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Pressestimmen

ARD-Krimi: War der Porno-"Tatort" wirklich "obszön und verbal widerwärtig"?

Die "Bild"-Zeitung schäumt: "So hat die ARD uns den 'Tatort' versaut". Doch der im Porno-Mileu angesiedelte Fall aus München kam nicht überall schlecht weg. Eine Presseschau.

Tatort München "Hardcore": So verrucht wird Sonntagabend-Krimi

Mehr als neun Millionen Zuschauer sahen am Sonntagabend den aktuellen "Tatort" aus München. Damit setzte sich der Krimi sogar gegen die deutsche Fußball-Nationalmannschaft durch. Doch trotz der großen Publikumsresonanz sorgt die Folge "Hardcore" für Diskussionen. Besonders schrill äußerte sich die "Bild"-Zeitung: "Der Sonntag gehört der Familie. Der Sonntagabend gehört dem Tatort", schreibt das Boulevardblatt. "Die aktuelle Folge 'Hardcore' passt nicht in die Familie. Sie macht diesen Sonntagabend kaputt."
Denn viele Szenen seien "obszön und verbal widerwärtig", das müsse nicht sein.

"Express"

Mit ihrer moralischen Empörung steht die "Bild" jedoch weitgehend alleine da. Zwar räumt auch der Kölner "Express" ein, dass "der explizite Sprachgebrauch von allen möglichen eindeutigen Porno-Kategorien sowie Schimpfwörtern für das weibliche Geschlecht" abschreckt. Doch das könne noch durch "Authentizität" gerechtfertigt werden. Das eigentliche Problem an diesem "Tatort" sei "der lahme Spannungsbogen und das hanebüchene Ende".

"FAZ"

Ein ähnliches Fazit zieht Michael Hanfeld in der "FAZ": "Die Expedition ins Lustgewerbe (...) ist exquisit in Szene gesetzt. (...) Doch fehlt es dem Film an einem inneren Gefüge. Er stellt aus, er stellt dar, er hat traurige und pointierte Einzelszenen, doch bleibt er im Spannungsverhältnis zwischen Liebe und Trieben im Ungefähren."

"süddeutsche.de"

Die Kritik auf "süddeutsche.de" nimmt die "Tatort"-Folge vor jeglichem Voyeurismus- und Obszönität-Vorwurf in Schutz. "Hardcore" sei "keine zotige Episode voll peinlicher Fleischbeschau geworden, sondern ein sehenswerter Krimi mit amüsanten Dialogen". Es gehe hier mehr um das Innenleben der Charaktere, weniger um nackte Haut oder Sexszenen.

"Spiegel-Online"

Geradezu begeistert äußert sich Christian Buß auf "Spiegel-Online": Der Film sei explizit und nüchtern, aber niemals voyeuristisch und zynisch. "Ein Muss-'Tatort' über eines der wichtigsten Phänomene unserer Zeit", schreibt Buß - und vergibt mit 9 von 10 Punkten die zweithöchste Wertung.

stern.de

Auch auf stern.de gab es eine positive Bewertung. Zwar kritisiert Sarah Stendel den fehlenden kritischen Blick auf die Macht der Mainstream-Pornos. Doch insgesamt sei der Krimi leicht erzählt und habe Humor.

War der "Tatort" skandalös?

Kurzum: Der Skandal eines "obszönen und verbal widerwärtigen" Krimis, den die "Bild" hier aufgetan haben will, wird von der Mehrzahl der Medien nicht geteilt.


che