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TV-Ausblick Polizeiruf 110: Wenn die Landlust zum mörderischen Frust wird

Krimiautoren betten ihre Geschichten gern in aktuelle Themen ein: Diesmal ist es die Sehnsucht der Städter nach Landleben. Beim "Polizeiruf 110" aus Brandenburg kommt eine große Portion Heimat dazu.

Fernsehmoderator Max Moor ("ttt - Titel Thesen Temperamente") gehörte zu den ersten Prominenten, die es in die Weite Brandenburgs zog. Die Netzaktivisten Anke und Daniel Domscheit-Berg folgten der Landlust, ebenso Schriftsteller Wladimir Kaminer ("Russendisko"), Schauspieler und Regisseur Matthias Schweighöfer ("Schlussmacher") - und Fritzi Haberlandt. Für die Schauspielerin wurde der Dreh für die Krimiserie "Polizeiruf 110", die die ARD an diesem Sonntag (20.15 Uhr) ausstrahlt, damit zum Heimspiel. Haberlandt spielt in "Käfer und Prinzessin" als Ruth die Partnerin des Mordopfers, mit dem sie auf einem Öko-Bauernhof in Brandenburg gelebt hat.

"Die Dreharbeiten waren sehr inspirierend. Ich war sehr angetan von dem, was die Leute machen", schwärmt die Schauspielerin (38) hinterher. Am liebsten würde die gebürtige Berlinerin ebenfalls Acker bepflanzen und Tiere halten. Solange sie aber Kamera und Bühne liebt, ist das kaum machbar. Für ein erstes Gemüsebeet hat es jedoch im vergangenen Jahr gereicht. "Die ersten Salatgurken waren ein toller Erfolg", berichtet die Hobby-Gärtnerin voller Stolz.

Kollegin Maria Simon (38) war ebenfalls beeindruckt vom alternativen Leben auf dem Bauernhof. Auch sie verspürt diese Sehnsucht nach dem Landleben. "Neben Bäumen und Pflanzen schöpfe ich viel Kraft und Ruhe", sagt die vierfache Mutter. Raus aus Berlin zu ziehen, wäre auch für sie ein Traum: "Aber das ist - insbesondere bei einer Patchwork-Familie - nicht so leicht zu realisieren."

Als Komissarin Olga Lenski erlebt Simon, dass für das Landleben letztlich keine anderen Regeln gelten als für den Rest der Welt. Die für die Krimiserie aus Brandenburg typischen stimmungsvollen Landschaftsaufnahmen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Idylle gestört ist. Verlorene Träume, zerstörte Ideale, Misstrauen und Verrat an der gemeinsamen Sache stehen im Zentrum des Films.

Dies gilt in erster Linie für die Geschichte: Der Partner von Ruth wird tot in der Jauchegrube eines Nachbarn des Öko-Hofs gefunden. Lenski und Krause ermitteln in mehrere Richtungen: Beziehungsdrama oder tödliches Ende politischer Kungelei? Motive gibt es für beide Varianten. Das Ermittler-Duo kratzt am Image der Landkommune: Eine Frau zwischen zwei Männern, Veruntreuung, verseuchtes Ackerland - Konfliktpotenzial gibt es reichlich. Statt des gemeinsamen Ideals rückt das eigene Interesse in den Vordergrund. Nicht nur Hof-"Chef" Harry Wacker (Peter Lohmeyer) erscheint zwielichtig.

Ein unaufgeregter Krimi

Um verlorene Träume und Verrat geht es auch zwischen der Kommissarin und Hofbewohnerin Ruth. Ein Bild aus Kindertagen zeigt sie als "Käfer und Prinzessin". Doch dann machte die eine wie geplant eine Indienreise - die andere entschied sich lieber für die sichere Ausbildungsstelle bei der Polizei. Und nun hat die Kommissarin die Mitglieder des Öko-Hofs als potenzielle Mörder im Visier.

Auch in seinem sechsten Fall bleibt sich das Brandenburger Team treu. Es ist kein Streifen für Action-Fans, sondern ein unaufgeregter Krimi. In dessen Mittelpunkt steht das so unterschiedliche Ermittler-Duo - und die Landschaft mit ihren Menschen. Sie geben der Krimiserie eine gewisse Melancholie. Den Zuschauern scheint es zu gefallen: Mit ihrem Fall "Wolfsland" lockten Lenski und Krause im vergangenen Dezember 8,08 Millionen Zuschauer vor die Bildschirme. Damit war die ARD-Krimiserie Quotensieger am Sonntagabend.

yps/DPA / DPA