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TV-Tipp 19.8.: Doku "Wem gehört die Stadt?": Und plötzlich war die Miete doppelt so teuer...

Spekulanten und Investoren haben Berlin für sich entdeckt. Welche einschneidenden Folgen das für Mieter hat, die seit Jahren in ihren Kiezen wohnen, hat diese sehenswerte ARD-Doku recherchiert.

"Keine Profite mit der Miete?" - Frommes Wunschdenken einer Gruppe von Idealisten?

"Keine Profite mit der Miete?" - Frommes Wunschdenken einer Gruppe von Idealisten?

"Wem gehört die Stadt? Wenn das Geld die Menschen verdrängt"
22.45 Uhr, ARD
DOKU Bevor ich nach Hamburg gezogen bin, hatte ich von Wörtern wie Courtage und Gentrifizierung noch nie etwas gehört. Gentrifizierung, das klang für mich nach Insektenplage. Man lernt schnell, wenn man muss. Wenn ein "Makler" die Tür zu einer Wohnungsbesichtigung aufschließt und für diesen doppelten Schlüsseldreher zwei Monatsmieten kassieren kann. Wenn lieb gewonnene Orte abgerissen werden, um Luxusglaskästen zu weichen, die ich niemals von innen sehen werde.

Am Ende geht es um die eine, ganz grundlegende Frage: Wem gehören unsere Städte? Juristisch gesehen lässt sich die Frage, die Andreas Wilcke und Kristian Kähler in ihrem Dokumentarfilm stellen, leicht beantworten. Mit einem Blick ins Grundbuch. Gefühlt ist es eine andere Sache. Kann es fair sein, dass Menschen, die über Dekaden in einer Wohnung gelebt und brav ihre Miete gezahlt haben, plötzlich der Mietpreis verdoppelt wird, die angekündigte Sanierung aber niemals durchgeführt wird? Müssen Menschen, die ihre heruntergerockten Mietwohnungen in Eigenregie renoviert haben, die einen heruntergekommenen Kiez wieder mit Leben gefüllt haben, nun ihre Wohnungen verlassen, weil reichere Menschen plötzlich von dieser Attraktivität angezogen werden? Dürfen die das?

So schwer es mir fällt, bei diesem Thema objektiv zu bleiben und nicht zum großen Häuserkampf aufzurufen, so schwer ist es sicher auch den Machern dieser Doku gefallen: Wilcke und Kähler stellen sich klar auf die Seite der Schwachen. Und ganz ehrlich: Warum denn nicht? Ja, wir dürfen auch einen Blick in die Gedankengänge der Investoren werfen, aber sie bleiben die Antagonisten in diesem Film, die bösen Anzugträger, denen die Belange von Stadtvierteln und Nachbarschaft egal sind und denen es nur um die Kohle geht.

Andererseits weiß ich natürlich, wie die Mechanismen von Angebot und Nachfrage funktionieren. Als ein junges Geschwisterpaar die sanierungsbedürftige Altbauwohnung ihrer Eltern verkaufen will und statt der ursprünglich verlangten 280.000 Euro plötzlich 350.000 Euro angeboten bekommt, entscheidet auch hier Mammon statt Sympathie. Und natürlich ist und war Berlin, was Mietpreise angeht, eine Anomalie, geboren aus der Zeit der Teilung und des Kalten Krieges. "Geh in die Hauptstadt, da kannst du billig wohnen!" - In jedem anderen Land Europas hätte das wie blanker Hohn geklungen.

Trotzdem bleibt das Gefühl, das irgendetwas gerade ganz böse schief läuft. Dass Goliath gerade ein wenig zu oft gewinnt und mit Winkelzügen und viel Geld mehr möglich ist als noch vor einigen Jahren. Vor allem aber bleibt die Wut - auch am Ende dieser Doku. Keiner, der vorgestellten Protagonisten hat seinen Kampf gewonnen. Eine Familie wurde zwangsgeräumt, eine andere muss eine Mietverdoppelung hinnehmen, die letzte freie Großfläche in Friedrichshain wird überbaut. Dürfen die das?

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Die Atombombe im Vorgarten"
21.55 Uhr, Arte


DOKU Rudolph Herzog zeigt, wie der atomare Irrsinn im Kalten Krieg nur knapp am Exodus vorbeiführte: 1954 zerstörten die USA drei Inseln des Bikini-Atolls, Russland antwortete mit der "Zar"-Bombe. Auch die friedliche Kernenergie-Nutzung trieb bizarre Blüten. (bis 22.45)

"2 Tage Paris"
23.55 Uhr, WDR


KOMÖDIE Der Amerikaner Jack (Adam Goldberg) fühlt sich in Paris wie im Irrenhaus. Seine französische Freundin ist ihm keine Hilfe – sie trifft an jeder Ecke einen Ex... In ihrem Regiedebüt zieht Julie Delpy (auch Hauptrolle und Skript) alle Paris-Klischees durch den Kakao. (bis 1.30)

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo