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TV-Kritik "The Masked Singer" "Hinten wurde recherchiert" – und das Küken zeigt sein wahres Gesicht

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Die Reihen lichten sich kurz vorm Halbfinale. "Manche steigern sich, andere werden schlechter“, so Rea Garvey über die Leistungskurve der Teilnehmer. In der Tat – und einige trällern so wie immer vor sich hin. Retten kann sie das letztlich nicht.

Die gute Nachricht vorweg: "Lena ist voll im Saft". Als Gastjurorin war diesmal Frau Gercke angetreten und die fügte sich fast nahtlos ins Geschehen. Rea trug ein Hemd, das aussah, als hätte er sich gegen ein nicht vollständig getrockentes Wandtattoo aus dem Onlineshop eines großen Kaffeerösters gelehnt. Ruth Moschner trat im gülden-orangenen Glanz-Ornat an, irgendwo zwischen Geschenkpapier aus dem DHL-Shop und abgelehntem Entwurf beim Pitch um die neue Ferrero-Küsschen-Verpackung. Und die temporäre Neue, Lena Gercke, am Jurybrett in traditioneller Jackett/Bustier-Kombi, die auf den ersten Blick immer ein wenig so aussieht, als würde sie unter Papas guter Kellnerjacke eine Badeklamotte aus der Grundschulzeit auftragen.

Aber sei es drum, "The Masked Singer" ist keine Modenschau, eigentlich ja nicht mal eine Gesangsshow, es geht, echt mal jetzt, um den Gesamtvortrag. Und da bot die vierte Ausgabe dieser Staffel wieder mal einiges an Schauwerten, auch wenn sich die Qualität als solches erst einmal warmlaufen musste. Den Dino zum Beispiel hatte man schon stärker gesehen. Rag’n’Bone Mans "Human", in exotischer Präsenzunterricht-Kulisse dargeboten, zerfiel besonders bei den tieferen Töne in seine Einzelteile. Kein Wunder, dass Rea im Anschluss "ekzem enttäuscht" war. Vielleicht nicht so mies, um davon gleich Pickel zu bekommen, aber eben auch nicht so ganz knorke. Für Verdächtigungen von Sasha über Max Giesinger und Alvaro Soler bis Luke Mockridge reichte es dennoch. Besonders bei letzterem bekommt man immer mehr den Eindruck, der wird jetzt so lange getippt, bis er weichgekocht ist und endlich mal auftaucht.

Das Küken musste zittern

Das Küken, in der Vorwoche noch qua "I’m Not A Brathähnchen" mit zitierfähigem Spruchmaterial unterm Gefieder, legte diesmal ein ganz besonderes Ei. Nicht nur, dass es versuchte, mit "I Love Rea" auf dem Lätzchen Lobbypunkte beim Iren einzufahren, es hatte sich auch noch Reamonns "Supergirl" als Lied gepickt. "Besser als das Original", flachste Mathias Opdenhövel danach, Rea fabulierte etwas von Anna Loos, Ruth Moschner brachte Annette Frier und Palina Rojinski aufs Tapet, Lena konstruierte ein paar fantasievolle Einlassungen, die sie schließlich auf Jella Hase brachten. Auch beim Flamingo, der Josh Grobans "You Raise Me Up" zum Besten gab, erneut ein paar Wiedergänger in der Vermutungsverlosung: Giovanni Zarella und Ross Antony. Wenig überraschendes Zwischenergebnis: Das Küken musste zittern. Und das aus gutem Grund, wie sich später herausstellen sollte.

Nach solidem Geplänkel im vorderen Teil der Sendung wurde in der zweiten Hälfte ausgerechnet der Stier für die Juryrunde zum roten Tuch. Endlich wurde mal abseits der ausgetretenen Pfade gemutmaßt und kausalisiert. Gesungen hatte der Stier eine Poptechno-Version von "Carmina Burana", die in ihren besten Momenten klang, als wäre Horst Frank bei Scooter eingestiegen. Rea brachte plötzlich Knorkator-Sänger Stumpen ins Spiel. Ruth Moschner referierte irgendetwas von großen Herrenschlüpfern und dass sie "hinten recherchiert" hat, mit dem Ergebnis, dass der Stier zwar wie Guildo Horn klingt, aber der Po nicht passt, der aber wiederum zu Hartmut Engler gehören könnte. Komm’ mit mir ins Masked-Singer-Land, der Eintritt kostet den Verstand, kurzum: es ist das pure Vergnügen.

Als sich das Küken den Kopf abschraubte

Später schwang die Schildkröte sich mit Queens "Who Wants To Live Forever?" zu ungeahnten Höhen auf, oder anders gesagt: Wow, wow, wow! Als ganz heißer Tipp wurde von Ruth Moschner hier Thomas Anders gehandelt, keine schlechte Idee, auch wenn Rea mit Jürgen von der Lippe (!) und Lena Gercke mit Alexander Klaws dagegenhielten. Der Monstronaut verhob sich anschließend an einem Red Hot Chili Peppers-Medley, Reas Fazit auf den Punkt: "Manche steigern sich, manche werden schlechter. Und das hier war nix". Keine Überraschung, dass es den roten Plüschriesen in die finale Zitterrunde verschlug. Ebenso wenig, dass die Leopardin, zum ersten Mal auf eigenen Beinen stehend, hier nichts verloren hatte, auch wenn ihr "Don’t Let The Sun Go Down On Me" in einigen Passagen bös' wackelig klang.

Im Fotofinish vergriff sich das Küken noch an Nancy Sinatra, der Stier nahm die Eiskönigin auf die Hörner und der Monstronaut gemahnte mit "Careless Whisper" an jene wunderbare Zeit, da man Saxofon-Soli auf Segelyachten spielte. Damit erreichte der Stier als Erster das rettende Ufer. Im finalen Vergleich Monstronaut vs. Küken – "frech oder fritiert" (Rea) – traf es schließlich den Wackelkandidaten der Runden zuvor: das Küken. Tja, und als der gefiederte Gefährte sich am Ende den Kopf abschraubte, kam da weder Anna Loos noch Annette Frier zum Vorschein, sondern, tataaaa, Judith Rakers. Während Ex-Kollege Jan Hofer sich also bei "Let’s Dance" die Schuhe zerschwoft, hatte die "Tagesschau"-Sprecherin ihre Freizeit als anonymes Geflügel in Freilandhaltung verbracht. Adieu, Judith, in der nächsten Woche muss das Halbfinale ohne dich auskommen. Rea wird das wohl am ehesten verschmerzen.

tis

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