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"Tatort" aus Frankfurt: "Fargo" lässt grüßen: Janneke und Brix auf den Spuren der Coen-Brüder

Im Frankfurter "Tatort" ist schon Winterzeit: Janneke und Brix ermitteln bei Eiseskälte in einem Raubüberfall, der überraschende Wendungen nimmt. Parallelen zum Klassiker "Fargo" sind durchaus gewollt.

"Tatort" aus Frankfurt

Die Kommissare Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch) befragen einen Verdächtigen

  • 2 von 5 Punkten
  • Eine Mischung von Krimi, schwarzer Komödie und Liebesgeschichte im Stil der späten Achtziger

Worum geht's?

Das Ehepaar Biggi (Katharina Marie Schubert) und Hajo Lohmann (Peter Trabner) führt die Solar Technology GmbH in zweiter Generation. Doch die Firma steht kurz vor der Pleite, allen Angestellten droht die Entlassung. In ihrer Verzweiflung versuchen sich die beiden an einem Versicherungsbetrug: Sie inszenieren einen Raubüberfall und den Diebstahl wertvoller Metalle. Als ein Security-Mitarbeiter die Lohmanns überrascht, erschießt Biggi den Mann und der ursprüngliche Plan gerät völlig außer Kontrolle.

Warum lohnt sich dieser "Tatort"?

Das Drehbuch und die Regie verantwortet Emily Atef, die im vergangenen Jahr den preisgekrönten Romy-Schneider-Film "Drei Tage in Quibéron" in die Kinos brachte. Auch ihr "Tatort"-Debüt orientiert sich an einem Kino-Klassiker: "Fargo" von Joel und Ethan Coen. Die winterliche Landschaft, die schrulligen Charaktere, die kuriose Geschichte, die immer neue Wendungen nimmt - die Hommage an den Film aus dem Jahr 1996 ist unverkennbar. Schön sind die Details, die eher an die Achtziger erinnern: Die Musik, die Kleidung, die Einrichtung sowie Toast Hawaii und Käsespieße zum Abendbrot. Und Johanna Wokalek hat eine Rolle als intrigantes Luxus-Biest - ihr erster "Tatort"-Auftritt seit 2008.

Was stört?

Es ist eine Episode, bei dem für den Zuschauer schon nach fünf Minuten das meiste klar ist und die Kommissare noch ewig im Dunkeln tappen. Irgendwann wird die Geschichte aber so verworren, dass niemand mehr durchblickt: Es geht um das Ehepaar Lohmann, Kleinganoven und echte Gangster, Versicherungsbetrug, Familienstreit und Machtspielchen - einfach zu viel für 90 Minuten. Vieles wird nur angerissen, aber nicht auserzählt. Alle reden permanent von seltenen Erden - doch was das ist, wird nicht hinreichend erklärt. Dass die seltenen Metalle für die Produktion von Smartphones, Notebooks, LED-Leuchten, und Elektromotore verwendet werden, muss der Zuschauer wissen  - im "Tatort" erfährt er es nicht. Der Titel "Falscher Hase" sagt schon alles: Das Gericht ist kein Hasenbraten und der "Tatort" eben kein Coen-Film.

Die Kommissare?

Janneke und Brix haben in diesem Fall vor allem ein Problem: sie frieren. Im Auto, auf der Straße, im Präsidium - eigentlich die ganze Zeit. "Ein neuer Kälterekord in Hessen", dröhnt es aus dem Radio und im Kommissariat ist die Heizung ausgefallen. Die Ermittler tragen durchweg dicke Pullover und Daunenjacken. Janneke muss sich noch einer ganz anderen Herausforderung stellen: ungewohnten Avancen des Staatsanwaltes Bachmann. 

Ein- oder Ausschalten?

Vox zeigt zeitgleich das "Grill den Henssler Sommer-Special" unter freiem Himmel, der "Tatort" spielt im November und alle sind permanent am Bibbern. Entscheiden Sie selbst, ob Sie schon in Herbststimmung sind!