Sandmännchen-Jubiläum Der Traumbringer wird 50


Markantes Gesicht, unbewegliche Knopfaugen, kein Mund - und immer einen Sack voll Sand dabei: Das Sandmännchen feiert heute seinen Geburtstag. In den vergangenen 50 Jahren hat die beliebte TV-Figur rund 18 Milliarden Träume gebracht. Und war sogar im Weltraum.

Vorn in der Lokomotive sitzt der kleine Traumbringer und winkt fröhlich. Seine Freunde belagern die Waggons, und auf dem Zug prangt in Kinderschrift "Sandmann-Express". Im "Sandmann-Büro" des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) schmücken so manche Werke der kleinen Fans die Wände, in der Ecke türmen sich Pakete, und unter dem Tisch steht die prall gefüllte Post-Box. Es stapeln sich die Glückwünsche und Basteleien für Deutschlands beliebte TV-Figur, die am Sonntag ihren 50. Geburtstag feiert. "So viele Anfragen wie jetzt hatten wir noch nie zu bewältigen", sagt Paraskevi Makri und fischt aus einem Paket ein liebevoll gestaltetes Mobile.

Gemeinsam mit ihrer Kollegin Elke Matthai beantwortet sie die Post an das Sandmännchen. Mehr als 10.000 Briefe, Pakete und E-Mails aus dem In- und Ausland kommen jedes Jahr an. "Welche Torte isst der Sandmann am liebsten?", "Wo wohnt der Traumbringer?", "Darf ich Dich mal besuchen?" - solche kniffligen Fragen sind dabei nicht selten. Und der Inhalt der Pakete aus den vergangenen Jahren füllt bereits so manchen Kellerraum. "Wir heben alles auf", versichert Makri.D

Sandmännchen hat 18 Milliarden Träume gebracht

Sandmännchen, gebastelt aus Kastanien, Salzteig und kleinen Blumenübertöpfen, als Hampelmann oder Fensterbild - der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. All das zeigt: Der in die Jahre gekommene kleine Mann mit dem schlohweißen Bart und der meist roten Mütze ist noch immer ein Star. Kein Wunder, denn Generationen - zunächst im Osten und seit der Wende auch im Westen - hat er schon mit seinem Traumsand ins Bett geschickt. Schätzungsweise 18 Milliarden Träume brachte er, wie der RBB ausrechnete.

Der Deutsche Fernsehfunk der DDR strahlte "Unser Sandmännchen" erstmals am 22. November 1959 aus. Seitdem ist es (fast) nonstop auf Sendung. Nur an zwei Abenden vor der Wende warteten die Kinder vergeblich auf den Abendgruß: Nach dem Tod des ersten DDR-Ministerpräsidenten Otto Grotewohl (21.9.1964) und dem des Vize- Staatsratsvorsitzenden Johannes Dieckmann (22.2.1969).

In diesem Jahr mussten zudem die RBB-Zuschauer am 5. September wegen der Ausstrahlung der Doku "24 Stunden Berlin" auf den Traumsand verzichten. Sie konnten den Abendgruß aber im Mitteldeutschen Rundfunk (MDR), Ki.Ka oder Internet verfolgen. An allen anderen Tagen in den vergangenen 50 Jahren kam der 24 Zentimeter kleine Sandmann mit einem seiner teils kuriosen Fahrzeuge - von der Taucherglocke über den Schlitten bis hin zum umweltfreundlichen Solarmobil.

Sus dem All grüßte er schon: Der erste Deutsche im Weltraum, der Kosmonaut Sigmund Jähn, nahm die Figur auf seinem Flug 1978 mit. Jähn gehört auch zu den Gratulanten in einer 90-minütigen Show, mit der die Fernsehsender RBB und MDR am Sonntag ab 20.15 Uhr das Geburtstagskind hochleben lassen wollen. Bis dahin hat Paraskevi Makri sicher noch alle Hände voll damit zu tun, die Fan-Post zu beantworten. "Jedes Kind, das gemalt oder gebastelt hat, bekommt ein kleines Dankeschön zurück - unter anderem Ausmalbilder und Aufkleber."

Anlässlich des Sandmann-Geburtstages ist im Potsdamer Filmmuseum derzeit eine Sonderschau sowie das mit fast zwei Kilometern "längste Sandmann-Bild der Welt" aus 10.000 von Kindern ausgemalten Bildern zu sehen. Außerdem entstand in Babelsberg der erste Kinofilm mit dem Traumbringer in der Hauptrolle. "Der Film soll im nächsten Jahr starten, einen genauen Termin gibt es aber noch nicht", ist von der Produktion zu erfahren.

Übrigens ist die TV-Figur über all die Jahrzehnte unverändert geblieben: markantes Gesicht, unbewegliche Knopfaugen und ohne Mund. Experimente wagten die Macher auch bei der Musik nicht - und so erklingt allabendlich der Ohrwurm: "Sandmann, lieber Sandmann, es ist noch nicht so weit!"

DPA DPA

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