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TV-Tipp 26.7.: "Full Metal Village": Wacken: Ein Dorf sieht schwarz

Einen Heimatfilm nennt die südkoreanerische Regisseurin Sung-Hyung Cho ihre Doku über den Ort Wacken, der jeden August von Heavy-Metal-Fans überrannt wird. "Full Metal Village" - unser Tipp des Tages.

"Full Metal Village"
20.15 Uhr, Tele 5
DOKU Wacken ist ein Kuhkaff in Schleswig-Holstein: Es gibt einen kleinen Supermarkt, eine Feuerwehr und ein Lokal, in dem man die Nachmittage mit Kartenspielen überbrückt. Doch einmal im Jahr verwandelt sich das Dorf in das Mekka des Metals, in diesem Jahr zum 25. Mal. Dann rücken 75.000 Schwermetaller aus allen Ecken der Welt ein, um gemeinsam zu feiern, zu trinken und zu moshen. Vier Tage ist die 1800-Seelen-Gemeinde im Ausnahmezustand, dann kehrt der Alltagstrott zurück. Dabei ist das Dorfleben abseits des Metals nicht minder spannend, wie die preisgekrönte Wacken-Dokumentation "Full Metal Village" der südkoreanerischen Regisseurin Sung-Hyung Cho zeigt.

Im Mittelpunkt des Films stehen die Einwohner des kleinen Ortes. Da ist Bauer Plähn, den all der Trubel nicht interessiert und für den die Zeit still steht, wenn er rauchend im Kuhstall sitzt. Und da ist die 16-jährige Kathrin, die das alljährliche Festival nutzt, um aus der erdrückenden Enge des Dorflebens für einen kurzen Moment auszubrechen. Es sind die krassen Gegensätze, die den Film zum Erlebnis machen. Etwa wenn der Kirchenchor "Großer Gott, wir loben Dich" anstimmt, während einige hundert Meter weiter die E-Gitarren loskreischen. Hier Strickpullover und Spitzentischdecke, da Nietenarmband und Jeanskutte.

Sung-Hyung Cho bezeichnet "Full Metal Village" selbst als Heimatfilm. Die ersten zwei Drittel des Films zeigt sie norddeutsche Spießigkeit in Reinkultur - oder vollendete Coolness, je nach Sichtweise. Erst am Ende erobern die Festivalbesucher das Dorf, und die meisten Bewohner empfinden das nicht als Bedrohung, sondern als willkommene Abwechslung. Denn wie viel beide Welten, die auf den ersten Blick nicht unterschiedlicher sein könnten, gemeinsam haben, sieht man am Ende: Wenn die örtliche Blaskapelle ("Wacken Firefighters") spielt, summen ein paar Einheimische freudig ihre Lieder mit, während die Metaller um sie herum die Haare bis zur wohligen Besinnungslosigkeit schütteln. Beide feiern auf ihre Art. Heavy, aber herzlich.

Ein TV-Tipp von Christoph Fröhlich, Redakteur beim stern


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Kir Royal"
20.15 Uhr, Bayern
SERIE Klebstofffabrikant Hafferloher (Mario Adorf) will zu Münchens Schickeria gehören. An Klatschreporter Schimmerlos (Franz Xaver Kroetz) kommt er nicht vorbei... Nie sah das Leben so nach durchwachten Nächten aus wie in dem unerreichten Spaß von Helmut Dietl. 4 Folgen am Stück. (bis 0.30)

"The Social Network"
20.15 Uhr, ProSieben

SATIREDRAMA der Generation Google. David Fincher protokolliert die Entwicklung von Facebook und porträtiert Netzwerkchef Mark Zuckerberg (Jesse Eisenberg) als genialen Soziopathen. Der echte Zuckerberg verweigerte den Filmemachern jegliche Kooperation. (bis 22.50)