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"Geheimakte Otto – Harry Hirsch auf Spurensuche" "Wo soll das Emden?" Leider nicht in Witzenhausen - Otto und sein Flachwitzsonntag im ZDF

Otto als Reporter Harry Hirsch
Otto als rasender Reporter Harry Hirsch
© ZDF
"Wat hat dat Watt, wat dat Watt nur hat?" Dieser Frage ging das ZDF anlässlich des 70. Geburtstages von Otto Waalkes nach und zeigte eine Rückschau auf das Werk des Komikers. Leider eingebettet in eine flache Story.

"Herr Spion ans Telefon. Herr Agent, es brennt. Ein Schnitzel für den Spitzel." Die klamaukigen Otto-Scherze prägten eine ganze Generation. Am Sonntagabend waren die Highlights noch einmal zu sehen. Der Sketch "Theo, vier fahr'n nach Lodsch" ebenso wie die aus dem Grab auferstandenen Heinos aus seinem ersten Film oder seine Vader-Abraham-Verballhornung "Otto und die schwulen Schlümpfe": "Warum seid ihr Schlümpfe klein?" - "Halt dein Maul, du dummes Schwein!" Otto-Fans kamen voll auf ihre Kosten. Auf alle anderen wirkte der Otto-Humor wie aus der Zeit gefallen: ein Mario Barth der Antike.

In "Geheimakte Otto – Harry Hirsch auf Spurensuche" versuchte sich das ZDF zum 70. Geburtstag des Komikers an einer Werkschau - und an Selbstironie: In einer Parodie auf die Dokureihe "ZDF Mystery" begrüßte Guido Knopp die Zuschauer zu einer Fake-Dokumentation und schickte Harry Hirsch – den von Otto erfundenen rasenden Reporter – nach Ostfriesland, um das Geheimnis von Ottos Erfolg zu lüften. Dass Hirsch von Otto höchstpersönlich gespielt wurde, verstand sich von selbst.

Otto Waalkes altert nicht

Otto scheint nicht zu altern. Weder äußerlich – Respekt, er sieht immer noch so aus wie früher - noch humoristisch. Seinem Beinamen Blödelbarde macht er noch immer alle Ehre. "Wie soll das alles Emden?", fragt er in die Kamera, als er in seiner Geburtsstadt unterwegs ist. Ein typischer Otto-Scherz. Da fehlte nur das Hollahido.

Es folgten zahlreiche Ausschnitte aus seinen früheren Sketchen und Fernsehauftritten und aus alten Otto-Filmen. Als "Otto – der Film" 1985 in die deutschen Kinos kam, brach er alle Rekorde. 14,5 Millionen Zuschauer lockte Otto ins Kino. Das schaffen heute nicht mal mehr die größten Blockbuster. Ottos Witze brannten sich in das kollektive Gedächtnis einer ganzen Generation. Auf Schulhöfen und in Büros waren Gags wie "Wie pinkelt ein Eskimo?" der Renner.

Der Erfolg der Otto-Gags bleibt unerklärt

Doch die angebliche "Spurensuche" geriet zu einer müden Aneinanderreihung. Wie gerne hätte man Zeitzeugen gehört, Begleiter und Bewunderer. Sie hätten zumindest den Versuch unternehmen können, den Erfolg der flachen Otto-Gags zu erklären. Den Ausbruch aus den korsetthaften Moralvorstellungen der damaligen Zeit. Dass die Frechheit und Chuzpe, mit der Otto seine Witze vortrug, mutig und neu war. Er ebnete nachfolgenden Komikern wie Hape Kerkeling damit den Weg.

Stattdessen beließ es das ZDF an einer Überdosis Flachwitz. Eine Geburtstagsparty für die Generation Otto und ein Ständchen auf ein Relikt der alten Bundesrepublik. Ein vielleicht letztes Mal: "Otto … find' ich gut!"


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