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TV-Tipps des Tages für den 15.3.: Humor ist, wenn man jüdisch lacht

Bleibt Ihnen das Lachen im Halse stecken, wenn jemand das Wort Jude auch nur erwähnt? Lassen Sie sich kurieren - von Dani Levys Komödie "Alles auf Zucker" - unserem TV-Tipp des Tages.

Was man auf einer Beerdigung dringend vermeiden sollte: ins Grab des Verstorbenen zu fallen. Jaeckie Zucker (Henry Hübchen) muss noch lernen.

Was man auf einer Beerdigung dringend vermeiden sollte: ins Grab des Verstorbenen zu fallen. Jaeckie Zucker (Henry Hübchen) muss noch lernen.

"Alles auf Zucker" 21:55 Uhr, BR Fernsehen
Sobald das Wort Jude in Deutschland fällt, wird es meist sehr still. Und sehr, sehr ernst. Ein guter Nährboden für Humor sieht anders aus. Allein deshalb war es ein mutiges Unterfangen, eine Komödie in Deutschland zu drehen, die das Leben einer jüdischen Familie auf die Schippe nimmt. Auch, wenn der Regisseur und Drehbuchschreiber aus der Schweiz kommt. Auch, wenn er selbst ein Jude ist. Auch noch zu Beginn des 21. Jahrhunderts.

Dany Levy hat "Alles auf Zucker!" trotzdem gedreht - und so ziemlich alles richtig gemacht. Das beginnt schon mit der Hauptfigur: Henry Hübchen spielt Jaeckie Zucker als sympathisches Schlitzohr mit dem Herz am rechten Fleck. Wir lernen den arbeitslosen Sportreporter kennen, als er gerade die Nachricht vom Tod seiner Mutter erhält - und in Jubel ausbricht. Der Ton für die kommenden 95 Minuten ist damit gesetzt. Denn ausgerechnet Mamas Ableben könnte dem chronisch abgebrannten Zucker wieder auf die Füße helfen. Doch - Sie ahnen es bereits - die Erbschaft hat einen Haken: Um an das Erbe zu gelangen, muss sich Zucker mit seinem lange entfremdeten Bruder, einem tiefgläubigen Juden, wieder versöhnen. Doch mit dem Judentum hatte Zucker, der eigentlich Jakob Zuckermann heißt, längst abgeschlossen...

Über eine Million Menschen lockte die Komödie im Stil der alten Lubitsch-Lustspiele 2005 in die Kinos - ein Überraschungserfolg. Bei mir ist es nicht bei einem Kinobesuch geblieben: "Alles auf Zucker" hat einen festen Platz in meiner DVD-Sammlung erhalten und wird immer wieder gerne aus dem Regal geholt. Auch wenn ich mittlerweile härteren Stoff entdeckt habe.

Den jüdischen Standup-Künstler Oliver Polak zum Beispiel, der im katholischen Emsland aufwuchs und seine Erfahrungen in ein beißendes Kabarettprogramm ("Ich darf das, ich bin Jude!") gegossen hat. "Ich vergesse die Sache mit dem Holocaust - und Sie verzeihen uns Michel Friedman", fordert Polak zu Beginn seine angespannten Zuschauer gerne einmal auf und erklärt: "Du musst 'nen Gag haben, wo das Wort Holocaust drin vorkommt. Auch wenn der schlecht ist, die Leute klatschen eh - wegen des schlechten Gewissens!" So böse ist Levys Komödie dann doch nicht. Aber als Einstiegsdroge in den "jüdischen Humor" eignet sie sich hervorragend.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor bei stern.de


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Looking for Eric"
23.25 Uhr, Bayern
KOMÖDIE Postbode Eric (Stece Evets) droht, in der Jämmerlichkeit seines Daseins zu versinken, da erscheint ihm sein Idol, der französische Kultkicker Eric Cantona ("Isch bin kein Mensch, Isch bin Cantona!")... Toller Herzwärmer des britischen Sozialfilmers Ken Loach. (bis 1.35)

"Welcome - Grenze der Hoffnung"
22.20 Uhr, RBB

DRAMA Der vom Leben enttäuschte Bademeister Simon (Vencent Lindon) interessiert sich kaum für das Schicksal der illegalen Flüchtlinge, die in Calais gestrandet sind - bis er den jungen Iraker Bilal kennenlernt, der durch den Ärmelkanal nach England schwimmen will. Berührend. (bis 0.00)

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo