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"Tatort" aus Frankfurt: Bad Banker - dieser Krimi erstickt in Klischees

Erst der ZDF-Mehrteiler "Bad Banks", jetzt der Frankfurt-"Tatort": Das Fernsehen hat den Banker als Hassobjekt wiederentdeckt. Doch statt echten Menschen gibt es hier nur zweidimensionale Abziehbilder.

Tatort aus Frankfurt

Szene aus dem "Tatort": Meike (Lina Beckmann) und Joachim Voss (Golo Euler) führen eine merkwürdige Ehe, die von Aggressivität und Erniedrigung geprägt ist.

ARD
  • 2 von 5 Punkten
  • Ein kunstvoller, höchst stilisierter "Tatort", der leider an seinen völlig unglaubwürdigen Charakteren krankt.

Worum geht's?

Im Keller des Sportleistungszentrums wird die Leiche eines kleinen Jungen gefunden. Die Frankfurter Kommissare Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch) verdächtigen zunächst den Hausmeister Sven Brunner (Stefan Konarske), der auch privat mit dem Opfer verkehrte. Doch auch der Leiter des Sportzentrums gerät ins Visier der Ermittler: Es ist der Banker Joachim Voss (Golo Euler), der ein merkwürdiges Verhältnis zu seinem Sohn Felix (Juri Winkler) und seiner Ehefrau Meike Voss (Lina Beckmann) hat. Irgendetwas stimmt in dieser Familie nicht. 

Warum lohnt sich dieser "Tatort"?

Die Eingangsszene ist stark: Wir sehen, wie der zwölfjährige Felix erst seinen Lehrer erpresst, anschließend einen Mitschüler mobbt und auf dem Heimweg eine gestürtzte Oma einfach liegen lässt. Wie kann ein Mensch in so jungen Jahren schon so großkotzig sein? Die Antwort ist einfach: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Sein Vater ist ein eiskalter Banker, für den nichts als Leistung zählt. Der seine Mitarbeiter demütigt, mit seinem Sohn daheim erst mal ein Kämpfchen austrägt und mit ihm Sport treibt, bis der kotzt. Das darwinistische Weltbild hat der Filius begierig aufgesogen - gemeinsam mit seinem Vater quält und erniedigt der Junge seine Mutter. Selten hat man im "Tatort" eine so gefühlskalte Familie gesehen. 

Was nervt?

Zuspitzung und Stilisierung sind ein probates Mittel, um auf gesellschaftliche Probleme aufmerksam zu machen. Dass Kapitalismus und Leistungsgesellschaft auch das private Leben vergiften können, könnte eine spannende Prämisse für einen Krimi sein. Dass der Banker hier pauschal als gefühlsloses Monster dargestellt wird, bedient aber nur ein allzu populäres Klischee. Das wird den Machern von "Unter Kriegern" (Buch: Volker Einrauch, Regie: Hermine Huntgeburth) zwar viel Applaus bescheren, bringt aber niemanden weiter.

Schlimmer ist, dass die Charaktere völlig unglaubwürdig sind: Es erschließt sich nicht im Geringsten, warum der erfolgreiche, leistungsorientierte Banker mit einer Frau zusammen lebt, die ihm in jeder Hinsicht unterlegen ist und die er zutiefst verachtet. Zwar soll das Verhältnis mithilfe eine kruden Geschichte aus der Vergangenheit erklärt werden, überzeugend ist das jedoch nicht.

Dass es auch anders geht, bewies der Frankfurt-"Tatort" im vorherigen Fall. Der Horror-Schocker "Fürchte dich" hatte mit der Realität zwar nicht das Geringste zu tun, doch die Figuren waren in sich so stimmig erzählt, dass man sich gerne auf die Geister-Geschichte eingelassen hat. 

Die Kommissare?

Anders als in früheren Folgen steht das Privatleben der Kommissare Brix und Janneke wohltuend im Hintergrund. Dafür bekommt ihr Chef Fosco Cariddi (Bruno Cathomas) eine kleine, aber feine Nebengeschichte auf den Leib geschrieben: Zu Beginn wird er von einem Passanten per Kopfstoß niedergestreckt. Am Ende wird er dem Übeltäter eine Lehre erteilen.

Ein- oder Ausschalten?

Eigentlich hat dieser Film alles, was man sich wünschen kann: tolle Schauspieler, eine erfahrene Regisseurin und einen interessanten Drehbuchautor. Doch leider will das alles nicht in einem sinnvollen Ganzen aufgehen. Deshalb: lieber ausschalten.

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