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"Tatort"-Check: Der Tod im Wasserglas

Eine Sterbebegleiterin wird ermordet. Sind militante Lebensschützer dafür verantwortlich? Der "Tatort" aus Luzern taucht in ein spannendes Milieu ein, weiß aber keine Funken daraus zu schlagen.

Tatort aus Luzern

Martin Aichinger (Martin Butzke) bezweifelt, dass sich seine Mutter freiwillig zum Sterben in die Schweiz begeben hat. Auch Josef Thommen (Martin Rapold, l.), der Leiter der religiösen "Pro Vita"-Organisation, hat was gegen Sterbehilfe. Die "Tatort"-Ermittler verdächtigen die beiden.

Worum geht's in diesem "Tatort"?

Wenn ein Mensch in einem Sterbezimmer dahinscheidet, zieht das gewöhnlich keine polizeilichen Ermittlungen nach sich. Wenn aber die Sterbebegleiterin ums Leben kommt, ist das sehr wohl ein Fall für die Mordkommission. Die Luzerner Kommissare Reto Flückiger (Stefan Gubser) und Liz Ritschard (Delia Mayer) suchen den Mörder von Helen Mathys zunächst im Kreis der Sterbehilfe-Gegner: Da ist der irre Martin Aichinger (Martin Butzke), der nicht glauben mag, dass seine Mutter freiwillig aus dem Leben getreten ist und der der Organisation "Transitus" die zehn biblischen Plagen an den Hals wünscht. Der Täter könnte aber auch aus dem Lebensschützer-Verein "Pro Vita" mit seinem sinistren Vorsitzenden Josef Thommen (Martin Rapold) kommen. Es beginnt eine zähe Ermittlungsarbeit.

Warum lohnt sich der Krimi?

Durchhalten lohnt sich. Der Fall dümpelt lange vor sich hin, am Schluss hält diese "Tatort"-Folge aber noch ein paar überraschende Wendungen bereit.

Was nervt?

Zu oft erliegt der "Tatort" der Versuchung, mehr zu wollen als einfach einen spannenden Krimi zu erzählen: Es muss fast immer ein gesellschaftlich relevantes Thema geben. Damit der dumme Zuschauer auch noch was lernen kann. In dieser Folge ist es das Thema Tod und Sterbehilfe, das in Volkshochschul-Manier beleuchtet wird. Zudem schlägt sich "Freitod" in der moralischen Frage pro oder kontra Freitod sehr eindeutig auf eine Seite. Am coolsten reagiert noch Flückiger, der mitten im Monolog seiner Kollegin zum Thema selbstbestimmtes Sterben aus dem Auto steigt und geht. 

Die Kommissare?

Reto Flückiger und seine Kollegin Liz Ritschard arbeiten professionell zusammen, ansonsten besteht zwischen beiden keine besondere Chemie. Um doch so etwas wie Interaktion herzustellen, hat das Drehbuch Ritschard ein geradezu krankhaftes Interesse an Flückigers Privatleben ins Drehbuch geschrieben, das zudem völlig unmotiviert daher kommt. Denn eifersüchtig ist sie nicht. 

Ein- oder ausschalten?

Es kann durchaus sinnvoll sein, sich mit dem eigenen Tod zu beschäftigen. Aber bitte nicht so. Und nicht am Sonntagabend.

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