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Sendestart von Joiz: Mitmach-Fernsehen made in Switzerland

Deutschland hat jetzt seinen eigenen Social-TV-Sender: Joiz. Dort wird klassisches Fernsehen mit der Interaktivität des Internets verknüpft - und dem Sammeln von Bonuspunkten.

Früher war es der Zigarren rauchende Chefredakteur, der bestimmte, was im Fernsehen passiert. Heute bist du es, der Zuschauer. Ob Zigarre rauchend oder nicht, sei mal dahingestellt." Seit dieser Woche liefert Joiz das erste Social-TV Deutschlands. Und erklärt dieses neuartige System auf joiz.de mit einem kleinen Video - damit auch alle Zuschauer verstehen, worum es dem Schweizer Sender geht.

Man verbinde konventionelles Fernsehen mit Interaktivität über das Netz, erklärte Deutschland-Geschäftsführer Carsten Kollmus. Den privaten Sender gibt es in der Schweiz seit zwei Jahren. Zuschauer werden ermutigt, sich per Chat, Video-Telefonie und Abstimmungen in das Live-Programm einzumischen. So kann es passieren, dass Fans bei Interviews mit ihren Stars live dazugeschaltet werden. Sie sind dann im Studio nicht nur zu hören, sondern über ihre Webcam auch zu sehen.

Die Interaktion, von der Joiz lebt, macht der Sender seinen Zuschauern durch ein Punktesystem schmackhaft. Für jeden Kommentar oder Like-Button erhält der angemeldete User Punkte - die er dann später auf dem virtuellen Marktplatz gegen Prämien wie iTunes-Gutscheine oder Konzertkarten tauschen kann.

Zwischen Living Room und Flirt Kitchen

Die Medienanstalt Berlin-Brandenburg hat dem Kanal eine Lizenz als TV-Vollprogramm erteilt. Die Programmthemen reichen von Musik, Mode und Gesellschaft bis zu digitalem Leben, Sexualität und Politik. Finanziert wird der Sender über Werbung und Sponsoring. Eigens für den Deutschland-Start wurden neue Moderatoren verpflichtet, die Sendungen wie "Noiz" (Nachrichten), "Joizone" (Talkshow), "Living Room" (Entertainment) oder die Dating-Show "Flirt Kitchen" präsentieren. Das Programm wird von rund 50 Mitarbeitern im ehemaligen Berliner Postbahnhof produziert. Zu empfangen ist der Sender per Satellit, Kabel sowie über die eigene Website joiz.de oder die TV-Plattform Zattoo.

Ihre Zielgruppe seien Zuschauer zwischen 15 und 34 Jahren, sagt Joiz-Gründer Alexander Mazzara. In der Schweiz liege das Durchschnittsalter des Publikums bei 32 Jahren. Immer mehr Menschen würden Mobiltelefon oder Tablet-PC als "zweiten Bildschirm" nutzen, Surfen und Fernsehen gehörten vor allem unter jungen Menschen zum Alltag, sagte Mazzara. Dafür habe Joiz interaktive Formate entwickelt.

Durch viele Musikclips und betont lockere Moderatoren erinnert Joiz an wenig an die alten Tage von MTV - vor Klingeltonwerbung und Pay-TV. Ob Social-TV die Zukunft des Fernsehens ist, wird sich noch zeigen. Der Prämiengedanke scheint auf jeden Fall zu funktionieren: In den Chats wird fleißig diskutiert.

vim/DPA / DPA
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