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"Tatort"-Check: Computer, übernehmen Sie!

Im vergangenen Jahr traute sich der "Tatort" aus Stuttgart was und sendete mit "Hal" eine Folge aus der Zukunft. Die ARD zeigt diesen Film als Wiederholung, der trotz der Stanley-Kubrick-Hommage nur mittelmäßig geriet.

Tatort Stuttgart

David Bogmann (Ken Duken) ist in der "Tatort"-Folge "Hal" Data Scientist bei der Firma Bluesky. Das Programm, das der Affe repräsentiert, ist seine eigene Schöpfung - aber neuerdings fühlt er sich davon verfolgt.

Worum geht's in diesem "Tatort"?

Was passiert, wenn die Technik den Menschen austrickst? Die Kommissare Bootz (Felix Klare) und Lannert (Richy Müller) ermitteln in "Hal" in der nahen Zukunft und müssen sich mit künstlicher Intelligenz messen: Eine junge Frau (Sophie Pfennigstorf) wird ermordet aufgefunden. Die Schauspielschülerin finanzierte sich ihr Studium mit mehreren Nebenjobs, unter anderem als Escort-Dame  - und als Probandin bei einer Software-Firma. Dort hat der Programmierer David Bogmann (Ken Duken) ein selbstlernendes Computersystem namens "Bluesky" entwickelt, das mit riesigen Mengen an sozialen Daten hantiert. Schnell fällt der Verdacht auf ihn -  das sagen zumindest die ausgewerteten technischen Daten. Aber sind diese auch verlässlich? Oder ist "Bluesky" außer Kontrolle, wie Bogmann warnt?

Warum lohnt sich der Krimi?

Cineasten werden schon beim Titel der Folge aufmerksam geworden sein: "Hal" heißt der Raumschiff-Computer in Stanley Kubricks Science-Fiction-Streifen "2001: Odyssee im Weltraum" von 1968. Wer den Film kennt, der wird im Stuttgarter "Tatort" viele Anspielungen auf den Klassiker entdecken. So ist die Folge zum Beispiel ebenfalls in Akte aufgeteilte, ähnlich wie "Hal" greift auch die künstliche Intelligenz "Bluesky" immer stärker nach der Macht - und pfeift zum Schluss sogar das bedrohliche "Hänschen Klein". Und natürlich erinnert das Gesicht von "Bluesky" an die Affenmenschen aus den ersten Sequenzen von Kubricks Film. Interessant ist auch immer wieder die Idee, den andauernden Technik-Fortschritt bis zu totalen Überwachung durchzuspielen. So manche Zuschauer werden wohl am Sonntagabend das Handy lieber im Nebenzimmer liegen lassen, anstatt es mit ins Bett zu nehmen.

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Was stört?

Es ist schade, dass die Macher sich nicht getraut haben, noch konsequenter vom klassischen Krimi abzuweichen. Das Science-Fiction-Thema kommt erst ab der Hälfte des Films so richtig ins Rollen - und wirkt dann etwas retro: Augen-Scanner und Fingerabdrucks-Software gab's schließlich schon bei "Mission Impossible". Auch die Spannung kommt etwas zu kurz, und wenn Ken Duken mit einem Gewehr auf Computer schießt, wird es unfreiwillig komisch.

Die Kommissare?

Spielen sich solide durch ihren 19. Fall und lassen private Streitigkeiten außen vor. Gut so.

Ein- oder Ausschalten?

Einschalten, auch wenn der Fall an sich eher mittelmäßig ist. Doch die Fragen, die der "Tatort" aufwirft, sind keine Zukunftsmusik mehr: Wie viel Überwachung ist richtig, wenn man die persönliche Freiheit und den Schutz vor Verbrechen abwägt? Wie verlässlich oder manipulierbar sind Daten? Und wie geht man mit künstlicher Intelligenz um? Das macht "Hal" zu etwas Besonderem.

Die "Tatort"-Folge "HAL" wurde erstmals am 28. August 2016 ausgestrahlt.