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TV-Kritik "Let’s Dance"-Weihnachts-Special Let's Gähn


Der Moderator fällt jedes Jahr besoffen in den Baum. Die Promis tanzen zu Weihnachtsschnulzen statt zu Chart-Hits. Es nützt nichts: Drei Stunden vergehen wie im Kriechgang.
Von Simone Deckner

RTL bläst kurz vor Weihnachten noch mal lautstark in die Hörner und Trompeten: Eine Schar ehemaliger "Let’s Dance"-Finalisten dreht und wendet sich erneut, auf dass es eine Freude ist – theoretisch. Manuel Cortez, Sophia Thomalla, Susan Sideropoulos, Magdalena Brzeska und Moritz A. Sachs schwitzen mit ihren Profi-Tanzpartnern immerhin für einen guten Zweck. 10.000 Euro darf das Siegerpaar an eine Kinderhilfsorganisation spenden. Als Zuschauer muss man allerdings auch eine extrem gute Kondition haben.

Wer schlapp gemacht hat: Hier kommt unsere Zusammenfassung von Teil I des Weihnachts-Specials von "Let’s Dance":

Was muss ich wissen, damit ich in der Supermarktschlange mitreden kann?

Juror Joachim Llambi nennt unseren "Klausi" aus der Lindenstraße "Marzipankugel". Ist nett gemeint: "Unsere Marzipankugel hat Stimmung in die Bude gebracht", sagt der ewig nörgelnder Oberlehrer. Moritz A. Sachs nimmt es mit Humor. Dass er davon genug hat, hatte der wieder etwas runder gewordene Schauspieler bereits bei seiner Kleiderwahl bewiesen: Er kreuzt mit einem schreiend-neongrünen Rüschenhemd auf, dass selbst Doktor Motte für die Love-Parade zu gewagt gefunden hätte. Später erscheint er als Knecht Ruprecht mit gefährlich hohen Absätzen.

Neben seiner gertenschlanken Tanzpartnerin Isabell Edvardsson wirkt Sachs wie der Onkel, der auf Parties den Smalltalk mit "Sport ist Mord"-Witzen beginnt. Ein großer Irrtum. Als einziger Zweitplatzierter unter Siegern will er es dieses Mal wissen. Im Publikum ganz aus dem Häuschen vor Freude: Filmmutti Beimer alias Marie-Luise Marjan. Falls es doch nicht klappen sollte, brutzelt sie ihrem "Klausi" sicher ein paar ihrer legendären Anti-Frust-Spiegeleier.

Wie hat sich Sylvie Meis geschlagen?

Hätte man das vergangenen Jahr auf einem anderen Planeten verbracht: Man hätte glauben können, der Moderatorin sei es nie besser gegangen. Da ist die Sylvie Meis ganz Show-Profi. Da kann der Ex-Lover noch so wild drohen, dass er Nacktfotos veröffentlicht. Das Dauerlächeln angeknipst bis in die "Zahnzwitschenräume" überschüttete die Ex-Spielerfrau die Kandidaten mit allerhand Komplimenten. Sylvie findet alles "super toll", "super emotional" und "lekker".

Moderationskollege Daniel Hartwich müht sich redlich und reimt munter Greis, Preis und Fließ auf Meis, erntet aber nur das gleiche Teflon-Lächeln von ihr wie alle anderen. Wenn sie nicht gerade alles weglächelt, sagte Sylvie sinnfreie Sätze wie diese: "Und denken sie an das Auto" oder "Schlafen sie nicht, rufen sie die ganze Nacht an".

Welches Paar hatte den Dreh raus?

Sophia Thomalla und Massimo Sinato. Das Paar bekam drei Mal die Höchstwertung von zehn Punkten für ihren gekonnten Quickstep. Noch besser als die Bewertung: Das Gesicht von Massimo-Freundin Rebecca Mir im Publikum. Germanys Next Top Nervensäge hatte den Tänzer 2012 bei ihrer Teilnahme im Sauseschritt seiner Ehefrau ausgespannt. Jetzt muss sie zusehen, wie Massimo die leicht bekleidete Thomalla ein ums andere Mal herzt. Auf Twitter wird berechtigterweise die Frage gestellt, ob denn der arme Till Lindemann nun auch "Let’s Dance" gucken müsse? Der Rammstein-Sänger und die Schauspielerin sind ein Paar.

Wer bekommt die meisten Sympathiepunkte?

Magdalena Brzeska. Die 26-malige Deutsche Meisterin der Rhythmischen Sportgymnastik kommt am natürlichsten rüber. In einem Einspieler erzählt sie mitfühlend, dass früher an Weihnachten immer ein Karpfen in der Badewanne im Hause Brzeska seine letzten Runden schwamm. Als das Publikum beim Rumba klatschend aufsteht, verdrückt sie gerührt ein paar Tränen. Motsi Mabuse: "Da haben sogar die Haare mitgetanzt." Jorge Gonzalez im Geisha-Look mit Stäbchen im Haar (Hartwich: "So was Ähnliches wie Ute Lemper") ist ebenfalls entzückt. Nur Llambi grätschte wieder dazwischen: "Wir sind hier nicht bei 'Let’s Pose'". Das Publikum wählt Magdalena Brzeska und ihren Tanzpartner trotzdem weiter. Gemeinsam mit Team Sophia Thomalla und Team "Marzipankugel" stehen sie im Finale.

War es denn wenigstens weihnachtlich?

Wer bei "Last Christmas" von Wham! und "All I Want For Christmas" von Mariah Carey noch nicht zum Axtmörder wird, dürfte seinen Spaß gehabt haben. Die Paare tanzen in der zweiten Runde jeweils zu Weihnachtsschnulzen. Dabei Hartwich setzt sich zwischendrin auf ein Rentier aus der Deko und ist überrascht, dass es nicht unter ihm zusammen kracht: "Ich fall' auch jedes Jahr besoffen in den Baum."

Die Teams stellen die Hilfsorganisationen vor, für die sie spenden wollen. Manch einer weiß sogar von mitunter traurigen Momenten unterm Tannenbaum zu berichten, weil Menschen fehlen. Aber alles nur in der RTL-üblichen Dosis: Nur für ein paar Sekunden Betroffenheit erzeugen und dann fix wieder auf "guuude Laune" umschalten.

Was kann im Finale noch kommen?

Vielleicht überrascht uns Alles-Super-Finder Jorge Gonzalez mal mit einer fiesen Bewertung? Vielleicht fällt Sylvie Meis unverhofft aus der Rolle und haut Daniel Hartwich einen gepfefferten Spruch um die Ohren? Vielleicht tanzen Joachi Llambi und Daniel Hartwich den von ihnen angedrohten Paartanz? Vielleicht, ja hoffentlich sogar, zeigt es die "Marzipankugel" allen? Dann hätte die Show das, was ihr in in Teil I an allen Ecken und Enden fehlte: etwas Überraschendes.


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