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"Tatort" aus Köln: Diskriminierung, Intoleranz, Rache: die Polizei als Opfer und Täter

Der neue Fall des Ermittlerduos Ballauf und Schenk trägt den Titel "Kaputt" und ist symptomatisch für viele Szenen des Krimis: ein brutaler Polizistenmord, überforderte Kollegen und zerrüttete Familien. Kein Film, der Hoffnung macht.

"Tatort: Kaputt" aus Köln

Die Kommissare Freddy Schenk (Dietmar Bär) mit Max Ballauf (Klaus J. Behrendt), Rechtsmediziner Dr. Roth (Joe Bausch) und Dienststellen-Leiter Bernd Schäfer (Götz Schubert, v.l.) am Tatort, wo der Polizist Frank Schneider ermordet wurde.

  • 2 von 5 Punkten
  • Solider Krimi, der aber nicht wirklich in die Tiefe geht

Worum geht's?

Ein Einsatz wegen Ruhestörung läuft für die Streifenpolizisten Melanie Sommer und Frank Schneider komplett aus dem Ruder. Die Beamtin wird verletzt und schwer traumatisiert, ihr Kollege zu Tode geprügelt. Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) versuchen zu rekonstruieren, was in der Nacht vorgefallen ist, doch sie stoßen auf Schweigen. Melanie Sommer kann sich angeblich nicht mehr erinnern, was passiert ist. Ihr Vorgesetzter mauert ebenfalls und kann sich nicht vorstellen, dass seine Leute etwas mit der abscheulichen Tat zu tun haben. Wenig später werden zwei Jugendliche erschossen und die Hauptkommissare suchen nun nicht mehr nur einen, sondern gleich drei Mörder. Oder hängt am Ende alles zusammen?

Warum lohnt sich dieser "Tatort"?

Der 76. Fall des Ermittlerduos Ballauf und Schenk trägt den Titel "Kaputt" und ist symptomatisch für viele Szenen des Films. Es wird geschildert, was passieren kann, wenn Jugendliche auf die schiefe Bahn geraten - weil ein Schicksalsschlag die Familie zerrissen hat, eine Mutter sich nicht kümmert oder die Eltern schlichtweg nicht mitbekommen, was ihr Kind so treibt. Der Titel beschreibt zudem den Alltag vieler Polizisten. Zu sehen ist, welchem Druck die Beamten ausgesetzt sind, welchen Hass sie manchmal von außen erfahren, aber auch, dass intern nicht alles rund läuft: Schwächen werden nicht toleriert, Frauen diskriminiert und ein schwules Polizisten-Paar schikaniert. Freddy Schenk hängt der Illusion nach, die Polizei sei wie eine große Familie, in der alle nett miteinander umgehen. Doch sein Kollege Ballauf sieht das realistischer: "Nach außen vielleicht. Nach innen ist sie genauso kaputt wie die meisten Familien: Intoleranz, Streit, Eifersucht."

Was stört?

Seit 1997 ermitteln Ballauf und Schenk in Köln und sie funktionieren wie ein Schweizer Uhrwerk: Zwei bis drei solide "Tatort"-Folgen pro Jahr, die aber selten etwas Neues, Überraschendes wagen. So ist auch die Episode "Kaputt" gut gemachte Krimi-Unterhaltung, die einen nicht vom Hocker haut - zum Ende hin aber ganz schön brutal geraten ist.

Die Kommissare?

Tatort-Begehung, Zeugenbefragung, Aktenstudie - die Kommissare Ballauf und Schenk erledigen ihre Arbeit routiniert wie eh und je. Der Einzige, der dazwischengrätscht, ist ihr Assistent Norbert Jütte (Roland Riebeling). Er kandidiert als Personalrat und vernachlässigt darüber seine eigentliche Arbeit - für Ballauf inakzeptabel. Für den altgedienten Kommissar nimmt der Fall schließlich ein tragisches Ende.

Ein- oder Ausschalten?

Der "Tatort" aus Köln wird am Pfingstmontag ausgestrahlt. Wenn Sie das gesamte Pfingstwochenende sowieso schon viel ferngesehen haben, kann der Apparat um 20.15 Uhr ruhig aus bleiben.

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