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TV-Tipps des Tages für den 25.2.: Underground in Teheran

Negar und Ashkan wollen eine Indie-Rockband gründen - doch das ist in ihrem Heimatland strengstens verboten. Ein faszinierender Einblick in die Musikszene des Iran - und unser TV-Tipp des Tages.

Negar (Negar Shaghaghi, ganz rechts) und Ashkan (Ashkan Koshanejad, 2. von rechts) wollen für einen letzten Gig in Teheran eine Band zusammentrommeln.

Negar (Negar Shaghaghi, ganz rechts) und Ashkan (Ashkan Koshanejad, 2. von rechts) wollen für einen letzten Gig in Teheran eine Band zusammentrommeln.

No One Knows About Persian Cats 20.15 Uhr, ZDFKultur
MUSIK-DOKUDRAMA Offiziell gibt es keine iranische Popmusik. Sei es Rock, Indie, Metal oder Punk - alles, was irgendwie "westlich" klingt, ist verboten. Wer sich dem widersetzt, kann schnell im Gefängnis enden - oder Schlimmeres erleiden. Doch in versteckten Proberäumen und illegalen Konzertlokalen blüht, versteckt von Staatsgewalt und Sittenwächtern, eine kleine Underground-Szene auf: Die jungen Indie-Enthusiasten Negar (Negar Shaghaghi) und Ashkan (Ashkan Koshanejad) stehen gerade erst am Anfang ihrer Musikkarriere - und wollen ihre Träume nicht auf dem Altar der Politik opfern. Nach einem unschönen Zusammentreffen mit der Justiz beschließen die beiden, eine Begleitband zu suchen und dann nach London zu flüchten. Der gut vernetzte Musikproduzent Nader soll ihnen die nötigen Kontakte und Unterlagen verschaffen. Doch vor der endgültigen Abreise will sich Negar noch einen gefährlichen Traum erfüllen: Ein einziges Mal möchte sie in ihrer Heimat auftreten - und ihrer Mutter zeigen, wofür sie ihr Zuhause aufgibt.

Wenn es Nachrichten aus dem Iran nach Deutschland schaffen, geht es meistens um die ganz große Politik. Atomverhandlungen, Kriegsangst, Islamistenfuror. Wie einfach ist es da, die Freunden und Leiden der ganz normale Bevölkerung aus den Augen zu verlieren. Regisseur Bahman Ghobadi bietet mit seiner Quasi-Doku Einblick in eine Welt, die uns normalerweise verborgen bleibt - die Jugendkultur Teherans.

Gemeinsam mit Negar und Ashkan treffen wir auf Metal-Freaks, Rapmusiker und iranische Hipster, die auch in Berlin-Mitte nicht weiter auffallen würden. Die Musiker in dem Film spielen sich selbst, die Bands existieren wirklich. Praktisch alle Szenen beruhen auf wahren Begebenheiten, die für den Film nachgestellt wurden. Dieser Einblick konnte der Staatsführung (damals noch unter Ahmadinedschad) nicht passen: Ghobadi musste heimlich drehen, nahm die Szenen mit einem kleinen Digitalcamcorder auf. Negar Shaghaghi und Ashkan Koshanejad leben mittlerweile in Großbritannien, haben dort Asyl beantragt. Aber zumindest im wahren Leben ist ihr Traum in Erfüllung gegangen: Mit ihrer Band "Take It Easy Hospital" haben die beiden in ganz Europa Gigs gespielt. Wie die Geschichte im Film ausgeht, wird hier natürlich nicht verraten.

PS: Wer nun Blut geleckt hat: Im Anschluss zeigt ZDFKultur zwei weitere Filme, die sich mit dem Leben im Iran beschäftigen. Das Drama "Fireworks Wednesday" porträtiert drei Ehepaare am Vorabend des iranischen Neujahrsfestes. In "Salaam Isfahan" kehrt die in Belgien lebende Filmemacherin Sanaz Azari in ihre iranische Heimatstadt Isfahan zurück. Es sollte ein Film über den ganz normalen Alltag der Menschen werden - doch dann kam die iranische Präsidentschaftswahl dazwischen.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor bei stern.de


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Der Rücktritt"
20.15 Uhr, Sat.1
DOKUDRAMA Am 17.2.2012 trat Christian Wulff vom Amt des Bundespräsidenten zurück. Am Tag zuvor hatte die Staatsanwaltschaft Hannover die Aufhebung seiner Immunität beantragt, um Ermittlungen wegen des Verdachts der Vorteilsnahme einzuleiten. Regisseur Thomas Schadt konzentriert sich in seinem TV-Film auf die letzten 68 Tage im Schloss Bellevue. Kai Wiesinger und Anja Kling verkörpern in dem um Originalaufnahmen ergänzten Drama das Ehepaar Wulff mit beeindruckender Intensität. Man spürt, wie sich die Schlinge immer enger um den Politiker zieht. Reporter, auch vom stern, hatten enthüllt, dass Wulff eine fragwürdige Nähe zu reichen Unternehmern pflegte. (bis 22.15)

"Herbstgold"
22.45 Uhr, Bayern

DOKU Alle zwei Jahre treffen sich sportbegeisterte Rentner zur Leichtathletik-WM der Senioren. Jan Tenhaven hat fünf Athleten im Alter von 82 bis 100 Jahren getroffen und sie auf der Zielgeraden begleitet. Ein lebensbejahender Film über Rückschläge und Triumphe. (bis 0.20)

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Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo