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"Promi Big Brother" Ben und Mario: zwei Gorillas im Nebel

Ben Teewag und Mario Basler
Ben Teewag ist am Boden zerstört. Andere Leute nominieren? Bitte nicht. Jemanden rauskicken? Um Himmels willen nein. Kein Bock auf Endgame. Da hört Mario natürlich hin
© Sat1
Kein Bock auf Endgame: Bad Boy Ben Tewaag geht mit etwas Verspätung der Sinn von "Promi Big Brother" auf. Gut, dass Mario Basler die Tränen trocknet. Und eine Adoption in Aussicht stellt.
Von Ingo Scheel

Da sitzen sie und quartzen einander die Hucke voll, als würden sie Überstunden beim Rauchmelder-TÜV machen. Tewaags Ben, im Tattooshop-Lotto den einen oder anderen Sechser gewonnen, und Mario Basler, der Trainer mit Lungenzug-Lizenz - der eine mit E-Nebelkerze, der andere eine altmodische Aktive nach der anderen inhalierend. Wie hieß es einst über Argentiniens Nationalcoach, Kettenraucher César Luis Menotti: Er hatte schon eine neue Zichte im Mund, bevor die alte den Boden berührte. Wem für derlei Kippenphysik die Fantasie fehlt, dem sei der Basler-Livestream empfohlen. Nur echt mit abschreckendem Warnschildchen. Kaum vorstellbar, dass der Mann überhaupt noch normale Luft atmet. Wenn gar nichts mehr geht, kann der gute Mario sich immer noch als Buchautor in Sachen Lebenshilfe versuchen. Arbeitstitel: Rauchen wie Helmut Schmidt.

Nun ja, aber die Themen sind ernst, das erhöht den Nikotinbedarf entsprechend. Und wenn einem soviel Beichte wird beschert, das ist schon eine Stange Filterkippen wird. Dabei geht es Ben Tewaag so wie jenen bekümmernswerten DSDS-Kandidaten, die erst nach der x-ten Bohlen-Beleidigung, dem zigsten platten Popsong feststellen, dass dieses Casting-Zeugs irgendwie doch nicht ihr Ding ist. Zu kommerziell. Zu Dieter. Zu DSDS. 

Ben Teewag will andere Leute bei "Promi Big Brother" nicht rausschmeißen

Für Tewaag heißt das bei "Promi Big Brother": Spätbemerktes Wettkampf-Gefühl. Und gar nicht in Stimmung dafür. Andere Leute nominieren? Bitte nicht. Jemanden rauskicken? Um Himmels willen nein. Kein Bock auf Endgame. Da hört Mario natürlich hin. Endgame - das wär mal wieder was für den Landesligisten. Stattdessen verkündet ihm sein Gegenüber "unter vier Augen", dass er auf so etwas wie Finale gar keinen Bock hat und die anderen ihn rauswählen sollen.

Das weckt nicht nur den Motivator in Mario, da geht auch dem Familienvater in ihm das Herz auf wie ein saftiges Steak: "Dem gebe ich meine Telefonnummer. Ich bin für ihn eine Respektsperson. Ich nehme ihn in den Kreis meiner Kinder auf." Soviel Offenheit gibt es jedoch nur Richtung Kamera, für den Betroffenen jagt Basler den Pep-Talk nochmal durch den Seitenlinien-Translator: "Du kannst mir die Eier abschneiden, aber solange wir beide hier drin sind, kriegst du meine Stimme net". Das ist die Sprache, die Tewaag versteht. Das trocknet sogar fast die Tränen.

Joachim Witt: Leider seh ich nicht aus wie Jessi

Powered by emotion - und wie. Das mit den Eiern und dem Abschneiden könnte auch andernorts in der Luxusetage eine willfährige Maßnahme sein. Da reißt die chronisch zwischen den Aggregatszuständen trunken und angetrunken mäandernde Jessi mit dem implantierten Gesäßkoffer die Nein-heißt-Nein-Kampagne im Handstreich ein und giggelt und ächzt proto-orgasmisch unter dem vielhändigen Hinternklatsch-Bukkake ihrer Mithäftlinge. Aber mal im Ernst jetzt: Wenn wir so aussehen würden, dann würden wir auch so rumlaufen. Meint Jessi jedenfalls. Und nicht nur Joachim Witt bedauert: "Leider sehe ich nicht so aus".

Nun sieht Cathy auch nicht (mehr) so aus, deswegen wirft sie sich zwecks Extra-Leckerli-Erheischung für die darbenden Troglodyten aus dem Untergeschoss in das Kostüm einer Kaltmamsell und tanzt für das jessi-verwöhnte Obergeschoss eine Art Mini-Playback-Poledance. Der Lohn: Milchreis für alle. Scheiße mit Reiße. Dem Prinzen schmeckt’s. Nach seinem Rauswurf am Ende der Sendung gibt es für den Selfmade-Adligen in Kürze jedoch eh wieder Handfesteres.

Irgendwo zwischen drin ist Mario Basler, dessen Stimme zuweilen klingt, als hätte er mit alten Tom-Waits-Platten gegurgelt, noch kurz mit heruntergelassener Hose auf dem Lokus zu sehen. Eine ebenso eindringliche wie verstörende Szene, bei der man sich auch Stunden später noch fragt, ob das diese "gefühlte Realität" ist, von der alle reden.


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