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TV-Kritik: Joko & Klaas-Show "Mein bester Feind": Von Möpsen und Tauben

Die Joko & Klaas-Show „Mein bester Feind“ zelebriert die Lust an der Schadenfreude und ebenso bizarren wie sinnfreien Spielen mit Menschen, die sich gern zum Affen machen.

Von Jan Zier

Die Joko & Klaas-Show „Mein bester Feind“ zelebriert die Lust an der Schadenfreude und ebenso bizarren wie sinnfreien Spielen mit Menschen, die sich gern zum Affen machen.

Die Joko & Klaas-Show „Mein bester Feind“ zelebriert die Lust an der Schadenfreude und ebenso bizarren wie sinnfreien Spielen mit Menschen, die sich gern zum Affen machen.

Die Selbsterkenntnis kommt beim Tätowieren. Es geht um eine "dicke traurige Taube mit Bierdose" auf dem Arm und nein, wir reden nicht von einem Henna-Tattoo. "Ich bin echt gestört!", sagte Selina.

Dem ist im Grunde nichts hinzuzufügen. Aber genau von solchen Leuten, natürlich, lebt "Mein bester Feind" mit Joachim Winterscheidt (35) und Klaas Heufer-Umlauf (31). Denn Selina bekommt dafür gar nichts, also: außer einer Zeitgutschrift von 30 Sekunden. Die dazu führen könnte, dass ihre Freundin Lena am Ende einen über 30 Jahren alten - Baujahr 1983 -, mausgrauen Porsche 911, bekommt. Die Idee: Fünf Leute bekommen von ihren vermeintlich besten FreundInnen fiese Aufgaben eingebrockt. Die Frage: Gehen sie für ihre Freunde durch die Hölle, ohne selbst irgendetwas gewinnen zu können? Das muss wahre Freundschaft sein. Ob die das nötig hat? Egal.

Fernsehen in Überlänge für Hipster

"Mein bester Feind", das ist ein bisschen wie "Schlag den Raab", nur eben noch abgedrehter, absurder, abstruser. Und viel entspannter für Joko & Klaas, die allseits gefeierten Moderatoren, die sonst nicht davor zurückschrecken, sich selbst mal zum Affen zu machen. Immerhin: Sie können ihre Lust an Schadenfreude und Schinderei völlig fremder Menschen ungemein sympathisch zelebrieren. Selbst ran wollen sie bei dieser neuen Samstagabend-Show nicht. "Mein bester Feind", das ist keine Sendung für all jene, die "Wetten, dass...?" vermissen oder Markus Lanz oder gar irgendwelche anderen Shows, Entertainer aus dem Zeitalter diesseits des Privatfernsehens. "Mein bester Feind", das ist die Lust an der kalkulierten Provokation mit kalkulierten Witzen, die gerne auf Kosten anderer gehen. Fernsehen in Überlänge für Hipster und Leute, die im öffentlich-rechtlichen Fernsehen meist als verloren gelten. Aber wir sind ja auch bei PRO7. All das hier: schwer vorstellbar im ZDF, zur gleichen Sendezeit.

Oder, um es mit den Worten eines ansonsten unbeteiligten Nebendarstellers zu sagen: "Da machen auch nur Assis mit." Oder eben Leute mit Lust am bizarren oder kindischen Spaß, am ultimativen Kick oder 15 Minuten Fernsehruhm - mit der Option auf einen Platz im Dschungelcamp des kommenden Jahres. Oder Leute, die nicht vor laufender Kamera "Nein!" sagen wollen. Sie hatten alle die Gelegenheit dazu.

Emotionen, von wem ist egal

"Mein bester Feind", das ist die Zukunft der Fernsehunterhaltung. Das Konzept: "Wir brauchen Emotion, von wem ist mir egal."

Zum Beispiel von Selina, deren Freundin am Ende das Auto gewinnen wird. Unter einem Vorwand, mit einer Lüge, wird sie von ihrer besten Freundin in ein Hotel gelockt, um am Ende auf der Rennstrecke zu landen. Geschwindigkeit, sagt sie vorher, das brauche sie nicht. Trotzdem wird sie sich gleich im Renndress oben auf ein Auto schnallen lassen, das in weniger als drei Sekunden von Null auf 100 ist. Und sich so drei Runden - Full Speed, versteht sich über die Rennstrecke rasen lassen. "Ich zieh den Scheiß durch", sagt sie. "Ich hab ein schlechtes Gewissen", sagt Klaas, "das hab ich bei Joko nie". Aber natürlich ist ihm Selina egal.

Alles für die Show

Und weil Lena dafür auch nur einen schnöden Flachbild-Fernseher nebst Lötkolben bekommen hat, gibt es für alle KandidatInnen noch eine zweite Runde in diesem Spiel. Es gilt dabei, einen Parcours zu absolvieren, der auf einem Stuhl beginnt, der sich 30 Mal dreht und damit endet, das man exakt zwischen 18 und 20 Kilometer in der Stunde laufen muss. Dazwischen darf man 30 Sekunden lang nicht blinzeln und muss einen Liter Wasser auf ex trinken. Gewinnen aber kann nur, wer sich zudem noch für das aparte Tattoo entscheidet, bei dem auch "All Mops are bastards" und "Rezept für Kakaomilch" zur Wahl stehen.

Und so weiter. Für Marco haben sie sich ausgedacht, dass er in Paris zwischen zwei Hochhausdächern balancieren und dort Edith Piaf nachsingen muss, bei Jaan ist es ein Dreh mit Matthias Schweighöfer, für den er sich die Lippen aufspritzen lassen und dann im Film mit nem Mann knutschen muss. "Und alles für die Show", sagt Jaan weise. "Auf dem Peinlichkeitsauge ist er blind", sagt der Moderator. Dass das Spiel jedenfalls unterschwellig homophob ist? Egal.

Aber, immerhin: Wenn Joko & Klaas hier nicht nur andere vorführen würden, könnte manches auch wirklich witzig sein.