vor Bluebox und Videobeiträgen aus Kroatien.

Varoufakis war am vergangenen Sonntagabend live in die Talkshow von Günther Jauch geschaltet und interviewt worden. Dort wurde das Video vorgeführt, dass Varoufakis im Jahr 2013 bei einer Konferenz in Zagreb zeigt. In einem Redebeitrag hatte Varoufakis seine Sicht der Dinge über den Beginn der griechischen Schudenkrise im Jahr 2010 beschrieben. An einer Stelle sagte er: "... and stick the finger to germany." In dem Moment war deutlich zu sehen, wie der griechische Finanzminister, der damals noch nicht im Amt war, den Mittelfinger zeigt.

Varoufakis bestritt danach bei Jauch entschieden, jemals den Stinkefinger gezeigt zu haben, und warf der Redaktion der Jauch-Talkshow vor, einer Fälschung auf den Leim gegangen zu sein. Geglaubt hat Varoufakis niemand, zumal Jauch und seine Redakteure schnell die Echtheit des Videos betonten.

Böhmermann spielt nun mit der Verwirrung. Nach dem "Neo Magazine Royal"-Beitrag fragt man sich unweigerlich: Hat Böhmermann tatsächlich das ursprüngliche Video von 2013 gefaked, hat er schon vor der ganzen Diskussion den Finger hereinmontiert, um nun alle herein zu legen? Oder springt Böhmermann auf die Diskussion auf und retouchierte nachträglich den Finger aus dem echten Video heraus? Quasi um zu zeigen: So einfach manipuliert man ein Video im Jahre 2015.

Böhmermann sagt am Endes seines Beitrages: "Liebe Redaktion von Günther Jauch. Yanis Varoufakis hat Unrecht. Ihr habt das Video nicht gefälscht. Ihr habt einfach das Video nur aus dem Zusammenhang gerissen und nen griechischen Politiker am Stinkefinger durchs Studio gezogen. Damit sich Muddi und Vaddi abends nach dem 'Tatort' nochmal schön aufregen können. 'Der Ausländer! Raus aus Europa mit dem! Er ist arm und nimmt uns Deutschen das Geld weg. Das gibt’s ja wohl gar nicht. Wir sind hier die Chefs! So!' Das habt ihr gemacht. Und der Rest ist von uns".

Neben der ganzen Verwirrung lautet Böhmermanns eigentliche Botschaft also: Der Rest, der ist egal. Leicht zu manipulieren ist das Ganze sowieso. So oder so.

Für den Mittag hat das ZDF eine Pressekonferenz angekündigt. Dann wird es wohl etwas Aufklärung in der Aufregung geben.

tis/feh

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo