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Kurzarmhemd und Sieben-Achtel-Hose Der Mann, der Sommer und die Mode

Männermode im Sommer
Männermode im Sommer
© Bildagentur-online/Schoening / Picture Alliance
Wenn es draußen heiß wird, werden auch Männer zeigefreudig. Das ist nicht immer von Vorteil, weiß Kester Schlenz.

Junge Leute könne beinahe alles tragen. Ich nicht. Ich welke bereits. Deshalb trage ich zum Beispiel im öffentlichen Nahverkehr keine kurzen Hosen, weil ich keinen Kackstelzen-Alarm auslösen will. Aber das sieht nicht jeder Mann so.

Männermode im Sommer

Heute saß ich neben einem Herrn in meinem Alter, der nicht nur kurze Polyester-Hosen trug, aus denen weiße, dünne Röhren ragten. Seine nackten, verwitterten Füße steckten zudem in offenen Sandalen.

Es gibt ja diese Schockfotos von Gesichtern, auf denen zu sehen ist, was Crystal Meth mit Menschen macht. So müssen ihre Füße aussehen. Aber der Mann – er las ein Buch von Mario Barth – zeigte ungeniert grobe Schwieligkeit und ungemachte Nagelbetten. Ein Fußpfleger müsste wohl zu einer Flex greifen, um einigermaßen Grund in diese mutierten Mauken zu bekommen.

Ich habe bei Stil-Beratern nachgelesen. Sie sagen alle ausdrücklich, dass Männer im beruflichen Kontext geschlossene Schuhe tragen müssen. Der Weg zur Arbeit gehört meines Erachtens dazu. Ich finde, das sollte auch für den einkaufenden oder flanierenden Herren gelten. Der Schuh kann ja leicht sein. Und gern auch ohne Socken getragen werden. Aber er muss den Fuß umhüllen. Und zu Hause? Nun ja – fragen Sie Ihre Partnerin, was sie gern sehen würde und was nicht.

Männer haben weniger Auswahl

Aber es nützt ja nichts: Wenn es draußen so heiß ist, muss man ja auch als Mann irgendwie ablegen. Nicht nur im Fußbereich. Frauen tragen luftige Kleider, deren leichter Stoff ihre Körper launig umweht und dazu Sandaletten oder gar Flip-Flops. Auch bis in die besten Jahre hinein. Und keiner motzt. Wir Männer haben da weniger Auswahl. Eigentlich gehen nur Hosen und Slipper.

Kommen wir zum Männerbein. Der mutige Typ beginnt ab Mai mit einer Sieben-Achtel-Hose und lässt die Socken weg. Dann lugt aber immer ein Stück behaartes Bein hervor, das meist aussieht wie ein Mischwald nach Brandrodung. Merke: Hosen können leicht und luftig sein, aber sie sollten bis zum Schuh gehen. Aber nicht jede leichte Hose geht –  auch, wenn sie bis zum Schuh reicht. Karl Lagerfeld hat mal gesagt: "Wer in einer Jogginghose das Haus verlässt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren." Dem ist nichts hinzuzufügen.

Gegen kurzärmlige Hemden ist im Grunde nichts einzuwenden. Viele Männer haben schöne Unterarme und nicht so sehnige Äste wie ich. Aber weniger als kurzärmelig geht nicht. Der Herr in der S-Bahn letzte Woche mit seinem knappen Achsel-Shirt und der wuchtigen Wolle unter den Armen irritierte nicht nur mich. Er trug zudem auch lang im Ohr. Das ist grundsätzlich ein Problem der männlichen Generation Ü-Sechzig. Mag auch das Haupthaar schwinden und das Knie im Kopf durchkommen: aus Ohr und Nase wächst es – borstig und dunkel. Ich empfehle jedem meiner Altersgenossen dringend die Anschaffung eines Ohren- und Nasenhaarschneiders, der beherzt und regelmäßig anzuwenden ist, damit man keine Dauerwelle in Zinken oder Lauscher trägt. Die Frage muss grundsätzlich gestellt werden:  wie viel Haar will man seinen Mitmenschen zumuten? Gehören die Achseln, die Beine, die Brust und auch die Ohrmuscheln zu den Körperteilen, die man öffentlich bewaldet präsentieren sollte? Ich meine nein. Dies gilt übrigen auch für den Steiß. Männer mit zu luftigen Hosen, die sich bücken geben Blicke in Abgründe frei. Ich nenne nur das Stichwort: Maurer-Dekolleté.

Schweißgeruch in der Bahn

Auch die olfaktorische Komponente des Sommers darf hier nicht unerwähnt bleiben. Beinahe jeder Dritte in der Bahn könnte sich nach meinem Empfinden mit dem Kalauer "Gestatten, mein Name ist Schweiß, Axel Schweiß" vorstellen. Es ist doch nicht so schwer, sich unterm Arm zu waschen und ein wenig Deo aufzutragen, oder? Obwohl das auch nicht immer hilft. Seit ich Unterarm-Lotionen ohne die in Verruf geratenen Aluminiumsalze benutze, schwitze auch ich stärker. Das gesündere Deo wirft uns zivilisatorisch um Jahrzehnte zurück. Wer jemals im Hochsommer in einem Fahrstuhl mit einem ehrgeizigen Jogger stand, weiß, wovon ich rede.

Also, Männer, kleidet und pflegt euch so, dass einem morgens in der S-Bahn oder beim Einkaufen nicht der Muckefuck wieder hochkommt. Zieht gern blank am Baggersee oder auf dem heimischen Balkon. Aber bedeckt Bauch, Beine, Po!

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