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Tanzshows: TV-Sender führen Zuschauer aufs Glatteis

Gleich zwei Eistanzshows buhlten um die Gunst der Zuschauer. RTL und ProSieben traten mit dem gleichen Konzept gegeneinander an: Mäßig bekannte Promis machen sich auf dem Eis zum Affen.

Von Ursel Nendzig

Die Tanzshow, die dem deutschen Fernsehpublikum als neues Format verkauft wurde, war eigentlich ein alter Hut. Seit 1949 läuft auf dem britischen Sender BBC "Come Dancing". Aus der Show, die ursprünglich aus verschiedenen Tanzstudios berichtete, ging später der TV-Tanzwettbewerb hervor. Genau dieses Format bekam 2004 von der BBC ein neues Gesicht: Die Idee, Promis mit Profis tanzen zu lassen, war die Geburt von "Strictly come Dancing", der Mutter aller Promi-Tanzshows.

Seither ist kaum ein Land von diesem Konzept verschont geblieben. "Dance with the Stars" nennt sich die Show in Amerika. RTL nannte das Produkt in Deutschland "Let's dance" - und verhalf nebenbei Ex-Ministerpräsidentin Heide Simonis zu neuem Ruhm. In Österreich werden "Dancing Stars" gekürt, und der Australier trinkt sein Feierabendbier zu "Dancing with the Stars". Die Namen variieren, das Konzept ist überall gleich.

RTL hat die Nase vorn

Dann war nicht einmal mehr das Eis sicher. Wieder waren die Briten die ersten, die Stars in Schlittschuhe steckten. "Dancing on Ice" wurde wie "Strictly come Dancing" ein Erfolg. Und siehe da: RTL und ProSieben kündigten beide für den Herbst eine Promi-Eislaufshow an. Mit "Dancing on Ice" übernahm RTL auch gleich den Titel der Show, ProSieben konterte mit "Stars auf Eis". Ursprünglich sollten beide Sendungen am gleichen Tag starten, doch RTL entschied sich für einen früheren Termin: "Dancing on Ice" ging am 9., "Stars auf Eis" am 18. Oktober auf Sendung.

ProSieben schickte mit Katarina Witt eine ausgewiesene Eislaufexpertin mit hohem Glamour-Faktor als Moderatorin an den Start. Für RTL gingen Wayne Carpendale und Mirjam Weichselbraun, die schon den österreichischen Klon "Dancing Stars" moderierte, an die Mikrofone.

Als Juroren konnte RTL dagegen echte Fachleute gewinnen. Neben dem deutschen Traumpaar der 60er Jahre, Marika Kilius und Hans-Jürgen Bäumler, ist auch Tanja Szewczenko dabei, Ex-Eisprinzessin und seit neuestem Star der RTL-Daily-Soap "Alles, was zählt".

Viel Eigenwerbung

Für ProSieben vergab Jeanette Biedermann die Punkte - im punkto Eislaufkompetenz bis dahin ein unbeschriebenes Blatt. So drängte sich der Verdacht auf, dass es sich bei den Shows in erster Linie um ein Dauerwerbesendung für die Sender selbst handelte. Schließlich hatte Wayne Carpendale die erste Staffel von "Let's Dance" gewonnen. Auch die so genannten "Promis" waren alle eng mit dem Sender verbunden: Marco Schreyl moderierte für RTL "Deutschland sucht den Superstar", Branco Vucovic spielte in "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" und Ruth Moschner kann man in den "Freitag Nacht News" bewundern. Jurorin Tanja Szewczenko promotete schlussendlich "Alles was zählt". Viel mehr Eigenwerbung lässt sich in einer Abendshow kaum unterbringen.

ProSieben war in der Hinsicht keinen Deut besser: Oli P., Kandidat von "Stars auf Eis", war zuletzt bei Pochers Bundesjugendspielen aktiv, davor bei "Er sagt, sie sagt" und beim ProSieben-Tanzturnier im Herbst 2005. Kandidatin Charlotte Engelhardt moderierte das Ochsenrennen.

Die Kür zum "Dancing Star", darauf konnte man schon früh wetten, sollte für manchen aus den Schlagzeilen geratenen Schauspieler, Moderator oder Sänger schlicht dazu genutzt werden, wieder präsent zu werden und Karrierelöcher zu stopfen. Wem fiel vorher auf Anhieb ein, wer Liz Baffoe ist? Und: Wer war noch gleich Magdalena Brzeska? Doch keine Angst - mit Showbeginn, gab es wieder genug Anlässe für ein Interview, zahlreiche Fotos für die Homepage und tausende Möglichkeiten, durch Geturtel mit dem Tanzprofi in die Schlagzeilen zu kommen.

Die immer gleichen Bilder

Und dieselben Bilder werden uns verfolgen: B-Promis in Glanzleggins und mit lässig um die Schultern gelegtem Handtuch beim Training. Die euphorischen Umarmungen nach einem gelungenen ChaChaCha, ToeLoop oder Walzer. Die immer wiederkehrenden Pannen beim Training, überblendet vom stolz lächelnden Ehepartner im Publikum.

Und es kam kein Ende in Sicht. Sat1 konterte diesen Herbst mit der Castingsendung "You can dance". "Let's dance II" läuft ab Frühjahr 2007. Und mit jeder Show gibt es ein paar aufgewärmte Promis mehr.