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"Tatort"-Kritik: Die tote Frau im Müll

Die Stadt, die Spenden und der Müll: Deutliche Anleihen beim Kölner Müllskandal nahm der "Tatort" mit Schenk und Ballauf. Leider blieb das Wühlen im Dreck zu oberflächlich. Statt eines investigativen Abfallindustrie-Krimis gab es nur ein Nostalgie-Recycling.

Von Kathrin Buchner

Retro-Flitzer, Currywürste mit Kölsch in der Imbissbude am Rhein und die leicht genervte Assistentin Franziska, die für die Herren Kommissare gerne undankbare Aufgaben erledigen muss. Genau wie das "Tatort"-Gucken am Sonntagabend ein Ritual ist, leben vor allem die Kölner Krimifolgen von den ritualisierten Abläufen der Ermittler Freddy Schenk (Dietmar Bär) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt), so dass selbst mittelmäßige Krimis aus der Domstadt noch sehenswert bleiben.

Im Mittelpunkt dieses Krimis steht der Kreislauf der Wiederverwertung. Freddy Schenk, der plumpe Haudrauf, dessen wuchtige Gestalt einen reizvollen Kontrast zu seiner Vorliebe für filigrane, schnelle Autos bildet, rauscht mit einer konfiszierten Corvette auf den Recyclinghof ein. Mit dem legendären Motorrad Quickly, aus im Schrott gefundenen Teilen zusammengebaut von Müllsammler Willy, verfolgt er dessen Mörder. Und Max Ballauf muss aus dem Hotel ausziehen und schwelgt beim Packen seiner Sachen ausgiebig in nostalgischen Erinnerungen mit alten Fotos.

Was das alles mit einem Krimi zu tun hat? Wenig. Denn eigentlich hätte es ein packend-investigativer Thriller über illegale Müllverschiebung, radioaktive Abfälle und Schmiergeld-Zahlungen werden können. Reale Vorlagen gäbe es genug, denn schließlich sorgte in Köln kürzlich ein handfester Müllskandal mit Spendenzahlung an Politiker für Schlagzeilen. Zu Beginn des "Tatorts" war noch durchaus Zündstoff vorhanden: Auf dem Recyclinghof wird eine verbrannte Frauenleiche ohne Kopf und Extremitäten gefunden, die Hauptbelastungszeugin im Müllprozess ist verschwunden, der Chef des Recylingshofs lässt sich erpressen, der Staatsanwalt fürchtet "sizilianische Verhältnisse".

Eifersucht endet im Baumbeet

Statt ordentlich im Dreck des kommunalen Müllfilzes zu wühlen, buddeln Schenk und Ballauf in den Blumenbeeten einer Gärtnerei und finden den Kopf der Ermordeten unter einem frisch gepflanzten Baum. Statt uns die Machenschaften korrupter Politiker und die mafiaähnlichen Methoden geldgeiler Verwertungsbetreiber plastisch vorzuführen, wird uns eine Gärtnerin, die aus Eifersucht mordet und ein schrulliger Zausel, der zeigt, wie man aus Dreck Geld macht und welche Perlen sich im Abfall finden, präsentiert.

Er hat seine Momente, dieser "Tatort", wenn Willy, der Müllsammler und Messie, ausgerechnet eine Raumpflegerin als Verlobte auserwählt. Aber selbst die guten Schauspieler Elena Uhlig, Hans Diehl oder Wotan Wilke Möhring können die Geschichte nicht retten. Was bleibt, ist kein Korruptionskrimi, sondern allenfalls ein Lehrstück über das Wegwerfverhalten der Deutschen.