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"Logo" im ZDF: Das ging schief: Wie eine Kindersendung den Terror erklärte

Die Kindersendung "Logo" wollte den Terror in Paris in 90 Sekunden kindgerecht erklären. Doch nicht alle fanden den Versuch gelungen. Inzwischen hat der Sender den Beitrag zur Überarbeitung zurückgezogen.

Logo

Die Kindersendung "Logo" versuchte, den Terror in Paris kindgerecht zu erklären.

Kann man bedeutende Ereignisse in 90 Sekunden erklären? Das ZDF versucht das mit seiner Kindersendung "Logo" immer wieder. Mit großem Erfolg: Oftmals gelingt es hervorragend, komplexe Sachverhalte mithilfe von Schaubildern verständlich zu machen, ohne unzulässig zu vereinfachen. 

In dieser Woche befasste sich "Logo" mit den Terroranschlägen von Paris. Doch die Darstellung stieß auf zum Teil heftige Kritik. Was ist der Grund?

Der Beitrag spannte in den 90 Sekunden einen weiten Bogen und setzte mit dem Kolonialismus ein. Schließlich soll der Zuschauer verstehen, wieso es gerade in Frankreich so viele gewaltbereite junge Menschen gibt. "Die Franzosen nahmen sich in den Kolonien, was sie brauchen konnten, und die Bevölkerung wurde immer ärmer", heißt es drastisch. Nach dem Ende der Kolonialzeit seien viele Menschen nach Frankreich gezogen, die Hoffnung auf ein besseres Leben habe sich aber für die wenigsten erfüllt. Die meisten von ihnen lebten heute in Armenvierteln an den Rändern der Großstädte. "Sie sind oft arbeitslos und wissen nicht, was sie tun sollen. Das macht sie wütend." Viele klammerten sich deshalb an die Religion.

Erinnerungen an die Kolonialzeit?

Soweit ist die Darstellung nachvollziehbar und korrekt. Doch dann spitzt der Film auf eine Weise zu, die missverständlich ist: "Dazu kommt die Erinnerung an das, was die Franzosen früher in den Kolonien Schreckliches gemacht haben." Diesen Satz isoliert betrachtet kann man so verstehen, als sei der Terror eine direkte Antwort auf den Kolonialismus. Was so direkt nicht der Fall ist. Abgesehen davon sind die meisten der in Frankreich lebenden Muslime dort geboren. Das heißt, sie haben gar keine eigenen Erinnerungen an die Kolonialzeit.

In dem "Logo"-Beitrag könnte aber der Eindruck entstehen, als entwickele sich das eine logisch aus dem anderen: "Bei manchen geht die Wut so weit, dass sie im Namen ihrer Religion gewalttätig werden. In keinem anderen Land schließen sich so viele der Terrorgruppe Islamischer Staat an wie in Frankreich." Die Rolle von Syrien wird in diesem Beitrag komplett ausgespart.


Auf "Bild.de" kritisiert der Medienwissenschaftler Norbert Bolz den Film. Er präsentiere die Islamisten als Opfer. "Man bekommt den Eindruck, dass sich die Macher des Beitrags als Aufklärer aufspielen, aber einfach nur antikolonialistische und antikapitalistische Affekte wecken wollen."

Beim ZDF hat man das Video inzwischen aus der Mediathek entfernt. "Vorübergehend", wie ein Sprecher dem stern versicherte. Der Beitrag werde überarbeitet und dann wieder online gestellt. Es werde ein neuer Text verfasst, um die Missverständnisse auszuräumen.

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