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TV-Tipp 7.7.: "Goya": Ein Maler verschlingt seine eigene Romantik

Erst spanischer Hofmaler, dann verzweifelt an der Ungerechtigkeit der Welt. Goya war ein Ausnahmetalent. Unser TV-Tipp des Tages setzt dem Künstler ein Denkmal.

Ihm geht im Film so manches Licht auf: Goya (Donatas Banionis) arbeitet als Hofmaler der spanischen Krone, liebt eine Aristokratin - und hasst ihre Dekadenz

Ihm geht im Film so manches Licht auf: Goya (Donatas Banionis) arbeitet als Hofmaler der spanischen Krone, liebt eine Aristokratin - und hasst ihre Dekadenz

"Goya - oder der arge Weg der Erkenntnis"
23.40 Uhr,
DRAMA Den Kopf seines eigenen Sohnes hat Saturn schon verschlungen. Der rechte Arm ist auch schon fort, an seiner statt ein blutiger Stumpf. Und nun setzt der Gott an - den Schlund weit aufgerissen - auch den linken Arm vom nackten, leblosen Körper zu reißen, den er fest in seinen Klauen hält.

Manchmal reicht ein einziges Bild aus, um mich neugierig auf einen Künstler zu machen. Im Fall des spanischen Malers Goya war dieses "Saturn verschlingt seine Kinder". So blutig, so abscheulich und gleichzeitig so tieftraurig. Saturn ist ein Monster, ja, aber in seinen weit aufgerissenen Augen ahnen wir den Schock über die eigene, abscheuliche Tat. (Der Mythologie nach wurde dem Gott prophezeit, dass er durch die Hand seines eigenen Kindes sterben werde, weshalb er alle, derer er habhaft wurde, gleich nach der Geburt verschlang.)

Was bringt einen Menschen dazu, so etwas zu malen? Was muss in seinem Leben geschehen sein, um solch düsteren Gedanken Gestalt zu verleihen? Und wie kommt er nur auf die Idee, mit diesem Bild ausgerechnet sein eigenes Esszimmer zu schmücken? Mit "Goya - oder der arge Weg zur Erkenntnis" versuchte Defa-Regisseur Konrad Wolf 1971 eine Antwort. Die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Lion Feuchtwanger nähert sich dem Leben des Malers in verschiedenen Einzelepisoden, manche besser, manche (wie die Inquisitionsszene) genial. Auf jeden Fall sehenswert.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern




Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Ziemlich beste Freunde"
20.15 Uhr, ARD


KOMÖDIE Der gelähmte Philippe (François Cluzet) hat die Suche nach einem Pfleger fast aufgegeben, als Driss (Omar Sy) bei ihm auftaucht, um sich eine Absage zur Vorlage beim Arbeitsamt abzuholen. Die erfrischend mitleidlose Art des schwarzen Exknackis gefällt dem Mann aus der Pariser Oberschicht. Er bietet Driss den Job auf Probe an. Es ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft… Ohne Betroffenheitsgetue und mit viel Humor machte das Regie- und Autorenduo Olivier Nakache und Eric Toledano aus einer wahren Geschichte eine wunderschöne Komödie, die das Publikum im Sturm eroberte. Sogar ein Song von Earth, Wind and Fire kommt hier wieder wie neu rüber. (bis 22.00)

"Der Loulou"
20.15 Uhr, Arte

DRAMANelly (Isabelle Huppert) hat die Streitereien mit ihrem eifersüchtigen Mann satt. In der Disco erliegt sie dem Charme des schmerbäuchigen Proleten Loulou (Gérard Depar dieu) und kehrt ihrer bürgerlichen Existenz den Rücken. – Intensiv, melancholisch und grandios gespielt. (bis 21.55)

Themen in diesem Artikel
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo