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TV-Tipps des Tages für den 14.4.: Wie Hitchcock, nur mit dem gewissen Knistern

Romantic Comedy meets Hitchcock. Wenn sich Cary Grant und Audrey Hepburn auf der Leinwand verlieben, funkt es mächtig. "Charade" ist unser TV-Tipp des Tages.

Auf diesem Promobild sind die Rollen noch klar verteilt: Cary Grant hält eine verängstigt dreinblickende Audrey Hepburn im Arm. Im Film begegnen sich die beiden aber auf Augenhöhe - zum Glück.

Auf diesem Promobild sind die Rollen noch klar verteilt: Cary Grant hält eine verängstigt dreinblickende Audrey Hepburn im Arm. Im Film begegnen sich die beiden aber auf Augenhöhe - zum Glück.

"Charade"
00:55 Uhr, HR
SCREWBALL-THRILLER. Es ist schon zum Mäusemelken mit diesem Fernsehen. An manchen Tagen läuft rein gar nichts, dann wieder überschütten uns die Sender mit großartigen Filmen noch und nöcher. Mit "Carrie" und "Misery" werden heute Abend nicht nur zwei der gelungeneren Stephen-King-Verfilmungen wiederholt, sondern auch David Finchers großartiger Thriller "Sieben".

Und obwohl sich das Einschalten bei allen dreien natürlich lohnt, möchte ich Sie lieber auf eine kleine Perle hinweisen, die der Hessische Rundfunk in seinem Nachtprogramm versteckt hat. "Charade" von 1963 erinnert einerseits an die Suspense-Filme eines Alfred Hitchcock und steht gleichzeitig in der Tradition der alten Screwball-Comedies. Suspense mit Haha-Einlage? Das klingt erst einmal nach einer ganz schlechten Idee. Funktioniert aber trotzdem hervorragend, weil Regisseur Stanley Donen die Hauptrollen erstklassig besetzt hat.

Die bezaubernde Audrey Hepburn spielt die US-Amerikanerin Regina Lampert, die sich eigentlich von ihrem reichen Mann scheiden lassen will. Doch ein Mörder kommt ihr zuvor: Zurück aus dem Skiurlaub findet Regina die gemeinsame Wohnung ausgeräumt vor und den Gatten eiskalt und starr bei der Pariser Polizei. Als plötzlich ein Haufen grimmiger Männer bei der Beerdigung auftauchen und 250.000 Dollar von ihr fordern, wird die Sache brenzlig. Gut, dass ihre schmucke Urlaubsbekanntschaft (grandios lakonisch: Cary Grant) zur Stelle ist, um der Dame in diesen schweren Zeiten beizustehen.

Kurz nach dem Attentat auf John F. Kennedy kam dieser Film in die US-amerikanischen Kinos - das letzte Aufbäumen eines untergehenden Kino-Zeitalters. In "Charade" spielt das alte, glamouröse Hollywood ein letztes Mal auf - mit Cary Grant, Walter Matthau und Audrey Hepburn. Und die großen Namen liefern ab.

Trotz des erheblichen Altersunterschieds knistert es gewaltig zwischen den beiden Hauptcharakteren: Grant und Hepburn begegnen sich auf Augenhöhe, wenn sie miteinander flirten und sich schlagfertige Wortduelle ("Weißt du, was die CIA ist?" "Ich nehme mal an, keine Fluggesellschaft") liefern. Die erotische Spannung zwischen beiden ist deutlich spürbar, auch wenn außer dem berühmten Kuss am Filmende nichts auf der Leinwand zu sehen ist. (Es sei denn, Sie stehen auf einen pudelnassen, Anzug tragenden Cary Grant in der Dusche.) Und trotz all dieser Leichtigkeit, die die beiden in den Film bringen, bleibt er doch zuallererst ein Thriller. Regisseur Donen hält die Spannung bis zum Ende aufrecht - und nestelt damit zumindest an Hitchcocks Rockzipfel.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor bei stern.de


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Sieben"
22.15 Uhr, ZDF
THRILLER Die Sonne scheint nur zum Finale: Cop Somerset (Morgan Freeman) und sein junger Kollege (Brad Pitt) untersuchen eine Mordserie, bei der ein bibelfester Killer die sieben Todsünden nachstellt. - Finchers Mix aus Film noir und Neuzeithorror, bis heute endlos oft kopiert. (bis 0.15)

"Zurück nach Dalarna!"
21.45 Uhr, Einsplus

DRAMA Zum 70. des Vaters reist Nesthäkchen Mia aus Stockholm in die Provinz. Zu Haus warten ein anstrengendes Familienfest, die älteren Schwestern, viel Zank, viel Neid und noch mehr Schnaps... Vergnüglicher Schwedenhappen mit "Die Brücke-Star Sofia Helin. (bis 23.15)

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo