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Ex-TV-Moderator: Was macht eigentlich ... Viktor Worms?

Der Radiomann Viktor Worms übernahm 1985 die Moderation der "ZDF-Hitparade" von Dieter Thomas Heck.

Interview: Anette Lache

Viktor Worms: Was macht der ehemalige ZDF-Hitparadenmoderator heute?

Viktor Worms, 60, am Wörthsee in Bayern, wo er mit seiner Frau lebt

Herr Worms, wissen Sie noch, wer in Ihrer ersten Hitparade aufgetreten ist?

Keine Ahnung. Heinz Rudolf Kuntze? Falko?

Die kamen später. Dabei waren Daliah Lavi, Juliane Werding und die Spider Murphy Gang mit "Sch-Bum – s’Leb’n is wiar a Traum". War auch die Moderation der Kultsendung wie ein Traum?

Ich bin da eher reingerutscht. Und dann hat es Spaß gemacht. Trotzdem blieb ich ein Radiomanic.

Anders als bei Dieter Thomas Heck traten bei Ihnen auch Musiker aus der Rockszene auf.

Zu Hecks Zeiten haben sich noch viele Künstler aus der linkeren Szene der Hitparade verweigert, weil Heck politisch für etwas stand. Er war ja mit Helmut Kohl befreundet, und an dem haben sie sich sehr gerieben!

Aber alle haben auch Sie nicht gekriegt?

Stimmt. Weder Westernhagen noch die Toten Hosen.

Damals trugen Sie rote Blousons und neonfarbene Hemden. Ihr abenteuerlicher Geschmack?

Es gab natürlich eine Kostümfrau. Aber ich gestehe: Es waren Sachen dabei, die ich auch privat getragen habe.

Dieter Thomas Heck soll mal gesagt haben: "Ich habe dem Viktor ein Traumschiff hinterlassen – er hat ein Gummiboot draus gemacht." Hat Sie die verbale Breitseite geärgert?

Im ersten Moment: ja. Aber da ist nichts zurückgeblieben.

Warum haben Sie mit der Hitparade nach vier Jahren wieder aufgehört?

Weil ich die Chance hatte, Programmdirektor bei Antenne Bayern zu werden.

Später, als ZDF-Unterhaltungschef, waren Sie Thomas Gottschalks Chef.

Ja, ich war für "Wetten, dass ..?" und die anderen großen Shows verantwortlich. Auch nach meiner Zeit beim ZDF arbeitete ich viele Jahre für Thomas. Sonst hätte ich es mir nicht leisten können, noch mal bei null mit Consulting und Coaching anzufangen.

Was sind Sie heute, Medienunternehmer?

Unternehmer ist zu viel. Nennen Sie es Coach, Berater. Ich habe eine unglaubliche Freude daran, Moderatoren auszubilden. Außerdem unterstütze ich Programmdirektoren im Strategiebereich.

Wen haben Sie schon alles trainiert?

Das bleibt mein Geheimnis, aber es sind einige Radio- und TV-Preisträger dabei.

Sie selbst sind schon lange nicht mehr im Radio zu hören.

Wenn man ausbildet, sollte man nicht unbedingt selbst moderieren. Aber diese Arbeit fehlt mir.

Sie haben eine Stiftung gegründet.

Eine Afrikastiftung. Sie ist mein Herzblatt. Vor zehn Jahren lernte ich den niederländischen Arzt Hugo Tempelman kennen. Er ist vor fast 30 Jahren nach Südafrika gegangen und hat sich in the middle of nowhere, zwischen Kruger Park und Johannesburg, als Arzt niedergelassen. Herman van Veen hat in den Niederlanden eine Stiftung für ihn gegründet. Und wir später in Deutschland.

Gibt es ein aktuelles Projekt?

Wir haben dort gerade einen Radiosender aufgebaut. Im Januar wollen wir einen Film machen über einige Kinder aus unserem Jugendchor. In ihm sind 40 Waisenkinder.

Was liegt Ihnen besonders am Herzen?

Wir versuchen, den Menschen vor Ort zu helfen, damit sie nicht flüchten müssen. Wenn uns das nicht gelingt, werden sie irgendwann am Mittelmeer stehen. Bis jetzt gibt es noch nicht viele Hungerflüchtlinge. Aber sie werden kommen, wenn nichts passiert.

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