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TV-Kritik

"Promi Big Brother"bei Sat1: Wer einmal aus dem Klo-Napf säuft

Ohne Basler ist hier gar nichts los! Routiniertes Gemetzel zum Einzug in die Container-Anlage: Panik-Attacken, improvisierter Espresso, Kettenrauchen, Lümmelhosen und sanitäre Ekeleien. Das muss "besser" werden.

Da ist man so gerade wieder aus dem fiebrigen Fluchtschlaf nach der Mittwochsausgabe des RTL Sommerhauses erwacht, da öffnet die nächste Trashbude ihre Tore. "" auf Sat 1 macht das Rollo wieder hoch und gemahnt an den seligen Simmel: Mit den Clowns kamen die Tränen. Willy Herren, burschikoser Burnouter, menschgewordener Lungenzug mit Fozzy Bär auf der Brust und Camouflage überm Arsch weint schon halb, da hat er noch nicht einmal die Schwelle des Containers überschritten.

Willy Herren - erstmal eine dampfen

Routiniert wie beim Einzug in Santa Fu, sondiert er notgedrungen seine Klamotten und Mitbringsel, nur zehn Teile dürfen mit rein - strikte Beschränkungen wie einst an der Umkleide bei C&A. Für Herren zunächst kein Problem, aber schon im Sprechzimmer zeigt sich, wie brüchig hier noch der Firnis der Ziwillysation ist: "Pschyschisch" war das einfach alles schwierig, alles sei über ihm "eingebrochen", heißt es da im ersten Mitleidsmonolog. Schneufdischneuf. Erstmal eine dampfen, dann geht das schon wieder. Jetzt noch gewinnen, dann schuldenfrei sein. Träume muss der Mensch haben.

Na dann: Prost! Waren doch neu, die Dinger, oder?

Na dann: Prost! Waren doch neu, die Dinger, oder?

Das sind die Promi-Big-Brother-Bewohner

Beim Rest der "geilen Truppe" (Selbsteinschätzung) geht das in weiten Teilen noch geordneter vonstatten, auch wenn zuweilen nicht so ganz klar ist, ob diese Leute da tatsächlich eingeladen sind oder nur das Format gekapert haben. Sie kennen das Premierenspielchen ja wahrscheinlich, halten wir es also mit der guten, alten Tradition und stellen die Bewohner im vor:

Sarah Kern, Betätigungsfeld entfallen, hatte wohl auch Burnout, ließ sich "ihre Würde ficken", wird das "Ding aber rocken". Seriously, auch wenn das hier, fuck, aber really, die fucking Bronx ist. Besondere Merkmale: Keine Duschsachen dabei. End-creepy, das Ganze. Steffen von der Beeck soll Jenny Elvers erst betreut, dann gerettet, später wohl auch etwas zu fest angepackt haben. Reicht augenscheinlich als Vorbildung für den Container. Typ jungenhafter Kontrollfreak mit Hang zu Manspreading in Joggingbüx.

Danach . Meine Güte, endlich kennt man mal jemanden. Die Dingens ist jetzt blond, Buddhistin, hat angeblich in "Sharknado" mitgespielt und könnte damit fast als Promi durchgehen. Jens Hilbert und Evelyn Burdecki dagegen eher nicht. Er verdient sein Geld mit Enthaarung, sie war ein Viertelstündchen beim Bachelor im Bild, hat dieselbe glasschneidende Stimme wie Verona Pooth und möchte auch gern so berühmt werden.

Milo Moiré macht irgendwas mit ihren Möpsen und schießt mit Farbe gefüllte Eier aus ihrer Vagina auf Leinwände. Gut, dass Jackson Pollock das nicht mehr erleben muss. An Maria Hering soll wohl zumindest der Hintern noch echt sein, Dominik "Mr. Germany" Bruntner hat sein Aussehen komplett von Gott, winkt mit einem Kondom in die Kamera und hofft, really, hier vielleicht die große Liebe zu treffen.

Eloy de Jong hat die schon gefunden und verbringt die Zeit nach seiner Boyband-Karriere mit Caught in the Act als stolzer Vater einer Tochter. Klingt knuffig, die allzu detaillierte Erklärung jedoch, wie sein Freund und er und die Leihmutter den Zeugungsvorgang da haben vonstatten gehen lassen, sollte Töchterchen beim Googlen in zehn Jahren besser nicht mehr finden. Haben wir wen vergessen? Oh, eine gewisse Claudia Obert soll auch noch dabei sein, Fashionjunkie und Luxus-Litfaßsäule. Sucht was Junges, denn "alt bin ich selber". Der Spruch könnte auch vom Dutzend vollmachenden Bewohner stammen: , der Dicke aus "Eis am Stiel", komplettiert die Runde.

Ab in den komfortlosen Containerknast

Und damit hier erstmal die Restseelen weiter gebrochen werden, zieht der ganze Tross geschlossen ins sogenannte "Nichts", jenen komfortlosen Containerknast, der von innen etwa so aussieht wie jene Flüchtlingsunterkunft, in der sich die Berliner Hundertschaft vorm G20-Gipfel die Langeweile mit Flaschenbier und Stand-Kopulieren am Maschendrahtzaun wegfeierte.


Im Promi-Container geht das ganze noch ein wenig bodenständiger zu. Zachi Noy wirkt größentechnisch und mit chronisch fragendem Gesichtsausdruck so aus, als hätte er die letzten fünf Jahre in einem R2D2-Kostüm zugebracht, Jens Hilbert im knallblauen Adidas-Trainingsanzug sieht aus wie Matze Knop an einem guten Tag als Hoffenheim-Coach Nagelsmann. Nur Knappik und Herren schlüpfen mit der milden Gleichgültigkeit der alten Hasen ins Format wie in einen alten Schlappen, der Rest sucht noch nach Orientierung.

Trinken bis zur nächsten Tschällinsch

Und als man gerade denkt, dass der Motor hier noch etwas untertourig läuft, kommt es da und dort doch noch zu Bildern für die Nachwelt: Willy Herren versteigt sich in einer diffusen, wort- und gestenreichen Attacke auf den Elvers-Ex und beruhigt sich erst, nachdem man ihm die Brust kalt entwachst. Sarah Kern dagegen bekommt eine derartige "Klaustrophobik", dass Sarah Knappik - wir erinnern uns: Buddhistin! - sie schließlich mit einer Augenklimper-Übung wieder auf den Boden holen muss.

Darauf wird angestoßen und das passiert, in Ermangelung von Gläsern oder sonstigen Behältnissen, aus jenem sanitären Plastiknapf, in dem sonst die Klobürste steht. Prost, Leute, die Teile waren ja auf jeden Fall neu, oder? Darauf noch einen mit Möhre angerührten Espresso, direkt aus einem Kühlschrank-Schubfach getrunken, und man ist fast auf Betriebstemperatur. Schon heute Abend folgt die nächste Tschällinsch.

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