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Mordfall Maria L. "Keine gesellschaftliche Relevanz" - Tagesschau-Chef zum Fall Maria L.

Via Facebook Live beantwortet Kai Gniffke, Chefredakteur ARD-aktuell, Fragen zur Freiburg-Berichterstattung der Tagesschau
Via Facebook Live beantwortet Kai Gniffke, Chefredakteur ARD-aktuell, Fragen zur Freiburg-Berichterstattung der Tagesschau
© Screenshot facebook.com/tagesschau/
Die "Tagesschau" wird kritisiert, weil sie nach dem Mord an Maria L. in Freiburg nicht über die Festnahme des tatverdächtigen Flüchtlings aus Afghanistan berichtet hat. Der Chefredakteur wehrt sich. Seine Antworten zum Nachlesen.

Die "Tagesschau" steht in der Kritik, nachdem sie über den Tatverdächtigen im Mord- und Vergewaltigungfall Maria L. in Freiburg nicht berichtet hat. Der Vorwurf: Weil der mutmaßliche Täter ein 17-jähriger unbegleiteter Flüchtling aus Afghanistan ist, habe die ARD-Nachrichtensendung nicht berichten wollen, um Rechten keinen Vorschub zu leisten. Auch stern-Redakteur Jens Maier konnte die Entscheidung der "Tagesschau" nicht nachvollziehen. Kai Gniffke, Chefredakteur von "ARD aktuell", hat zwar schon in einem Blog die Entscheidung der Redaktion erklärt und verteidigt, doch das reicht offenbar nicht aus. Via "Facebook Live" stellt er sich noch einmal den Fragen von "Tagesschau"- Zuschauern. Die Fragen an Kai Gniffke und seine Antworten zum Nachlesen.

Live Blog

Das antwortet der "Tagesschau"-Chef Kritikern

  • Thomas Krause
    • Thomas Krause

    Der "ARD aktuell"-Chefredakteur Kai Gniffke hat mit der Beantwortung von User-Fragen versucht, die Gründe für die Entscheidung der "Tagesschau"-Redaktion gegen eine Berichterstattung über die Vergewaltigung und Ermordung von Maria L. in Freiburg offenzulegen. Alle Kritiker wird er damit kaum überzeugt haben - vor allem die, die von einer "Medienverschwörung" überzeugt sind. Aber die meisten anderen dürften nun die Entscheidung zumindest nachvollziehen können.

    Damit verabschiede ich mich und wünsche Ihnen noch einen schönen Tag!

  • Thomas Krause
    • Thomas Krause

    Kai Gniffke betont, dass die jetzige Berichterstattung kein Schuldeingeständnis sei. Er fordert nochmals auf, weiter Fragen an ihn und die Redaktion zu richten. Dann beendet er den Livestream.

  • Thomas Krause
    • Thomas Krause

    Die "Tagesthemen" werde heute über den Fall berichten, so Gniffke, weil der Einzelfall eine so große Relevanz bekommen habe. Durch die Kommentare im Internet und die Diskussion über Kriminalität von Flüchtlingen habe man sich nun zur Berichterstattung entschieden - auch, wenn das einigen Leuten komisch vorkommen könnte. In der "Tagesschau" um 20 Uhr sei der Fall aber immernoch kein Thema.

  • Thomas Krause
    • Thomas Krause

    Damit ist Gniffke am Ende der abgelesenen Fragen angekommen und bittet um weitere Fragen.

  • Thomas Krause
    • Thomas Krause

    Beim ZDF habe anscheinend der Gesprächswert ein stärkeres Gewicht bekommen.

  • Thomas Krause
    • Thomas Krause

    Warum das ZDF berichtet habe und die ARD nicht, lautet die nächste Frage. Gniffke will nicht für das ZDF sprechen. Für die "Tagesschau" gelte als Maßstab für die Berichterstattung die gesellschaftliche Relevanz.

  • Thomas Krause
    • Thomas Krause

    "Ich versichere Ihnen, dass ich nicht jeden Tag einen Anruf aus dem Bundeskanzleramt bekomme und gesagt bekomme, was ich tun oder lassen soll", antwortet Gniffke auf den Vorwurf, die Berichterstattung nach der Bundesregierung zu richten. Er lädt die Zuschauer ein, in der "Tagesschau"-Redaktion einen Tag zu verbringen.

  • Thomas Krause
    • Thomas Krause

    Ein einzelner Mord sei ein schreckliches Verbrechen, aber nicht jeder habe gesellschaftliche Relevanz. Das sei das Entscheidungskriterium, so Gniffke.

  • Thomas Krause
    • Thomas Krause

    Ein Zuschauer zieht den Vergleich zum Fall Tugce über den sehr breit berichtet worden sei. "Inwieweit mischen sich Menschen ein, wenn andere angegriffen werden?" sei eine gesellschaftlich relevante Frage gewesen. Daher habe die "Tagesschau" auch darüber berichtet, so Gniffke.

  • Thomas Krause
    • Thomas Krause

    Der Stream hakt, weil er inzwischen mehr als 3200 Zuschauer hat. Da kommt die Technik anscheinend doch an ihre Grenzen.

  • Thomas Krause
    • Thomas Krause

    Hätte ein deutscher Jugendlicher ein Flüchtlingsmädchen umgebracht, hätte die "Tagesschau" genauso wenig berichtet, sagt Gniffke.

  • Thomas Krause
    • Thomas Krause

    Die Tagesschau hat nicht über den Fall berichtet, so Gniffke. Sonst hätte auch die Verhaftung berichtet werden müssen. Sonst hätte man tatsächlich mit zweierlei Maß gemessen.

  • Thomas Krause
    • Thomas Krause

    "Dieser Fall ist fürchterlich und wir sind nicht gefühlskalt", sagt Gniffke. Aber es sei halt ein einzelner Kriminalfall. Jedes Menschenleben sei relevant, aber die "Tagesschau" berichte über solche Fälle eben nicht.

  • Thomas Krause
    • Thomas Krause

    Es geht los. Kai Gniffke liest ausgewählte User-Fragen vor und beantwortet sie dann.

    Zuerst geht es um die Frage, warum berichtet werde, wenn in den USA ein weißer Polizist einen Schwarzen erschießt, aber nicht, wenn in Deutschland ein Flüchtling eine Deutsche vergewaltigt und ermordet. Gniffke antwortet, wegen der Rassenunruhen in den USA habe das Thema gesellschaftliche Relevanz. Bei dem Mord an Maria L. handele es sich zwar um ein schweres Verbrechen, habe aber keine ähnliche gesellschaftliche Relevanz.

  • Thomas Krause
    • Thomas Krause

    Noch bevor Kai Gniffke irgendetwas gesagt hat, bricht auf Facebook schon die Diskussion los. 367 Kommentare gibt es bislang zur Ankündigung von "Ihre Fragen zu Freiburg".


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