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"Tatort"-Kritik: "Top Gun" lässt grüßen

Weil Helene Fischer und Til Schweiger nicht durften, sprang Maria Furtwängler ein: Leider war ihr "Tatort" ziemlich vorhersehbar. Immerhin gab's schöne Bilder und Flieger-Romantik wie aus "Top Gun".

Tatort

Kommissarin Lindholm (Maria Furtwängler) mit Oberst Friedrichs (Richard van Weyden) in der Flughalle.

Eigentlich sollten diesen Sonntag Helene Fischer und Til Schweiger auf Bösewicht-Jagd im Hamburger "Tatort" gehen - doch wegen der Attentate von Paris wurde die Ausstrahlung verschoben. Einspringen durfte Maria Furtwängler alias Charlotte Lindholm. Die Niedersachsen-Kommissarin ermittelt in "Spielverderber" im Militär-Milieu der Luftwaffe inmitten schneidiger Soldaten und Soldatinnen. Die Uniformen sitzen perfekt, die Piloten-Brillen dürfen nicht fehlen und leidenschaftlich sind sie auch  - "Top Gun" mit Tom Cruise lässt grüßen.

Die Geschichte selbst ist ein leider sehr vorhersehbares und einfach gestricktes Eifersuchtsdrama: Eine Frau wird erschlagen, sie lebte von ihrem prügelnden Soldaten-Ehemann getrennt, hatte zahlreiche Affären. Ihr letzter Geliebter ist seit der Tat auf der Flucht - hat er sie umgebracht, steckt der eifersüchtige Mann dahinter oder jemand ganz anderes? Das Militär dient dabei als Hintergrundkulisse, die persönlichen Verstrickungen sind dem Krimi wichtiger als alles Politische. Und trotzdem ist es das, was den "Tatort" rettet. Während man beim Fall das Gefühl hat, alles so schon einmal gesehen zu haben, ist die Atmosphäre neu und unterhaltsam.

Beeindruckend sind vor allem die Aufnahmen im Fliegerhorst, die auf echten Luftwaffenstützpunkten der Bundeswehr in Wunstorf und Hohn bei Rendsburg gedreht wurden. Die gigantischen Flugzeuge wirken imposant und, ja, die Sequenz im Flugsimulator war durchaus sexy. Kein Wunder, dass sich Kommissarin Lindholm dort mal wieder zu einer kleinen Knutscherei hinreißen ließ. Dafür gibt's zu Hause gewohnt Ärger von Mama (Kathrin Ackermann), weil sich Lindholm nicht genug um ihren Sohn kümmert. Ein nerviges Dauerthema im Niedersachsen-Krimi.

Tolle Bilder, guter Sound

Neben den tollen Bildern sticht auch der Soundtrack positiv hervor. Manchmal sind es nur einzelne Klaviertöne, die Spannung erzeugen - fast wie in einem Hitchcock-Krimi. Auch die Verfolgungsjagd mit einem Ford Mustang bekommt durch die Musik wie aus einem Actionfilm der 80er noch mehr Dynamik. 

Doch gerade als man sich versöhnlich vom Krimi verabschieden will - die betrogene Ehefrau hat gestanden - schieben die Macher einen überflüssigen und vorhersehbaren Schluss hinterher, der das Ganze ins Kitschig-Lächerliche abdriften lässt. Zu "Somewhere Over the Rainbow" stürzt sich die Mörderin aus dem Flugzeug und baumelt sogar - wieder an Tom-Cruise-Filme erinnernd - kurz an der Hand von Kommissarin Lindholm in der Luft. Uff. Das war doch eine Nummer zu groß für den armen "Tatort".