Moderatorencheck Mario Barth lacht sich kaputt - über sich

Jetzt hat er auch noch seine eigene Fernsehsendung: "Mario Barth präsentiert", heißt sie und zur Premiere ging es um nichts weniger als um Comedy, Talk, Action und einen Mega-Star. Zwischen kurzen Comedy-Einlagen wird Bumsda statt Dingsda gespielt und gemütlich Zigarre geraucht.
Von Michael Rossié

Ob Mario Barth witzig ist, das müssen Sie selbst entscheiden. Ob Mario Barth ein guter Moderator ist, das lässt sich allerdings nach der ersten Sendung mit einem klaren Nein beantworten, jedenfalls wenn man objektive Maßstäbe anlegt. Und das sollte man bei einer Comedy-Sendung vielleicht einfach nicht tun.

Es klappt kein einziges Spiel, weil Mario Barth die Regeln nicht richtig erklären kann und selber nicht verstanden hat, wie das Spiel funktioniert. Er verwechselt die Namen, bietet Getränkeflaschen ohne Gläser an und viele Sätze haben kein Ende: "Ingo muss jetzt fernsteuernd deine..." oder "Ist der Ralf äh..." Oft weißt er nicht, was passiert ("Ich würd' sagen, machen wir mal Werbung").

Aber was soll's? Wozu sich vorbereiten?! Ist doch Comedy. Solange es witzig ist. Und es ist alles witzig. Es muss alles witzig sein. Es hat alles witzig zu sein. Es sind schließlich Top-Comedians, beziehungweise Supersupersupersuper-Comedians, die von Mario Barth in der Sendung heftig beklatscht werden. Auch alles andere ist supertoll. Wenn eine Frau in zweieinhalb Minuten einparkt ist das ein wahnsinniger Weltrekord, der Stunt-Instructor ist gleich der Beste der Welt, und natürlich hat sich Mario Barth immer noch was ganz Großartiges einfallen lassen.

Und Barth gefällt sich gut

Und Barth gefällt sich so gut, dass er oft nicht weitermoderieren kann, weil er so über seine eigenen Gags und Ideen lachen muss. Schon zu Beginn der Sendung lacht er sich über einen angeblich überraschenden Stunt mit Ralf Möller kaputt, der sich am Ende als komplett einstudiert herausstellt. Alles ist sensationell und das Wort "geil" in Bezug auf sich und die Sendung kommt so oft vor, dass man das Gefühl hat, in eine Endlosschleife geraten zu sein.

Irgendjemand muss ihm gesagt haben, dass Begeisterung für sich selbst auch Begeisterung bei anderen hervorruft. Mir gehen Menschen, die sich selbst ununterbrochen feiern, eher auf die Nerven. Ich möchte selbst entscheiden, was ich witzig finde.

Mit der deutschen Sprache nimmt Barth es auch nicht so genau. Da ist Gaby Köster "der treibende Motor", da ist "die Motorhaube in Arsch", und nach der Pause heißt es "die Leute, die jetzt zugeschalten haben". Egal ob "Du siehst, was aus dem Auto passiert" oder "Falls es klappt, wie ich mir das glaube": Schüler, die sich bei Mario Barth etwas abgucken, werden dafür sorgen, dass wir bei der nächsten Pisa-Studie hinter Burkina Faso landen. "Wer gewinnt, hat gewonnen" oder "Von der Zeit her ist er schneller gewesen" oder "Immer wenn der Begriff aus dem Mund kommt" oder "Haben wir ein klein Filmchen" gehören zu den ungeschliffenen sprachlichen Diamanten, mit denen Barth uns ungewollt immer wieder zu Lachsalven hinreißt. Bisher habe ich gedacht, Mario Barth sei auf der Bühne eine Kunstfigur. Möglicherweise spricht der aber wirklich so?

Die auswendig gelernten Moderationssätze stammen aus dem Archiv für Moderatoren. Da ist Ralf Möller "Deutschlands Export-Schlager Nr.1" (Heidi Klum lacht gerade) und "Mr. Hollywood" (George Clooney schüttelt den Kopf), und auch das immer wieder gern genommene "Begrüßen Sie mit mir" darf nicht fehlen.

Natürlich gibt es eine Showtreppe, die alle mit ausgebreiteten Armen herunterschreiten, wobei das Publikum seine Stars so feiert, als würde es nach Applaus bezahlt. Da witzelt Gaby Köster über ausleiernde BHs, Ingo Appelt darüber, wie aus Macho und Weichei ein Matsch-Ei wird, und Ralf Möller darf gerade einen einzigen ganzen Satz zu Ende sagen, nämlich, dass er im Gespräch für den neuen Bond-Film ist. Das war's schon wieder.

Wer Mario Barth mag, der ist wahrscheinlich durch nichts zu erschüttern, wer Comedy sucht, sollte sich Spielchen und Moderation im Schnelldurchlauf ansehen.


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