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TV Kritik zum ARD-Talk: Jauchs elitäre Erbendiskussion

Bei Günther Jauch stritten Unternehmer Rossmann und Armutsforscher Butterwegge über Steuern - statt über die (Un)Gerechtigkeit beim Erben.

Von Andrea Zschocher

Günther Jauch diskutierte in der ARD über das Erben - der Talk verkam zu einer elitären Diskussion

Günther Jauch diskutierte in der ARD über das Erben - der Talk verkam zu einer elitären Diskussion

Günther Jauch ging am Sonntag der Frage nach, wie gerecht das Erben sei. Leider war die Diskussion, zu der die Journalistin Julia Friedrichs, der Unternehmer Dirk Roßmann, Armutsforscher Christoph Butterwegge, Schloss-Erbin Stephanie von Pfuel und Vermögensforscher Thomas Druyen eingeladen waren, vor allem von Steuerfragen geprägt. Die Frage nach der Gerechtigkeit beim Erben wurde nur am Rande behandelt.

Stattdessen wurden von allen Seiten viele Statistiken bemüht. "An jedem Werktag", so Jauch, "wird eine Milliarde Euro vererbt", in den nächsten zehn Jahren werden das ungefähr 250 Milliarden pro Jahr sein. Friedrichs nennt es das "höchste Erbe aller Zeiten". Dabei erben aber 50% der Deutschen nichts oder Schulden, 10% der Erbenden sind bereits vermögend.

Dazu zählen auch die Söhne von Dirk Rossmann. Ihnen will er seine Drogeriekette "Rossmann" vererben, sie sollen das Familienunternehmen weiterführen. "So eine Firma zu leiten ist kein Zuckerschlecken", versuchte er die Debatte zu eröffnen. Für ihn war klar, dass die Diskussion um Gerechtigkeit beim Erben Deutschland ausbremst. Jauch warf die Frage ein, ob der Unternehmer sich wünschte, dass "es ungerecht bleiben" soll, "damit alles bleibt wie es ist?". Rossmann wich aus und verwies darauf, dass die "Leistungsfähigkeit des Staates" erhalten bleiben sollte. Einer der 50 Reichsten Männer der BRD sah das nur als gegeben, wenn die Erben keine höhere Erbschaftssteuer zahlen müssten.

Besteuerung aufs Erbe – ja oder nein?

Rossmann und Butterwegge lieferten sich ein wahres Wortgefecht darüber, ob und wie Familienunternehmen zukünftig besteuert werden sollen. Der Unternehmer plädierte dafür, den Unternehmen mehr steuerliche Freiheiten zuzugestehen, um so die Erben nicht zu benachteiligen. Seiner Meinung nach seien die Familienunternehmen gegenüber den amerikanischen Großkonzernen sowieso im Nachteil und die Erbschaftssteuer würde es kommenden Generationen noch schwerer machen, sich am Markt zu behaupten.

Diesen Ausführungen widersprach Armutsforscher Butterwegge aufs Schärfste. Seiner Meinung nach müssen Erben "Verantwortung übernehmen." Und dies eben in Form von höheren Steuern. Stephanie von Pfuel erbte von ihrem Vater ein Schloss. Sie wollte von Butterwegge konkrete Lösungsvorschläge für Erben wissen. Der Armutsforscher sprach sich für "eine progressivere Erbschaftssteuer" aus, bei der die Erben "einen guten Teil abgeben". Dieser gute Teil sollte seiner Meinung nach mindestens 50% vom Erbe betragen.

Elitäre Erbendiskussion

Rossmann hielt das für falsch, diese Höhe würde die Liquidität der Unternehmen gefährden und dafür sorgen, dass die Firmen vom Markt verschwinden. "Ertragen Sie es bitte, diese Fakten zu hören", herrschte er Butterwegge an. "Eine Firma geht nicht sofort pleite", aber sie würde von innen zerstört und müsste dann verkauft werden. Die Debatte zwischen dem Drogeriemann und dem Armutsforscher war teilweise akustisch unverständlich, weil die beiden sich ständig ins Wort fielen und einander die Redezeit nicht gönnten.

Der Vermögensforscher Thomas Druyen befand diese Diskussion für viel zu elitär und vermutete, dass sich die Zuschauer vor den Fernsehgeräten langweilen. Weil es eben über lange Strecken nicht um Ungerechtigkeit beim Erben, sondern um Steuern und den Schutz von Besitz ging. "Eine steuerliche und psychologische Debatte ist für das Erben wichtig" brachte es Druyen auf den Punkt. Das forderte auch die Autorin Friedrichs. "Ich finde es schade, dass wir immer nur um die Steuern kreisen" warf sie ein.

Erben - ein psychisches Problem?

Sie wollte auch darüber sprechen, was das geerbte Geld mit den Erben macht. "Aber ist das nicht jammern auf hohem Niveau?", fragte Jauch. Er schlug vor, dass die, die unter dem Reichtum litten, das Geld ja spenden oder verschenken könnten. Friedrichs wollte den Menschen aber ihre Gefühle nicht absprechen, Druyen pflichtete ihr bei. Das Erben sei ein psychisches Problem, es ginge dabei auch um "Persönlichkeitsverletzungen", sagte er. Darüber hinaus habe Erben aber auch immer mit einem Thema zu tun: dem Tod. Und der wird in unserer Gesellschaft, so der Vermögensforscher noch immer hochtabuisiert.

Während Rossmann und Butterwegge vor allem darüber stritten, ob und wie viel vom Erbe nun besteuert werden kann, wollte Druyen der Frage nachgehen, was die Erben mit dem Vermögen machen. "Wenn sie das Geld nur für sich selbst verprassen, dann soll das hochbesteuert werden", fand er.

Jauch schloss mit der Hoffnung, dass es "keine allzu elitäre Diskussion" gewesen war, der die Zuschauer beiwohnten. Dieser Wunsch wird sich wohl nicht bewahrheiten, denn dafür wurden Butterwegge und Rossmann zu viele Sendeminuten eingeräumt.