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TV-Tipp 18.6.: Themenabend "Das erste Mal": Ich bin drin! Das ist ja einfach...

... freute sich Boris Becker, meinte das Internet und erntete für den zweideutigen Werbespot mächtig Spott. Ganz eindeutig kommt dagegen der Themenabend "Das erste Mal" daher. Let's talk about sex!

Gut, es ist nicht Johnny Depp. Aber schlecht gebaut ist Filis (Lavinia Wilson) Bettgespiele George (Hannes Jaenicke) jetzt auch nicht.

Gut, es ist nicht Johnny Depp. Aber schlecht gebaut ist Filis (Lavinia Wilson) Bettgespiele George (Hannes Jaenicke) jetzt auch nicht.

Themenabend "Das erste Mal"
ab 20.15 Uhr, Einsfestival
THEMENABEND Nein, lieben Leser. Ich werde hier keine persönlichen Geschichten zum Thema "Mein erstes Mal" ausbreiten. Das macht die "Bravo" schon ganz gut. Und wer sich für deren Lektüre zu alt fühlt, der schaut heute Abend Einsfestival. Der Sender widmet sich einen ganzen Abend lang dem Thema Beischlafpremiere.

Los geht's um 20.15 Uhr mit einem Film, der sein erstes Mal schon lange hinter sich hat: 1996 lief

"Das erste Mal"

im öffentlich-rechtlichen Fernsehen - und ist allein deswegen schon einschaltenswert, weil er als echte Wundertüte daher kommt. Connie Walthers Abschlussfilm für die Filmhochschule Berlin hat nämlich nie einen DVD- oder Blu-ray-Transfer erhalten, ist in keiner Mediathek zu Hause und selbst in den dunkleren Tiefen des Internets nicht auffindbar. Doch das wenige, was über diesen Film online zu lesen ist, klingt vielversprechend.

Erzählt wird die Geschichte der 15-jährigen Fili (Lavinia Wilson), die sich unsterblich in Johnny Depp verknallt hat. Anstatt aber wochenlang ihr Idol als flaches Poster an der Wand anzuhimmeln, entschließt sich Fili für eine proaktive Lösung ihres Liebeskummers. Sie will nach Los Angeles fliegen, fest entschlossen, den Schauspieler in persona von ihrer Liebe zu überzeugen. Bleibt nur ein Problem: Wie Fili aus gut unterrichteter Quelle weiß, steht ihr Angebeteter auf reife, erfahrene Frauen. Da hilft nur eins: Bevor die Reise losgeht, will Fili selbst noch erste Betterfahrungen sammeln und trifft dabei u.a. auf Benno Fürmann, Moritz Bleibtreu und Hannes Jaenicke.

Wer lieber auf harte Fakten statt auf Fiktion steht, schaltet eineinhalb Stunden später zu: In der

Doku "Mein erstes Mal"

lässt Autorin Anja Krußig fünf Frauen von jenem einschneidenden Moment in ihrem Leben erzählen. Das Spannende: Die Interviewpartner stammen aus vier ganz unterschiedlichen Generationen: Wie erlebt man das erste Mal, wenn man glaubt, schon alles im Internet gesehen zu haben? Wie war es zu einer Zeit, als Deutschland in Trümmern lag und Sex vor der Ehe noch offiziell verpönt war? Danach folgen die ersten beiden Episoden der

Doku-Serie "Make Love"

. Sexualtherapeutin Ann-Marlene Henning geht der Frage nach "gutem Sex" auf den Grund und nimmt sich in "Wie sag ich's meinem Kind!" dem im Elternhaus unangenehmen Thema Aufklärung an.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern




Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Chinese zum Mitnehmen"
20.15 Uhr, Arte

TRAGIKOMÖDIE Für Eisenwarenhändler Roberto ist das Leben "für den Arsch". Der liebenswerte Pessimist mit den traurigen Augen sammelt Zeitungsmeldungen über Katastrophen, die er in seiner Fantasie miterlebt, und zählt die Schrauben seiner Lieferanten, um ihnen Betrug vorwerfen zu können. Ausgerechnet diesem Roberto fällt eines Tages der Chinese Jun vor die Füße. Der junge Mann wurde ausgeraubt, ist in Buenos Aires auf der Suche nach seinem Onkel und spricht kein Wort Spanisch. Roberto hilft ihm widerwillig. - Die warmherzige Geschichte erzählt von angeblichen Zufällen, weichen Kernen in harten Schalen und der Möglichkeit von Glück in einer bekloppten Welt. (bis 21.45)

"Moonlight Mile"
0.00 Uhr, 3Sat

DRAMA Massachusetts, 1973: Nach dem Tod seiner Verlobten wird Joe (Jake Gyllenhaal) von deren Eltern (Susan Sarandon, Dustin Hoffman) wie ein Sohn aufgenommen. - Gelungene Gratwanderung zwischen Trauer und heilsamer Leichtigkeit. Zu Letzterem trägt auch der Soundtrack bei. (bis 1.50)

Themen in diesem Artikel
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo