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Serienclub- "The Syndicate": Das Los der Gewinner

Sie sind ein Seriensüchtiger? Denken, Sie kennen ungefähr alles, was der Markt derzeit hergibt? "The Syndicate" vielleicht noch nicht. In der britischen Serie versucht eine Tippgemeinschaft mit ihrem Millionengewinn klarzukommen. 

Von Bernd Teichmann

Ein Kritiker- und Zuschauererfolg: Die erste Staffel der Serie "The Syndicate"

Ein Kritiker- und Zuschauererfolg: Die erste Staffel der Serie "The Syndicate"

"Ich würde genauso weiterleben wie jetzt". "Ich würde endlich meine Schulden bezahlen". "Ich würde sofort kündigen, und mir ein Haus in Südfrankreich kaufen". "Ich würde sofort kündigen und vorher meinem Chef eine reinhauen". "Ich würde nur Party machen". Jede Woche machen sich Millionen Deutsche einen Volkssport daraus, darüber zu phantasieren, was sie wohl im Falle eines Lottogewinns machen würden. Was in diesen Träumereien erstmal wenig Platz hat, sind die Unwägbarkeiten, die mit dem Knacken des Jackpots verbunden sind. Wie verändert einen der plötzliche Reichtum?

Wohin mit dem vielen Geld? Wie reagieren Familie und Freundeskreis? Und wie umgehen mit jenen Leuten, die sich nach jahrelanger Funkstille urplötzlich als vermeintliche Freunde wieder melden?

3,6 Millionen Pfund für jeden

Genau davon erzählt der britische Fünfteiler "The Syndicate" aus dem Jahr 2012. Eine Tippgemeinschaft von fünf Supermarkt-Angestellten in Leeds erlebt das große Wunder. Ihre Zahlen werden gezogen, 18 Millionen Pfund, rund 3,6 Millionen für jeden. Zunächst ist das eine Erlösung, alle haben finanzielle oder private Sorgen, außerdem drohen Entlassungen, nachdem der Supermarkt von einem Konzern gekauft worden ist.

Stuart zum Beispiel, der mit seiner Mutter, seinem jüngeren Bruder, seinem Sohn und seiner schwangeren Verlobten beengt unter einem Dach wohnt. Die übergewichtige Denise etwa, der gerade der Ehemann weggelaufen ist und die ihn mit einer Ganzkörperüberholung zurückzugewinnen hofft. Oder der Marktleiter Bob, bei dem ein Gehirntumor diagnostiziert wird und der nun die teure Operation in Südafrika bezahlen kann. Doch natürlich kommt es bei einigen anders, als sie denken, und das hat nicht nur mit dem Presserummel zu tun, dem die Medien-Amateure aus der Arbeiterklasse ausgesetzt sind.

Amerikaner versuchten sich an einem Remake

Kay Mellor, eine der renommiertesten Serien-Autorinnen Englands, schildert mit viel Herz, Empathie und Milieukenntnis die Eruptionen im Alltag ihrer Helden, die alle die wirtschaftliche Schieflage ihres Landes rechts der Überholspur erleben. Wegen des großen Erfolgs beim Publikum und den Kritikern gab die produzierende BBC zwei weitere Staffeln in Auftrag, die nicht mehr ganz die Klasse des Vorgängers erreichten, weil sie im Grunde die selbe Geschichte nochmal erzählen, nur in anderen Settings. In der 2. Staffel (2013) zieht eine Tippgemeinschaft aus Krankenhaus-Bediensteten das große Los, in Staffel 3, die aktuell in England gesendet wird, die Besitzer und Angestellten eines Gutshauses. Wie nicht anders zu erwarten, versuchten sich die Amerikaner auch hier an einem Remake. Wegen schlechter Quoten stellte ABC allerdings "Lucky 7" im September 2013 schon nach zwei Folgen wieder ein und verfrachtete die komplette Serie auf iTunes. Man hat halt nicht immer Glück.

 

"The Syndicate", 1. & 2. Staffel, erhältlich auf DVD bei amazon.co/uk. Originalfassung mit englischen Untertiteln.

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