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"Wendehammer": Sieben Gründe, weshalb der Frankfurt-"Tatort" absurd war

Tote Katzen in der Tiefkühltruhe, eine Sängerin, die Gläser zerspringen lässt: Der "Tatort" aus Frankfurt war voll mit absurden Szenen. Wir haben die sieben schlimmsten aufgeführt.

Tatort aus Frankfurt

Die Kommissare Janneke (Margarita Broich) und Brix (Wolfram Koch) werden in ihrem Büro von einer Horde Tauben heimgesucht. Warum? Egal.

1. Der fehlende Fall

Eine ältere Dame kommt zur Mordkommission, weil sie ihren Nachbarn seit Tagen nicht mehr gesehen hat. Anstatt sie an die Vermisstenstelle weiterzuleiten, ermitteln die Kommissare in diesem Fall höchstpersönlich und dringen in die Wohnung des angeblichen Mordopfers ein. Dort finden sie zwar keine Hinweise auf einen Mord. Aber: Der Teppich fehlt. Das gilt den Ermittlern schon als Hinweis auf eine Straftat.

2. Sinnlose Zitate

Die "Tatort"-Folge "Wendehammer" war gespickt mit Zitaten und Anspielungen auf andere Filme. Die Eule aus "Harry Potter". Alfred Hitchcocks "Vögel" und "Psycho". Die Tanzszene aus "Pulp Fiction". Der Zuschauer findet es ja immer ganz toll, wenn er irgendetwas wiedererkennt. Aber es wäre noch toller, wenn die Anspielungen irgendwas mit dem Fall zu tun hätten. Dem ist aber nicht so: Die Taubenszene (Foto) ist ebenso überflüssig wie Anna Jannekes Tanzeinlage auf der Party. Hätte man diese beiden Szenen weggelassen, würde der Handlung nicht das Geringste fehlen. Der Verdacht liegt nahe: Hier wurde Sendezeit geschunden, um 90 Minuten voll zu kriegen.

3. Unstimmige Charaktere

Die meisten Figuren waren in sich kaum stimmig. Die Operndiva, die billige Flyer der "Götterdämmerung" in ihrer Villa liegen hat. Der ältere Herr, auf den angeblich alle Frauen in der Nachbarschaft abfahren und der als "Schürzenjäger" gilt. Am absurdesten aber der Start-up-Gründer Daniel Kaufmann (Constantin von Jascheroff), der mit verfilzten Dredlocks daherkommt, aber einen teuren roten Sportwagen fährt, in einem Luxusappartement lebt und auf seiner High-End-Stereoanlage Altherren-Gitarrenrock hört. Nichts gegen Kunstfiguren - aber auch die müssen in sich logisch kohärent sein. 

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4. Unverständliche Aktionen

Gegen Ende des Films wollte das Programmier-Genie Nils Engels (Jan Krauter) sämtliche Daten vernichten. Damit der Zuschauer auch versteht, was gerade passiert, nahm er einen Baseball-Schläger und drosch auf sämtliche elektronischen Geräte ein. So zerstörte er auch sämtliche Monitore - als ob darin irgendwelche Informationen gespeichert würden.

5. Recherchefehler

Nils Engels war so genial, dass er für einen Stromausfall sorgen konnte, der ganz Frankfurt verdunkelt. Sogar im Hospital ging das Licht aus und sämtliche elektronischen Geräte gaben ihren Geist auf. Ob die Drehbuchautoren wissen, dass Krankenhäuser für solche Fälle Notstromaggregate besitzen?

6. Technikfeindlichkeit

Überhaupt dieser Stromausfall: Die "Tatort"-Folge war ein typisches Beispiel für eine Technik-skeptische Grundhaltung, die bei Fernsehredakteuren oft zum Vorschein kommt. Anstatt ein differenziertes Bild von Zukunftstechnologien zu zeichnen und auf positive Seiten des technischen Fortschritts zu verweisen, ist Technik im deutschen Fernsehen zu oft negativ behaftet. Auch hier macht die digitale Zukunft den Machern vor allem eines: Angst.

7. Billige Verschwörungstheorie

Zu allem Überfluss wurde die Geschichte über einen Nachbarschaftsstreit und die böse Vernetzung noch mit einem verschwörungstheoretischen Überbau versehen. Irgendwer hatte es auf die Erfindung von Nils Engels und Daniel Kaufmann abgesehen. Dieser Jemand agiert ausschließlich im Dunkeln und ist wahnsinnig mächtig. So lässt er in der letzten Szene mal eben ein Flugzeug kurz nach dem Start explodieren.

Fazit: Lange gab es keine "Tatort"-Folge mehr, die derart inkonsistent und an den Haaren herbeigezogen war, wie "Wendehammer".