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Streit um Brender: ZDF-Intendant Schächter schlägt Kompromiss vor

Die Fronten galten als verhärtet: Fünf-Jahres-Vertrag oder Rausschmiss. Doch jetzt sieht es so aus, als könnte der Streit um die Vertragsverlängerung von ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender doch mit einem Kompromiss enden.

Im Streit um die Vertragsverlängerung von ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender gibt es einen Kompromissvorschlag: Der ZDF-Intendant Markus Schächter hat angeboten, Brenders Vertrag um lediglich 22 Monate statt der üblichen fünf Jahre zu verlängern.

Dies bestätigte das Verwaltungsratsmitglied Roland Issen gegenüber stern.de. "Ich habe die Empfehlung von Herrn Schächter Anfang dieser Woche schriftlich auf meinen Schreibtisch bekommen", sagte Issen. Der ehemalige Vorsitzende der Deutschen-Angestellten-Gewerkschaft, der im Verwaltungsrat dem SPD-Lager angehört, geht davon aus, dass Schächter seine Empfehlung mit der konservativen Mehrheit im Verwaltungsrat abgestimmt hat. "Sonst wüsste ich nicht, warum er jetzt schriftlich diesen Vorschlag machen sollte", sagte Issen.

An diesem Freitag entscheidet der Verwaltungsrat über Brenders Zukunft. Der stellvertretende Vorsitzende Roland Koch hatte schon im Frühjahr erklärt, den im Frühjahr 2010 auslaufenden Vertrag mit Brender nicht verlängern zu wollen. Markus Schächter sowie führende ZDF-Journalisten hatten dagegen für eine fünfjährige Vertragsverlängerung plädiert.

Die Auseinandersetzung um den Chefredakteur hat eine Debatte um die Rundfunkfreiheit ausgelöst. Kritiker werfen Roland Koch vor, die schwarze Mehrheit im Verwaltungsrat zu missbrauchen, um einen missliebigen Journalisten los zu werden.

Zwar besteht das Gremium offiziell aus unabhängigen Mitgliedern verschiedener gesellschaftlicher Gruppen. Ernannt werden die Mitglieder aber von den Ministerpräsidenten, so dass es de facto ein schwarzes und ein rotes Lager gibt. Wirklich unabhängig sind nur die Vertreter der Kirchen und des Zentralrats der Juden.