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TV-Tipp Die trügerisch schillernde Welt der Kennedys


Vier Emmys räumte die Serie "Die Kennedys" ab, gleichzeitig sorgte sie in den USA für heiße Diskussionen. In den kommenden Wochen ist der umstrittene Achtteiler um den Polit-Clan auf Arte zu sehen.

Es ist nicht wichtig, wer ihr seid, sondern was man von euch hält", predigt Papa Kennedy seinen Söhnen: "Und wenn genug Geld da ist, dann denken die Leute genau das, was ihr wollt." Es sind Sätze wie diese, die Anhängern des amerikanischen Präsidentenclans die Zornesröte ins Gesicht trieben. Die US-Serie "Die Kennedys" sorgte vergangenes Jahr in den Staaten für eine heftige TV-Kontroverse. Liberale Historiker witterten politisch motivierte Geschichtsklitterung, auf der anderen Seite schlagen vier Emmys zu Buche. Jetzt zeigt Arte den umstrittenen Achtteiler erstmals im deutschen Fernsehen - immer donnerstags, 20.15 Uhr.

Vor dem Hintergrund der aufgeheizt geführten US-Debatte ist es für den Kultursender ein kleiner Coup, die deutsche Erstausstrahlung verantworten zu dürfen. Alleine die beteiligten Namen verleihen der 30-Millionen-Dollar-Edelproduktion Relevanz: Greg Kinnear (John F. Kennedy), Tom Wilkinson (Joe Kennedy Sr.), Barry Pepper (Robert F. Kennedy), Katie Holmes (Jackie Kennedy) und Diana Hardcastle (Rose Kennedy) verkörpern die Protagonisten der mächtigen Polit-Dynastie während der 60er-Jahre. Die acht Episoden der Serie klappern die wichtigsten historischen Wegmarken der Reihe nach ab. Wahlkampf, Schweinebucht-Desaster, Mafiaverstrickung, Rassenunruhen, Kubakrise, Attentat. Weiterführendes wird in Rückblenden nachgereicht.

Die vielen Gesichter des Joe Kennedy Senior

Vor allem das Familienoberhaupt kommt beim Blick hinter die Clan-Kulissen unvorteilhaft weg. Joe Kennedy Senior ist der treibende Motor hinter dem politischen Erfolg seiner Söhne. Die Motivation: das eigene Versagen, ins Weiße Haus einzuziehen. Der Patriarch ist streng und gütig zugleich, idealistisch und verschlagen, ein zäher Ire, ehrgeizig bis zur Besessenheit. John Fitzgerald, genannt Jack, würde gerne als Harvard-Dozent schönen Studentinnen hinterherjagen. Nachdem der ältere Bruder im Kriegseinsatz ums Leben kommt, hat er aber keine Wahl, als dessen Part zu übernehmen und sich schier willenlos ins Oval Office manövrieren zu lassen. Der mächtigste Mann der Welt? Das ist - zumindest anfänglich - der Vater.

Formal ist "The Kennedys" nichts anderes als eine Hochglanzproduktion. Das strenge Dekor kennt man aus der Werber-Serie "Mad Men" - die Erzählform ist aber die der Seifenoper. Das liegt in der Natur der zahllosen Kennedy-Skandale und Tragödien begründet - es liegt aber auch an der suggerierten Schlüssellochperspektive, die ohne fiktive Ausschmückungen des historisch Belegten nun mal nicht auskommt. Kritiker nahmen an dieser erzählerischen Freiheit Anstoß. Mehr noch, sie unterstellten Serienmacher Jon Cassar ("24"), einem erklärten Konservativen, die Säulenheiligen des liberalen Amerikas gezielt zu desavouieren. Mutmaßlich auf Druck der Kennedy-Familie selbst wurde die geplante Ausstrahlung der Serie auf dem amerikanischen History Channel gecancelt. Stattdessen lief "The Kennedys" im April 2011 beim Talksender ReelzChannel.

Arte sendet die Aufregerserie in geballter Form zur Donnerstagsprimetime. Am 26. Juli und am 2. August sind jeweils drei Folgen am Stück zu sehen. Die Episoden sieben und acht laufen abschließend am 9. August im Doppelpack.

cob/Teleschau TELESCHAU

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