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Niederländische TV-Show mit abgelehnten Asylbewerbern Provokante Show soll Debatte anstoßen


Fernsehmacher haben in den Niederlanden ein buntes TV-Quiz mit abgelehnten Asylbewerbern inszeniert. Damit wollen sie auf das Schicksal dieser Menschen aufmerksam machen. Viele Zuschauer lobten das Anliegen der Sendung.

Fast eine Stunde lang konnten die Kandidaten mit Wissen brillieren, das ihnen in ihrem neuen Leben wahrscheinlich nicht mehr viel nutzen wird: Im niederländischen Fernsehen haben sich am Donnerstag fünf abgelehnte Asylbewerber einem Wissens-Quiz über das Land gestellt, das sie nun verlassen müssen. Siegerin der als gezielte Provokation gedachten Show, die schon vorher für viel Wirbel gesorgt hatte, war eine junge Kurdin aus Armenien.

Die junge Frau namens Gulistan gewann bei der am Donnerstabend im öffentlich-rechtlichen Sender VPRO ausgestrahlten Sendung "Weg van Nederland" (etwa: Raus aus den Niederlanden) 4000 Euro - die sie nach ihrer Abschiebung für ihr Leben in Armenien bekommen soll. In der Sendung stellten fünf abgelehnte Asylbewerber, die seit mindestens neun Jahren in den Niederlanden leben und denen die Ausweisung droht, ihr Wissen über die Niederlande unter Beweis.

Die Macher der zunächst zynisch anmutenden Sendung wollten mit dem Quiz nach eigenen Angaben auf den Umgang mit Asylbewerbern in den Niederlanden aufmerksam machen. "Wir wollten wirklich eine Debatte anstoßen", sagte Marius van Duin, der die Sendung mit entworfen hatte, in einem vor der Quiz-Show ausgestrahlten Beitrag. VPRO-Chefredakteur Frank Wiering erklärte: "Wir wollen zeigen, wie sehr sie (die Quizteilnehmer) Niederländer sind." Es gehe nicht um "Geschichten vom Unglück" der betroffenen Menschen. Vielmehr sei es darum gegangen, klar zu machen, dass es falsch sei, die Asylbewerber in ihre Heimatländer zurückzuschicken.

In der 50-minütigen Sendung mussten die Kandidaten Fragen rund um Politik, Kultur und Sport in den Niederlanden beantworten und unter anderem die Landkarte der Niederlande mit Gouda-Käse nachstellen. Unter den Kandidaten waren unter anderem ein Medizinstudent aus Syrien und eine Studentin der Luftfahrttechnik aus Kamerun, sie alle sprachen perfektes Niederländisch. Die Verlierer erhielten Trostpreise wie Blumenknollen, ein Überlebenspäckchen oder eine mit Windmühlen verzierte Rettungsweste.

Die Gewinnerin Gulistan hatte vergeblich alle rechtlichen Möglichkeiten gegen ihre Abschiebung ausgenutzt. "Haben Sie jetzt gesehen, wie sehr ich eine neue Heimat gefunden habe?", fragte sie nach ihrem Sieg mit einem Knoten im Hals in die Fernsehkamera.

cjf/AFP/DPA DPA

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