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TV-Show: Heiko schlägt den Raab mit links

Nicht einmal ein Handbruch hält Stefan Raab auf. Trotz Handicap versucht der TV-Moderator in der einmaligen Linkshänder-Ausgabe seiner Erfolgsshow "Schlag den Raab" zu punkten. Doch Kandidat Heiko Schumacher lässt Raab keine Chance.

Von Gerd Blank

Es soll Menschen geben, die wegen eines Schnupfens nicht zur Arbeit gehen. So etwas käme für Stefan Raab nie in Frage, er tritt sogar mit einer gebrochenen Hand im Fernsehen auf. Den Bruch des rechten Handgelenks zog sich Raab bei einem privaten Skiausflug zu. Man kann von Raab halten was man will, aber ein Weichei ist er nicht. In maximal 15 Runden muss sich Raab mit seinen Herausforderern messen. Bei der Auswahl der Spiele wurde auf die Verletzung Raabs Rücksicht genommen, auch sein Gegner darf nur die linke Hand einsetzen - deshalb wurde die Sendung auch einmalig in "Schlag den Raab - mit links" umbenannt.

Das Handicap scheint Stefan Raab nur noch mehr zu motivieren. Sich von einem läppischen Bruch beeinflussen lassen? Nicht mit dem Metzgersohn. Schließlich geht es um viel Geld. Eine Million Euro bekommt der Gewinner - ein hübsches Weihnachtsgeld. Das will Raab auf keinen Fall zulassen. Gewinnt der Moderator, startet die Sendung im kommenden Jahr mit einer Gewinnsumme von 1,5 Millionen Euro. Aber dazu lässt es Kandidat Heiko Schumacher nicht kommen.

Raab sieht kein Land

Wie immer fängt der Wettkampf harmlos an, in der ersten Runde geht es schließlich nur um einen Punkt. "Kerzenlaufen" heißt die Disziplin, die man von Kindergeburtstagen kennt und die Heiko Schumacher für sich entscheidet. Damit hat Schumacher schon mehr Punkte als Ria Sabay, Kandidatin der letzten Show, die mit wehenden Fahnen ohne einen einzigen Rundensieg gegen Stefan Raab verlor.

Im zweiten Spiel müssen Begriffe alphabetisch sortiert werden. Moderator Matthias Opdenhövel sagt völlig korrekt: "Willkommen in der dritten Klasse." Heiko ist in dieser Runde eine Klasse für sich, Raab kommt kein einziges Mal zum Zug. Mit Kinderspielen haben schon andere Sender und Moderatoren versucht, Zuschauer zu gewinnen. Aber während Jürgen von der Lippe und Hugo Egon Balder Andere spielen ließen, steigt Raab selbst in den Ring. Ehrgeizig versucht er, jedes noch so alberne Spiel zu gewinnen. Auch wenn er nach zwei verlorenen Runden sehr gelassen tut - man merkt dem ProSieben-Star an, dass er die Rolle des Verfolgers nicht schätzt. Er liegt nicht gerne hinten, sondern ist es gewohnt, den Takt vorzugeben. Eine Eigenschaft, die sein Haussender sehr schätzt: Erst kürzlich wurde der Vertrag mit Raab um weitere fünf Jahre verlängert. Raab ist das Zugpferd und das Gesicht des Senders, er kniet sich rein wie kein Zweiter. Man nimmt ihm ab, dass er gewinnen will. Und ihm ist es egal, ob es sich um Boxen oder Dosenwerfen handelt.

Dass die Fernsehzuschauer sich für Heiko als Raab-Gegner entschieden haben, ist ein Glücksfall für die Show. Der etwas füllige Kandidat wird nach eigenen Worten häufig unterschätzt. Dabei ist er äußerst sportlich, witzig und geistreich. Er geht unverkrampft in die Wettkämpfe, ein erfrischender Kontrapunkt zum offensichtlich ehrgeizigen Raab. In der dritten Runde müssen die beiden Rechtshänder mit der linken Hand einen Weihnachtsbaum malen. Die Zuschauer wählen das schönste Bild, ohne den Urheber zu kennen. Auch hier hat Raab nicht den Hauch einer Chance.

Es wird ungemütlich

In den besten Momenten erinnert die Sendung an Fernsehen aus der Mottenkiste. Man könnte fast meinen, dass die Herren Frankenfeld, Kulenkampff oder Rosenthal irgendwo in der Kulisse auf ihren Einsatz warten. Auch im vierten Spiel, einer Partie Tischtennis, lässt sich Heiko nicht die Butter vom Brot nehmen. Das Trinkspiel Kartenpusten folgt als nächstes, allerdings gibt es keinen Alkohol für den Verlierer. Schaut man auf das Gesicht von Stefan Raab, als er auch diese Runde verliert, sieht man förmlich, dass er jetzt einen Drink vertragen könnte. Langsam wird es ungemütlich für Raab, er liegt 15 Punkte zurück, man könnte fast Mitleid ihm haben.

Die Sendung wird immer spannender. So deutlich lag Raab selten hinten, nach sieben Runden stehen auf seiner Seite gerade einmal sechs magere Punkte. Aber noch ist der Wettkampf nicht vorbei, und ein Raab gibt niemals auf. Heiko Schumacher sieht eigentlich nicht aus wie der typische Siegertyp. Sogar seine im Publikum sitzende Freundin ist überrascht, wie souverän er Runde für Runde für sich entscheidet. Langsam wird ihm bewusst, dass er das Spiel gewinnen und mit einer Million Euro nach Hause gehen könnte. Er sagt kaum noch etwas und wird immer nervöser. Dennoch gewinnt er auch das neunte Spiel: 39 zu 6 für den Herausforderer. Nur noch 22 Punkte bis zur Million.

Es zeigt sich, dass selbst die simpelsten Spiele für die größte Spannung sorgen können, Spiele, deren Regeln man sofort versteht. Wer hätte gedacht, dass man an einem Samstagabend vor dem Fernseher sitzt und bei zwei Erwachsenen mitfiebert, die sich im Kegeln messen? Oder in Geografie? Die Spiele sind nur vermeintlich einfach, und die neue Links-Regel sorgt für noch mehr Spannung. Es ist kein Wunder, dass diese Show auch international zu einem Renner geworden ist.

Entscheidung in der Nacht

Raab gewinnt zwei Runden in Folge und liegt nur noch zwölf Punkte zurück. Doch beim Dosenwerfen zieht Heiko wieder davon. Die Nerven liegen blank. Schumacher muss nur noch eine Runde gewinnen. Raab fühlt sich bei einer nicht gegebenen Antwort ungerecht behandelt. Das ist typisch Raab: Er ärgert sich lautstark über jeden verlorenen Punkt. Doch das nützt nichts, denn der unparteiische Opdenhövel kennt keine Gnade: Nach über vier Stunden ist Raab weit nach Mitternacht geschlagen, und Heiko Schumacher geht mit einer Million Euro nach Hause.

"Schlag den Raab" ist wie ein Kindergeburtstag mit Millionenpublikum. Es ist Stefan Raab hoch anzurechnen, dass er diese Party trotz gebrochener Hand durchgezogen hat. Bereits am 15. Januar 2011 gibt es die nächste Sendung. Vielleicht dann sogar wieder mit beiden Händen.