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Serienclub: "Miss Fisher's Murder Mysteries": Stellen Sie sich Miss Marple als Sexbombe vor

Sie mögen Sherlock Holmes, Miss Marple und die wilden Zwanziger? Dann sind Miss Fishers mysteriösen Mordfälle genau ihr Ding. Eine gutgelaunte Whodunnit-Serie mit schillerndem Tiefgang.

Von Sophie "Miss Marple" Albers Ben Chamo

Essie Davis in "Miss Fisher's Murder Mysteries"

Wäre Miss Marple Australierin gewesen und eine waschechte Sexbombe, sie hätte möglicherweise Miss Fisher geheißen.

Stellen Sie sich vor, F. Scott Fitzgerald hätte Miss Marple einem Radikal-Makeover unterzogen - und sie nach Australien verpflanzt. Wenn Sie den einen oder die andere schätzen, werden Sie "Miss Fisher's Murder Mysteries" lieben!

Phryne Fisher ist verdammt schlau, unglaublich sexy und unverschämt reich. Als selbsternannte Privatdetektivin löst sie im Melbourne der 1920er Jahre Mordfälle - jede Folge einen. Und sie schleppt ein Trauma mit sich herum - so wie Sherlock seinen Moriarty. Aber das merkt man nur am Rande.

Heißblütig und eiskalt

Alles ist mysteriös an dieser fragilen Frau mit dem schwarzen Bob, diesem Flapper-Girl mit goldenem Herzen: wo sie herkommt, wo sie hin will, was sie treibt, wie das ehemals arme Mädchen eigentlich so reich geworden ist... Aber man vergisst sehr schnell, sich darüber zu wundern, weil es einfach eine Lust ist, Phryne bei der Mörderjagd zu begleiten und hin und wieder Häppchen aus ihrer Vergangenheit aufzuschnappen wie ein glücklicher Golden Retriever: Wenn sie Männern Kopf und Ego verdreht (ob früher in Paris oder in Melbournes verrauchten Jazzclubs), wenn sie den Alltag zur Party macht (in der Spelunke oder beim Nachmittagstee der feinen Gesellschaft), wie sie eiskalt kombiniert, heißblütig liebt und herzenswarm ihre Patchwork-Familie aus Angestellten zusammenhält.

Da ist die liebliche, erzkatholische, meist unterschätzte Dot, die man als Phrynes Personal Assistant bezeichnen könnte, die alles für ihre Chefin tun würde, auch wenn sie hin und wieder mit ihrem Glauben hadert, weil Phryne ihr zeigt, was Frau Anfang des 20. Jahrhunderts alles kann. Dot ist verbandelt mit dem stoffeligen, herzensguten Polizisten Hugh, der wiederum für seinen Chef, den schneidigen Kommissar Jack Robinson, durchs Feuer gehen würde. Diesem Robinson macht Phryne mit ihren eigenwilligen Ermittlungen das Leben schwer - manchmal aber auch um einiges leichter. Nach ein paar Folgen werden sie alle - und natürlich auch Mister Butler, Tante Prudence, Burt und Cec - zu ihrer Familie zählen. Versprochen. Und nebenbei fügt sich das Bild zusammen, bei dem - zum Glück - aber immer auch ein paar Puzzleteile fehlen. 

Lustig bis David-Lynch-verstörend

Die Fälle werden mal gemütlich-lustig erzählt, mal David-Lynch-mäßig verstörend. Routine gibt es nicht. Und darum macht "Miss Fisher's Murder Mysteries" auch süchtig. Den größten Kick gibt dem Zuschauer allerdings Hauptdarstellerin Essie Davis. Eine richtige Frau, die die Spuren ihres mittleren Alters wie Medaillen trägt, bedeuten sie doch vor allem Erfahrung. Denn genauso wie die wunderbare Miss Marple kann Phryne einfach alles - und wenn nicht, weiß sie definitiv, wo sie einen Experten findet. Ganz ohne Google.

Hier finden Sie mehr Infos über die Buchvorlage 

"Miss Fisher's Murder Mysteries" finden Sie auf Netflix und bis zum 22. Juli noch im Sony Entertainment TV. Danach wieder ab Herbst. 

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