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"Schlag den Raab" TV-Kritik: Werbesendung mit Show-Unterbrechungen

Kinder, wie die Zeit vergeht! Das war schon die 50. Ausgabe von "Schlag den Raab". Zum 35. Mal gewann Stefan Raab seine (One-Man-)Show. Weil er mehr wagte als Kandidatin Jenna.

Von Andrea Zschocher

Bei "Blamieren oder Kassieren" hatte noch kein "Schlag den Raab"-Kandidat eine Chance gegen Stefan Raab

Bei "Blamieren oder Kassieren" hatte noch kein "Schlag den Raab"-Kandidat eine Chance gegen Stefan Raab

Es war die 50. Sendung "Schlag den Raab" am Samstag. Zeit, sich zu erinnern. An die nervenaufreibendsten Spiele, die spannendsten Finalspiele, witzigsten Kandidaten, die ganz besonderen Momente. Auch eine Top Five der besten Raab-Sprüche, der besten Schummelversuche, der missglücktesten Moderationen und der überflüssigsten Fragen von Stefan Raab, all das wäre denkbar gewesen.

Wäre, denn die Redaktion der Sendung entschied sich, gar nicht zu feiern. Ein kurzer Einspieler, ein Hinweis auf die Runde 50 und die Anmerkung, dass in der ersten Show das erste Spiel Hochsprung war, das wars. Schade, denn statt der langen Werbepausen wäre das eine wirklich lohnenswerte Unterhaltung gewesen.

Raab gewinnt öfter als seine Herausforderer

Beim ersten Mal "Schlag den Raab" am 23. September 2006 war Raab gegen eine Frau angetreten. Und auch in der Jubiläums-Show schickten die Zuschauer eine Frau ins Rennen.

Jenna, 25, Kriminalkommissarin, gewann in der Sendung nur zwei der zwölf Spiele. In der Bilanz steht sie damit aber auch nicht viel schlechter da als die meisten Herausforderer: Von den 50 Duellen hat Raab ganze 35 gewonnen.

Denn Raab kämpft verbissen um seinen Sieg. Er unterbricht Moderator Steven Gätjen, wenn der die Regeln erklärt, mit seinen Fragen; misst akribisch Abstände aus. Raab will gewinnen, auch, wenn er in der jüngsten Sendung beinahe schon väterlich mit der Kandidatin umging. Als sie im fünften Spiel einen 15 Kilo schweren Baumstamm werfen sollte, sprach er ihr Mut zu. "Das ist ja für eine Frau nicht einfach." - "Für dich aber auch nicht", konterte Jenna. Die Kommissarin wusste sich gegen Raab zu behaupten und war auch nicht um einen Spruch verlegen. Als ihr Raabs Fragerei an Gätjen zu viel wurde, herrschte sie ihn sogar an: "Lass ihn doch einfach mal ausreden."

Nach den vielen Fragen erklärte das Aushängeschild von ProSieben auch seine Taktiken und Siege unheimlich gern. "Schweinchen Schlau" nannte Gätjen ihn dafür. Raab schien das nicht zu kümmern. Schließlich hat er gewonnen.

Unerträgliche Werbeshow

Noch mehr als Raabs Gefrage und Rechthaberei nervt bei "Schlag den Raab" eigentlich nur die Werbung. Dass die Sendung mit Produktplatzierungen gepflastert ist - geschenkt. Dass am Samstag aber versucht wurde, für die 50. Sendung auch gefühlte 50 Werbeblöcke unterzubringen, das ist ärgerlich.

Die Spiele, die sowieso nicht besonders spannungsgeladen waren, verloren dadurch jeden Reiz. Ein möglicher aufkommender Funke Dramatik wurde so im Keim erstickt. Sogar während eines Spiels wurde Werbung eingeblendet. "Schlag den Raab" ist eben, wie es so schön heißt, höchst werberelevant.

Fraglich ist nur, wie viele Zuschauer künftig eine Sendung sehen wollen, bei der es eigentlich nur Werbung mit Show-Unterbrechung gibt.

Langwierige Partyspiele bei "Schlag den Raab"

Wer auf der Suche nach langwierigen Spielen für den nächsten Kindergeburtstag ist, für den wird "Schlag den Raab" zur Fundgrube. Nach "Ringing the Bull" aus der letzten Sendung, gab es diesmal "Skittles", ein Spiel, das in Deutschland unter dem Namen Tischkegeln halbwegs bekannt ist. Raab und die Kandidatin mühten sich ganze 30 Minuten lang damit ab, mit möglichst wenigen Versuchen Holzstäbchen vom Tisch zu kegeln.

Auch das seit der vorigen Show legendäre "Ringing the Bull" war Thema der Sendung. Das hatte Gätjen als das erste Spiel der Sendung angekündigt - mit original Einblendung "Spiel 1 - Ringing The Bull". Stefan Raab entglitten die Gesichtszüge. Aber nein, ein "kleiner Scherz", beruhigte Gätjen vermutlich nicht nur den Entertainer, sondern auch die Zuschauer. Die erinnerten sich noch gut an die vorige, mehr als sechs Stunden lange Livesendung im November.

Zur langen Sendezeit trägt auch bei, dass bei fast jedem Spiele das "Best of Five" gilt. Statt den Sieger nach dem ersten Durchlauf zu verkünden, werden die meisten Spiele gleich fünfmal durchgespielt; wer dreimal gewinnt, bekommt den Punkt.

Keine Sensationen

Die drei Musikacts Cro, die "The Voice of Germany"-Gewinnerin Charley Ann Schmutzler und Zaz, lockerten die Sendung ein wenig auf und auch drei Spiele mit einem weihnachtlichen Bezug sollten für gute Stimmung sorgen. All das war gut gemeint, aber nicht fesselnd. Es gab kein Mitleiden mit der Kandidatin, kein Aufregen über Raab.

Die Mischung aus Sport- und Denkspielen, die sich in der 50. Ausgabe locker abwechselten, wollte diesmal nicht recht zünden. Die Kandidatin war gut, gewann die Spiele zwei und drei, ließ dann aber nach. Weil sie zu vorsichtig war. Raab fuhr souveräner mit dem Auto durch einen Hindernisparcours, schlug wilder auf Kerzen ein und buzzerte bei "Blamieren oder kassieren" mutiger. Er wartete nicht auf Fragen, sondern riet einfach drauf los. Und lag damit meist richtig.

Vielleicht ist das die Erkenntnis aus 50 Sendungen "Schlag den Raab": Mehr machen, weniger denken. Sich mehr trauen und weniger zögern. Eigentlich kein schlechtes Motto für 2015!