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"Sing meinen Song": Ein Xavier im Schafspelz

Gastgeber Xavier Naidoo war bei "Sing meinen Song" an der Reihe und um ihn herum wurden die Musiker noch zahmer als sonst. Kritik am Meister? Unvorstellbar.

Xavier Naidoo

Xavier Naidoo und seine Songs bei den Söhnen Mannheims standen im Mittelpunkt der Folge.

Es lag diese Woche beinahe Ehrfurcht über dem südafrikanischen Musikantenlager unter Vox-Scheinwerfern. Gastgeber Xavier Naidoo und die Hits seiner Band Die Söhne Mannheims standen bei "Sing meinen Song" im Mittelpunkt. "Der Meister persönlich ist heute dran", sagte Christina Stürmer. "Wenn ich in der Kreisliga spiele, dann ist er Champions League", ordnete Rocker Wirtz ein. "Ich bewundere dich nicht nur als Sänger, sondern auch dein Anliegen", flötete Yvonne Catterfeld. Und: Man spüre keine Eitelkeit bei Xavier Naidoo.

Das könnten Die Söhne Mannheims anders sehen. In der anschließenden Doku erfuhr der Zuschauer, dass in der bis zu 17 Mann starken Band eine Diktatur herrsche. "Demokratie funktioniert da nicht." Naidoo sei der Leitwolf, dem alle Respekt zollten. Nur: Hat sich dieser Wolf für "Sing meinen Song" einen Schafspelz übergeworfen?

Brisante Themen werden ausgeblendet

Eigentlich gäbe es viel, was man mit Xavier Naidoo einmal bei einem Glas Tequila Sunrise besprechen könnte. Seinen Auftritt bei einer Demo der als rechtsextrem eingestuften sogenannten Reichsbürger im vergangenen Jahr zum Beispiel. Oder seine Verschwörungstheorien über die USA, die Deutschland immer noch besetzten. Auch seine Forderung nach "Führern" im Kool-Savas-Song "Wo sind sie jetzt?" liefert Stoff für Diskussion. Das alles wird aber ausgeblendet oder geschickt zusammen geschnitten.

Lediglich die Prinzen trauten sich, den Meister auf seine brachiale Bildsprache anzusprechen. "Wenn es um den Schutz der eigenen Familie geht, greift man zu allen Mitteln", sagte Naidoo dazu. Und beschrieb ein gruseliges Szenario, das er sich zum Song "Wenn du schläfst" ausgedacht hat: Ein Vater schleicht nachts um sein Haus und darf nicht mehr zu seinen Kindern, dabei "will er sie nur beschützen". Beim Zuschauer stellt sich Gänsehaut ein - allerdings nicht aus Mitleid mit dem beschriebenen Vater, sondern aus Angst um die Kinder.  Und als Hartmut Engler, der sich den Song "Freiheit" ausgesucht hatte, eine leidenschaftliche Diskussion zum Thema in Gang brachte, hielt sich Naidoo merklich zurück. Kein Wort zu seiner Aussage, Deutschland sei kein freies Land.

Am Ende verteilte Xavier Naidoo die Sieger-Blumen an die Prinzen und Hartmut Engler - sie waren die einzigen, die noch keine erhalten hatten. Ganz politisch korrekt, dieser Leitwolf. 


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