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TV-Kritik

"Der Bachelor" auf RTL: "Auf dich und Recklinghausen!" Eltern, Hunde und sehr bequeme Sofas

Bachelor Daniel geht auf PR-Tour zu den Eltern seiner Angebeteten. Nach viel Kaffee, Klatsch und Kuscheln wählt er die drei Damen, mit denen er zum "Dream Date" nach Vietnam düst.

Na hoppla, liebe Leser, diesmal mussten wir noch nicht mal bis zum Vorspann warten, bis , die alte Knutschbacke, ungefähr alle verbliebenen Kandidatinnen abgeschleckt hatte. RTL zeigt uns die Szenenschnipsel als Appetitanreger für "Bachelor"-Folge sieben. Mit viel anderem kann man uns ja auch nicht mehr locken – die einzig unterhaltsame Dame, die im Haus verblieben ist, ist ja Janine Christin. Und die ist auf eine eher angsteinflößende Art entertainend.

Weil es jetzt für den Bachelor wirklich keine Ausrede mehr gibt, ein Einzeldate mit zu verweigern, stand sie dann auch als erstes auf Daniels Liste. "Ich wollte mit Janine Christin Zeit verbringen", lügt er und fügt hinzu, er "wollte wissen, was bei ihr sich abspielt". Ganz ehrlich, das wüssten wir auch gerne.

Das Ambiente beim "Bachelor" verrät: Für's kommende "Dream Date" bedarf es einer Fernreise

Das Ambiente beim "Bachelor" verrät: Für's kommende "Dream Date" bedarf es einer Fernreise

Während die blonde Svenja eifersüchtig vor dem texanischen Landhaus vor sich hin grummelt, paddeln Daniel und seine brünette Verehrerin im Boot über einen See. So sehr sich auch bemüht,  die Szenerie romantisch wirken zu lassen – da knistert überhaupt nichts. Daniel versucht seine bisherige Zurückhaltung gegenüber Janine Christin zu erklären: "Wir haben ja noch nie gekuschelt". Gekuschelt, haha! Er lässt es klingen, als habe ihn das Schicksal davon abgehalten, in den vergangenen sechs Folgen die junge Norderstedterin zu daten, nicht sein freier Wille. Und Janine Christin nimmt es ihm mit Glänz-Augen ab.

Daniel lässt sich gar dazu hinreißen, eins seiner drei generischen Komplimente rauszuholen: "Man fühlt sich da, wie soll ich sagen, wohl bei dir." Aber noch nie kam ihm das so schwer über die Lippen.

Janine Christin nutzt die Gelegenheit und wirft Konkurrentin Carina vor, ein falsches Spiel mit dem Bachelor zu spielen. Der brummelt, er werde der Sache auf den Grund gehen. Dann gibt’s eine ungelenke Abschiedsumarmung für die Brünette. Keinen Kuss. Sowas von keinen Kuss.

Der Bachelor, Jessica und "der Funke"

Das nächste Date ist für alle Ladys. Aber eigentlich nur für Svenja. Die Damen und Daniel kraxeln ein schwindelerregend hohes Gerüst rauf und düsen per Zipline wieder runter. Immer in Zweierpaaren. Daniel düst mit Svenja, und da die anderen bibbern und jammern und zögern, haben die beiden Zeit zu plaudern. In dieser unheimlich unharmonischen Show wirken die beiden noch immer am harmonischsten.

Geplaudert wird später dann auch am Ufer des Sees. Und zwar zuerst ein ernstes Wörtchen mit Jessica. Ja, wir haben auch schon wieder vergessen, wer Jessica war. Sie ist blond und stach in der letzten Folge durch überraschende Vernunft hervor, als sie Daniel sagte, dass sie sich nicht so ratzfatz in einen dahergelaufenen Schönling verlieben könne. Eigentlich normal, aber beim Bachelor stießen diese wahren Worte sauer auf.

Kühl erläutert er Jessica, dass sie wohl beide gemerkt hätten, dass "der Funke nicht übergesprungen ist". Da ist wohl ein Ego angeknackst. Jedenfalls schickt er die Blondine kurzerhand nach Hause. Und für Jessica scheint das kein Drama zu sein – im anschließenden Interviewschnipsel strahlt sie erleichtert bis euphorisch.

Während sie davonspringt wie ein junges Reh, ordert der Bachelor Carina zum Rapport. Wir wollen jetzt nicht platt mit dem Wort "Proll" kommen, aber die blonde Recklinghausenerin schlurft und lümmelt sich in dieser Folge mit ihrer bodenständigen Laissez-Faire-Attitüde in unser Herz. Daniel aber ist streng mit ihr und erwähnt die bösen Verdächtigungen der Konkurrenz. "Inspezifisch ist dein Name gefallen", erfindet er vorwurfsvoll Fremdwörter. Carina erklärt ihm, dass sie ja nicht irgendeinen Typen zum Eltern-Date mit nach Hause bringen würde und Daniel lässt sich überzeugen.

Die traditionellen Elterndates

Für die vier verbliebenen Ladys – Kristina, Carina, Janine Christin und Svenja (dass wir die Namen alle ohne Nachgucken fehlerfrei schreiben und aufzählen können, macht uns jetzt ein wenig Sorgen) – gibt’s direkt am Seeufer schon Rosen. "Total toll", strahlt Svenja mit dem ihr eigenen herzigen Enthusiasmus. "Ich freu mich mega über die Rose, jetzt geht’s nach Hause", sagt Carina und man weiß nicht, welcher der beiden Punkte sie wirklich mehr freut.

Und dann folgen sie – die traditionellen Elterndates. Machen wir es kurz: Alle Familien sind ernsthaft entzückend, fast alle Familien besitzen mehr oder weniger laut kläffende , und bei jeder Familie verkrümeln sich Daniel und die jeweilige Lady anschließend auf ein ästhetisch fragwürdiges Sofa. "Die Couch ist bequem", ächzt er Svenja zu, während er auf dem sichtlich zu schmalen Möbelstück sein Kinn unter seine Schulter verdreht, um einigermaßen mit der Blondine rumbusseln zu können. Gebusselt wird auch mit Carina und Kristina. Nur Janine Christin bekommt keinen Kuss. Oh boy.

Svenja hat übrigens vor lauter Liebe schon das Vokabular des Bachelors übernommen: Sie will, dass ihre Eltern sich mit ihm so wohlfühlen, wie sie sich mit ihm wohlfühlt. Das zweite der drei Daniel-Standardkomplimente geht übrigens an Carina: Ihre Ruhe findet er sehr erfrischend, sagt er ihren Eltern. Und Nummer drei: Kristina wird ob ihrer schönen Augen gelobt.

"Ich musste  fragen, wo das liegt. Aber Asien klingt gut!"

Kristinas Familie begrüßt Daniel holprig auf Russisch. "Ich kenne nun mal kein Russisch", sagt er. "Ich habe mich im Vorfeld aber etwas präpariert." Prepared meint er wohl. An seinem Deutsch muss er offensichtlich auch ein bisschen feilen.

Nach vier passabel launigen Familiendates reihen sich die Damen auf einem Flugplatz auf. Drei von ihnen dürfen direkt mit auf sogenannte "Dream Dates", weshalb alle ihre Koffer schon dabei haben. Svenja und Kristina dürfen. Janine Christin will unbedingt. Carina, die wir in dieser Situation allein für ihren patzigen Nude-Lippenstift und den Fake-Leopardenmantel gefeiert haben, demonstriert nonchalante Indifferenz. Natürlich kommt sie damit durch und lässt sich von Daniel eine Rose in die Hand drücken.

Die "Dream Dates" führen das Damen-Trio in der nächsten Folge nach Vietnam. "Ich dachte erst, er meint Venedig", sagt Carina. "Ich musste die anderen fragen, wo das liegt. Aber Asien klingt gut!"

Und während sich die glücklichen Gewinnerinnen mehr oder weniger freuen, weint Janine Christin bitterlich im Taxi. Aber irgendwie schon besser, im Taxi zu weinen als im HVV-Bus, oder nicht? Das wussten ja schon Kettcar.

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo