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TV-Tipp 15.10.: "Fremde Gefährten": Auf dem Weg nach Sibirien - russische Fahrgäste erzählen

Der Weg ist das Ziel. Ein französischer Regisseur setzt sich in einen russischen Zug nach Sibirien und lauscht den Gesprächen der Mitreisenden. Unser TV-Tipp des Tages.

Zug-Geschichten aus der Dritten Klasse: Stéphane Breton schafft flüchtige Porträts von Menschen, die in Richtung Sibirien unterwegs sind.

Zug-Geschichten aus der Dritten Klasse: Stéphane Breton schafft flüchtige Porträts von Menschen, die in Richtung Sibirien unterwegs sind.

"Fremde Gefährten"
22.55 Uhr, Arte
DOKU "Im Flugzeug sitzt man nur nebeneinander - aber im Zug da lernt man Menschen kennen." Sagte mir kürzlich ein Kollege und er hat ja so recht. Ich liebe Zugfahren, gerade weil es etwas von einem Gücksspiel hat. Packt der Typ neben mir jetzt Kartoffelsalat und Frikadelle aus? (Passiert häufiger.) Oder setzt sich eine wunderhübsche Frau dazu und unterhält mich stundenlang mit charmanten Anekdoten? (Passiert seltener.)

Eines aber haben fast alle Zugbekanntschaften gemein: Sie sind flüchtig. Man tauscht keine Adressen oder Telefonnummern aus, man plaudert manchmal mehr, als man sonst tun würde, und am Ende der Fahrt geht jeder seiner Wege. Ich weiß jetzt, wie ich einen russischen Polizisten besteche, wenn er mich volltrunken im Auto mit Freunden anhält (Ihn einfach zur nächsten Party mitnehmen.) Ich weiß, dass die Darstellung der britischen Polizeiarbeit in den 70ern in der TV-Serie "Life on Mars" viel näher dran war an der Realität als die Polizei heute jemals zugeben würde (sagen wir: ruppig). Ich habe Lebensgeschichten von Mittelständlern gelauscht, die kurz davor stehen, ihre Firma zu verlieren. Mit Menschen über das Leben, alternative Gesellschaftsentwürfe und Don-Rosa-Comics philosophiert. Und natürlich die Liebe, diese alte Sau.

Und all das ist allein in Deutschland passiert. Ich bin mir ziemlich sicher, dass der französische Regisseur Stéphane Breton einiges Interessantes aufgeschnappt hat, als er tageslang in einem Zugwaggon der Dritten Klasse nach Sibirien unterwegs war. Vor allem, weil sein Reisegefährte ein ehemaliger Panzerwagenfahrer der Roten Armee war, der nicht nur aus seinem eigenen Leben erzählt, sondern auch übersetzt und den Kontakt des Franzosen zu Bretons Mitreisenden herstellt. Wenn Sie also heute Abend das Reisefieber packt, ist "Fremde Gefährten" genau der richtige Ausklang des Tages. Aber Vorsicht: Im Übermut könnten Sie danach eine Reise in der Transsib buchen.

PS: In diesem Interview erzählt der Regisseur von den Dreharbeiten.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Landauer - Der Präsident"
20.15 Uhr, ARD
Gestern noch als Held gefeiert, heute mit dem Tod bedroht. Als Vereinspräsident holt #link;http://www.stern.de/kultur/kurt-landauer-film-ueber-ex-praesident-des-fc-bayern-muenchen-2145366.html;Kurt Landauer# (Josef Bierbichler) 1932 mit dem FC Bayern den Meistertitel. Kurz darauf zwingen die Nazis den Juden zur Aufgabe seines Postens. Aus dem Exil in Genf kommend soll München 1947 nur ein Zwischenstopp für ihn sein. Die Passage nach New York ist gebucht. Doch kaum in der zerstörten Heimat, juckt es den Bayern, seinem bankrotten Verein wieder auf die Beine zu helfen… Bildgestalterisch geschickt erzählt beleuchtet Hans Steinbichler viel mehr als nur ein Kapitel Vereinsgeschichte. Sein Porträt eines Machers flüstert vom Überleben in vergifteter Zeit. (bis 21.45)

"Precious - Das Leben ist kostbar"
20.15 Uhr, Arte,

2010 mit zwei Oscars ausgezeichnetes Drama, das auf dem Roman "Push" von Sapphire beruht. Claireece Jones, genannt Precious, ist 16 Jahre alt, schwarz, schwer übergewichtig und kann nicht lesen oder schreiben. Die Mutter misshandelt sie, der Vater missbraucht sie und hat sie gerade zum zweiten Mal geschwängert. Das Schicksal von Precious scheint vorgezeichnet, doch eines Tages erhält sie die Chance, eine Schule zu besuchen und ihr Leben von Grund auf zu ändern. Produziert von TV-Legende Oprah Winfrey, bis in die Nebenrollen (Mariah Carey, Lenny Kravitz) hochkarätig besetzt. (bis 22.00)

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Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo