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Serienclub: "Episodes": "Ich möchte Sex mit ihrer Serie haben"

Sie waren Fans von "Friends"? Dann haben wir was für Sie: In der Serie "Episodes" spielt Joey-Mime Matt LeBlanc mit - besser gesagt spielt er sich selbst. Unser Autor findet: Eine bessere Comedyshow gibt es derzeit nicht. Und hat gleich mal alle Staffeln im Rausch durchgeschaut.

Von Hannes Roß

Und, erkennen Sie Matt LeBlanc alias Joey? Ein bisschen ergaut, aber ja: er sitzt ganz rechts. Neben ihm: Tamsin Greig,  die in "Episodes" Beverly Lincoln spielt. Ganz links: ihr Film-Ehemann Sean (Stephen Mangan).

Und, erkennen Sie Matt LeBlanc alias Joey? Ein bisschen ergaut, aber ja: er sitzt ganz rechts. Neben ihm: Tamsin Greig,  die in "Episodes" Beverly Lincoln spielt. Ganz links: ihr Film-Ehemann Sean (Stephen Mangan).

Erinnern Sie sich noch an Matt LeBlanc? Klingt heute wie der Künstlername eines männlichen Pornostars, aber Matt LeBlanc war einmal der trottelig charmante Joey in "Friends". Die amerikanische Sitcom um sechs verkorkste New Yorker Freunde lief bis 2004. Das Serien-Finale sahen damals 51 Millionen Menschen. Berauscht von diesem irrsinnigen Erfolg probierte Matt LeBlanc danach eine eigene Solo-Show namens "Joey" aufzuziehen. Ein grausamer Flop. LeBlanc war damals erst 36 Jahre alt, hatte 60 Millionen Dollar auf dem Konto und schien den Rest seines Lebens als Hollywood-Früh-Privatier auf dem Golfplatz zu verbringen.

 Es ist dem "Friends"-Erfinder David Crane und seinem Partner Jeffrey Klarik zu verdanken, dass LeBlanc inzwischen wieder als einer der lustigsten und lässigsten Männer Hollywoods gefeiert wird. In der britisch-amerikanischen Sitcom "Episodes" spielt LeBlanc sich nämlich selbst – als aufgeblasenen, strauchelnden Ex-"Friends"-Star, der verzweifelt versucht, den Ruhm von gestern in die Zukunft zu retten. Allein wegen dieser Figur, in der sich Realität und Fiktion mischen, lohnt sich die Comedy "Episodes".

Eine bessere Comedyshow ist derzeit kaum zu finden

Alles fängt damit an, dass das britische TV-Autoren-Ehepaar Sean und Beverly Lincoln (grandios gespielt von Stephen Mangan und Tamsin Greig) von dem schmierigen Hollywood-Produzenten Merc Lapidus (John Pankow) nach Hollywood gelockt wird. 

"Ich möchte Sex mit ihrer Serie haben", sagt Lapidus den beiden auf einer Preisverleihung in London. Der Satz wirkt. Sean und Beverly gehen nach Hollywood, um ein amerikanisches Remake ihrer Arthouse-Comedyserie zu machen. Zwei gebildete, höfliche Briten landen in der heuchlerischen Show-Welt von Hollywood, wo jede Lüge mit einem Botox-Lächeln verkauft wird. Das ist der Plot. Und wie man seine künstlerische Glaubwürdigkeit in einer Welt voller menschlicher Erniedrigungen und unmenschlichem Narzissmus bewahrt, darum geht es im Kern. Doch keine Sorge, "Episodes" ist vor allem eine extrem unterhaltsame, extrem gut geschriebene, extrem süchtig machende Comedyshow. Ich habe eigentlich alle Staffeln in einem Rausch durchgeschaut. Knapp 20 Minuten geht eine Folge, danach sagt man sich immer wieder: "Ach, eine kann ich schnell noch gucken.“

Das liegt vor allem an  Matt LeBlanc. 2015 erhielt er den Golden Globe für seine Selbstdarstellung in "Episodes", und gerade wurde die fünfte Staffel in Auftrag gegeben. Vergessen Sie "Friends", vergessen Sie "Joey", das ist Fernsehunterhaltung aus einem anderen Jahrhundert. Schauen Sie „Episodes“, eine bessere Comedyshow ist zurzeit kaum zu finden. 

Die erste Staffel von "Episodes" erscheint am 11. Juli in Deutschland auf DVD.

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