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"Die Bachelorette" auf RTL Massakrierte Fische, die auch noch wegschwimmen wollen

Schulterküsse, putzende Männer und das albernste Wortgefecht der Welt - auch Folge zwei der neuen Staffel von "Die Bachelorette" hatte wieder einiges zu bieten.

Man muss ja zu allererst mal eines sagen: Nach der Hälfte der aktuellen Folge, spätestens, kann man Bachelorette Nadine Klein kaum noch unsympathisch finden. Ja, man starrt ihr gelegentlich auf die aufgespritzen Lippen und schüttelt sacht den Kopf, aber im Großen und Ganzen schlägt sich die 32-Jährige auf der Turtel-Insel Korfu äußerst wacker. Umringt von liebestollen Single-Männern, bei denen man gar nicht weiß, wer da das geringste Übel sein könnte. 

„Was ist, wenn keiner dabei ist, der mir so 100 Prozent zusagt?“, fragt sich Nadine daher gleich zu Beginn der zweiten Folge nachdenklich. Das ist möglich, Nadine, man muss sich nur ansehen, wie die Jungs deine erste Videobotschaft aufnehmen. Gebannt scharen sich die Herren in der „Männervilla“ um das iPad. Der blonde Filip aus Hamburg runzelt die Stirn. „Aber die sieht voll anders aus?“, fragt er in die Runde. Einer der Konkurrenten kennt die Erklärung: „Nicht geschminkt“, sagt er weise, und ein Raunen der Erkenntnis geht durch die Runde.

Bachlorette
Filip und "Bachelorette" Nadine setzten zusammen Segel. Für den Törn hatte sich der Hamburger ein "Geheimrezept" bereitgelegt.
© MG RTL D

Geheimrezept: "Leichten Körperkontakt suchen. Leichten!"

Nadines Botschaft ist dann gerade für Filip erfreulich: Die Bachelorette lädt ihn zum Einzeldate. Man geht Segeln. „Wir haben den ganzen Tag zusammen“, stellt Nadine fest. „Was schon extrem lange ist.“ True Fact. Filip, gerade mal 24, blond, Hautfarbe und Form einer Bratwurst, kann sich nicht entscheiden, ob er aufgeregt oder machohaft lässig sein soll. Sein Geheimrezept: „Leichten Körperkontakt suchen. Leichten!“ Über dieses Adjektiv kann man aber offenbar diskutieren, denn er legt gleich beim Besteigen des Bootes launig den Arm um Nadine, knutscht sie auf die Wange. So richtig zündet das aber nicht. Er hätte „gemerkt, dass sie auf Distanz geht“, klagt Filip, aber auch sein Lausbuben-Charme kann das nicht ändern.

Die beiden plantschen im Meer und dinieren anschließend zusammen am Strand. Nadine ist charmant und entspannt und verliert nie ihr Lächeln (das hübscher wäre ohne diese Lippen, aber lassen wir das…). Dass Filip weiß, wie man den servierten Fisch filetiert, haben sicher weder RTL noch die Bachelorette erwartet. Nadine punktet, indem sie das Gemetzel ihres Kavaliers mit Humor nimmt und nicht die Zicke mimt, wie es das Drehbuch bestimmt lieber gehabt hätte. Brav nach Drehbuch zückt sie dann aber natürlich einen roten italienischen Likör. Ist bestimmt gar nicht der Sponsor der aktuellen Staffel.

Wie denn sonst meist seine Dates aussähen, will Nadine von Filip wissen. „Meistens in einer Bar“, antwortet der und starrt hilflos ins Leere, in seinem Gehirn fieberhaft nach einer kreativeren Antwort wühlend. Er findet keine. „Eigentlich immer in einer Bar.“ 

Männer, die freiwillig putzen? Nicht ohne Grund

Während das Paar schlemmt, oder so ähnlich, wird in der Männervilla geputzt. RTL kriegt sich gar nicht ein, dass Männer(!) freiwillig(!) putzen(!) Also, einige der Männer. Der Rest gammelt auf der Couch rum. Einer hämmert aus nicht näher geklärten Gründen auf eine Klangschale. Und der sehr von sich selbst überzeugte Manuel sagt folgende Worte: „Wir ha‘m halt keine Frau hier die das macht, was sollen wir denn machen?“ Wir lassen das jetzt mal so stehen. Mit Mühe. 

Als Hamburger Filip nach dem Date in die Villa zurückkehrt, tischt er der Konkurrenz erstmal geschmackvoll die Lüge auf, dass er direkt zum Übernachten bei der Bachelorette eingeladen sei. Die anderen Herren hyperventilieren. Als der Schwindel aufgelöst wird, herrscht ein Umarmen und eine Stimmung wie an Ostern und Weihnachten zusammen. „Das ist brutal“, schnauft Brian. „Ganz großes Kino“, jubelt der hyperaktive Eddy.

Am folgenden Tag steht ein Gruppendate auf dem Plan. Acht Herren dinieren mit Nadine in einem kleinen griechischen Dorf. Stefan aus Hannover nutzt die Chance und nimmt die Bachelorette beiseite, um ihr zu stecken, dass er noch verheiratet sei. Sie nimmt es, wie alles, souverän hin und zeigt Verständnis. Stefan sei einer, der wohl noch „auftauen muss, dann ist das bestimmt ein wahnsinnig charismatischer Kerl“, glaubt sie fest. Währenddessen hält die Kamera feste druff, wie Stefan mit leerem Blick in sein Weinglas starrt. 

Das Date gibt einen ganz guten Überblick über die verschiedenen Charaktere. Da ist etwa Andi aus Bielefeld. Der sieht aus wie Dennis aus Hürth. Kennt man den noch? Den Comedian? Nein? Mächtig albern sieht er jedenfalls aus, der Andi. Und das ein oder andere Problemchen, an dem er arbeiten sollte, hat er auch. Das zeigt sich, als er ebenfalls einen Privatplausch mit der Bachelorette fordert und als erstes fragt: „Sag mal, was hast du von mir gedacht, als du mich zum ersten Mal gesehen hast?“ Detailliert will er wissen, wie Nadine seinen „Style“ findet. Das ist so traurig, dass man nicht anders kann, als Mitleid zu empfinden. Geht wohl auch der 32-Jährigen so: „Das ist halt dein Ding“, lächelt sie diplomatisch und fängt auch nicht an, irritiert zu kichern, als er erzählt, dass er sich stets frenetisch Arme und Beine rasiert. 

Schulterküsse für die Bachelorette

Während Nadine also zwei unangenehme Gespräche hinter sich bringt, kippen die Restmänner einen Ouzo nach dem anderen. Dann spielt eine Gruppe griechischer Gitarristen zum Tanz auf ¬– und es muss natürlich Sirtaki getanzt werden. Der ungelenke Rafi sagt treuherzig in die Kamera: „Ich war auf jeden Fall auch aktiv gewesen.“ (Nur nicht im Deutschunterricht, oder?) Er erklärt: „Damit sie mich nicht vergisst.“ Er gibt sich sogar so viel Mühe, in Erinnerung zu bleiben, dass er Nadine zum Abschied nicht nur rechts und links auf die Wange küsst, sondern auch rechts auf die Schulter, die aus ihrem feschen Off-Shoulder-Kleid ragt. Die Meinungen, ob das Absicht oder Versehen waren, sind gespalten. Wir tippen ja ganz stark auf Versehen.

Die Jungs, die nicht mit zum Dorf-Dinner durften, bekommen wenig später ihre eigene Chance. Eine – äh – viel bessere. Sie sollen zu Nadines Amüsement Sport machen. Weil Griechenland ja Erfinder der Olympischen Spiele sei, und so. Bevor es jedoch zur Sache geht, nutzt Manuel (der mit dem Ego) die Gelegenheit, sich schnell völlig unmöglich zu machen. Erst fragt er Nadine, ob sie seinen Namen noch weiß (nach kurzem Überlegen kommt sie drauf), dann begrüßt er sie demonstrativ – mit einem Schulterkuss. Bäh. Nicht nur übergriffig, sondern auch unnötig arrogantes Rumreiten auf Rafis Fauxpas.

Die Herren müssen Tauziehen und Ringen. Das ist eher langweilig, und auch die Kandidaten sind im Anschluss unzufrieden. Jammernd präsentieren sie ihre kleinen Blessuren. Nicht einmal der Kandidat, den Nadine schließlich zum Einzeldate einlädt, weiß es zu würdigen. Es ist der stille Dennis. „Vielleicht will sie uns ja aufsparen“, sagt Manuel mit abfälligem Grinsen in die Kamera. RTL filmt, wie sein Lächeln daraufhin zu einer beleidigten Fratze verfällt.

Das Date mit Dennis, ein Dinner mit romantischer Aussicht auf die Dächer Korfus, muss aber niemandem Eifersucht bereiten. Es ist sehr, sehr unangenehm. Also, auf die Art mit langen Schweigepausen. Wo das Gespräch eher wie ein Vokabelabfragen verläuft, wobei Nadine hier die Lehrerin wäre. Man möchte Dennis gleichzeitig schütteln und streicheln. So ein Date hatten wir alle schon mal, wir waren alle schon mal so aufgeregt, dass wir einfach immer die ganz falschen Antworten gegeben haben. Aber es ist wirklich nicht schön anzusehen und selbst der wohlmeinenden Nadine friert irgendwann das Lächeln ein. Dennis merkt es nicht. „Ich denke, ich konnte den Abend ein bisschen nutzen“, freut er sich später. „Ich habe mein Bestes gegeben.“ Oha.

Dann ist es schließlich soweit. Die Nacht der Rosen

Manuel hat sich unterdessen noch nicht davon erholt, dass er kein Einzeldate mit der Bachelorette ergattert hat. Und, die Fabel mit dem Fuchs und den Trauben – kennt man die noch? Die Trauben, an die der Fuchs nicht rankommt? Nein? Jedenfalls pestet er nun gegen Nadine. „Bei mir tut sie sich heute schwer, die Alte“, krakeelt er. „Der Fisch ist schon am Wegschwimmen!“ Der Fisch ist natürlich er. Und unsympathischerweise stimmt gerade Filip mit ein: Auch er fände die 32-Jährige „distanziert“, beschwert er sich. Wenn das was werden soll, „dann muss von der mehr kommen“. Außerdem hätte sie, wenn er sie im Gespräch unterbrochen habe, einfach(!) weitergeredet(!) Man stelle sich vor!

Hier wagt Rafi, einzuschreiten. Aber dessen Kritik passt dem blonden Hamburger gar nicht. Es kommt zum weltalbernsten Wortgefecht, in das sich immer mehr Kandidaten einmischen. Obwohl Rafi natürlich völlig im Recht ist, isoliert ihn seine naive Art. Oder sein seltsames Gesicht. „Wir unterhalten uns hier und du laberst immer dazwischen“, pöbelt Filip ihn an. Was lustig ist, wenn man seine Kritik an der Bachelorette bedenkt. Halten wir aber kurz fest: Filip, den wir anfangs noch ganz unterhaltsam fanden, finden wir jetzt doof. Buh!

Dann ist es schließlich soweit. Die Nacht der Rosen. Man versammelt sich in schickem Fummel im Garten. „Was willste trinken?“, fragt jemand Nadine. Die verlangt – natürlich – einen roten italienischen Likör. So ein Zufall. Die Bachelorette zeigt ein feines Gespür für Stimmungen und nimmt direkt Manuel beiseite. Der wiederholt, in netteren Worten, was er schon in der Villa sagte: Er wünscht sich mehr Entgegenkommen, sonst will er abreisen. Nadine lächelt verständnisvoll, aber der aufmerksame Zuschauer erkennt schon, dass er das mit dieser Frau nicht machen kann. Die lässt sich nicht derart in die Ecke drängen.

Manuel hat sich verzockt

Bevor wir zum großen Finale kommen, ergattert aber auch der zurückhaltende Alex noch ein Vier-Augen-Gespräch. Er ist schüchtern, wie zuvor Dennis, aber er hört nicht auf, Nadine verliebt anzulächeln. Und auch, wenn seine Antworten leise und knapp sind, sind sie immer richtig. „Was hat dich hergeführt?“, fragt Nadine etwa. „Na du“, haucht Alex mit glänzenden Augen. Sweet.

Und dann kommt auch noch Rafi an und petzt den Streit in der Villa. Wobei er noch nicht einmal die Chance nutzt, Manuels und Filips Lästerei über Nadine auszuplaudern – er empört sich vielmehr über deren Umgang mit ihm. Und zitiert sogar noch die Beleidigungen, die ihm an den Kopf geworfen wurden. Das ist so linkisch und sinnlos, dass es fast schon wieder herzig ist.

Findet auch die Bachelorette: Rafi kommt weiter. Aus unerfindlichen Gründen auch Filip und der wortkarge Dennis. Auch der „charismatische“ und „praktisch noch verheiratete“ Stefan bekommt eine Rose in die Hand gedrückt. Nadine hat halt ein Herz. Aber nicht für Manuel. Der hat sich verzockt und muss nach Hause. Ebenso der blonde Jan, der lustigerweise Ex-Bachelor Paul Janke so ähnlich sah. Aber dass es zwischen ihm und Nadine nicht gefunkt hat, war offensichtlich. Und, hach, auch Styler-Andi muss gehen.

Tja, und am Ende fragen wir uns: Welcher dieser Typen wäre die beste Wahl für Nadine? Wenn wir jetzt für jemanden die Fähnchen schwenken müssten, dann wäre es vielleicht Alex. Der Schüchterne vom Schluss. Schauen Sie nächste Woche, was er draus macht? Nein? Wir natürlich auch wieder nicht. Bis dann!


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