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Kritik an Markus Lanz' erstem "Wetten, dass ..?" Man hätte die Show einstellen sollen


Gemischtes Echo auf die Markus-Lanz-Premiere: Nach seiner ersten Show kann der neue Moderator Lob einheimsen, muss aber auch Kritik einstecken. Insbesondere seine Witze polarisieren. Eine Presseschau.
Zusammengestellt von Jens Maier

Er sei die "Weiterentwicklung des Modells Dieter Thomas Heck" und "sein Repertoire ist schnell erschöpft": Mit harschen Worten ätzte das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" 1987 nach der ersten "Wetten, dass ..?"-Show mit Thomas Gottschalk gegen den neuen Moderator. Auch Markus Lanz muss nach seiner ersten Sendung Kritik einstecken. In den Zeitungen vom Montag werden seine Witze als "verkrampft" gewertet und seine zuvor gelobte Fragetechnik sei "keinen Deut besser" als bei Gottschalk. Dafür bekommt Lanz Lob für seine "einwandfreie" Quote und seinen "Körpereinsatz". Er habe eine "Chance zur Entwicklung" verdient. Ein Überblick über die Medienkritiken aus deutschsprachigen Tageszeitungen:

"Die Welt" zieht den Vergleich zu Thomas Gottschalk und kommt zu dem Ergebnis, dass Lanz Potenzial habe: "Gottschalk hatte sich für diese Sendung wie ein Pfau angezogen, um die Größe der Halle halbwegs zu füllen, er hat große Gesten gemacht und viel geredet, aber wenig gesagt. Lanz wippt zuweilen etwas verloren im weiten Rund und sagt gern: 'Das ist interessant, darüber wird zu reden sein' und tut es dann doch nicht. Aber er hat, auch das hat er in Düsseldorf gezeigt, jede Chance zur Entwicklung - wenn die Last der Premiere weg ist und die Liebe zu diesem schwierigen Format, das doch so leicht daherkommen soll, in ihm wächst."

Auch die österreichische Tageszeitung

"Die Presse"

vergleicht Lanz mit seinem Vorgänger und hebt die gute Quote der ersten Sendung positiv hervor: "Allen Unkenrufen zum Trotz hat Markus Lanz als neuer Moderator seine Feuertaufe einwandfrei überstanden - und mit 14,8 Millionen Zuschauern in Deutschland und knapp 900.000 in Österreich die Quotenvorgaben sogar mehr als erfüllt. Ob das nur der Einmaleffekt der neugierigen Masse ist oder von Dauer, wird sich weisen - hängt aber nicht unbedingt nur von Lanz ab, der zwar nicht so cool und souverän über die riesige Bühne fegte wie sein Vorgänger Thomas Gottschalk, dafür aber mit viel Sympathie und Körpereinsatz (bei der Bierkisten-Liegestütz-Wette) Pluspunkte beim Publikum sammelte."

Der Kritiker der

"Frankfurter Allgemeinen Zeitung"

glaubt jedoch nicht, dass der Quotenerfolg von Dauer ist und findet. dass das neue Konzept der Show nicht innovativ genug sei: "Das ergibt unter dem Strich einen scheinbar fabelhaften Einstand für Markus Lanz, doch würde es einen schon mächtig wundern, sollte sich der Run wiederholen. Denn vor allem die ARD hat mit ihrem Programm nur pro forma dagegengehalten, das 'Supertalent' bei RTL hat seinen Zenit überschritten, die anderen Sender sind auch freundlich beiseitegetreten. Und am grundlangweiligen Wesen von "Wetten, dass ..?" hat sich wenig geändert, die Prominenten kommen nicht mehr nach und nach auf die Bühne, sondern werden gleich zu Beginn im Paket aufs Sofa verfrachtet, das - welch eine Innovation - herumfährt und sich dreht, und ringen dort nun in größerer Runde um Worte, um die besonders der Moderator verlegen war."

Dass im Grunde nicht besonders viel Neues beim "neuen Wetten, dass ..?" zu sehen war, kritisiert auch die

"Süddeutsche Zeitung"

, die Lanz aber immerhin attestiert, dass er nicht roboterhaft - wie viele das erwartet hatten - wirkte: "Wer genau hinschaute, hatte das Gefühl, Lanz’ Hände zitterten. Eine Überraschung für diejenigen, die ihn bis dato – mit gewissem Recht – für batteriebetrieben gehalten hatten. Um es in eine klassische Lanz-Frage zu kleiden: „Können wir das jetzt so an die Nachrichtenagenturen raushauen – Lanz ist kein Apparat?" Ja, aber diese Erkenntnis war die einzige Überraschung des Abends, der ein neues Wetten, dass . . ? hatte präsentieren wollen, aber nur das alte vorzeigte, ein klein wenig verkleidet."

Die

Stuttgarter Zeitung

lobt Lanz' Einstand zwar als "fehlerfrei und professionell", findet aber, dass sich "viel Besseres" über den "smarten Moderator" nicht sagen lasse: "Allzu sehr war er bemüht, sich ins rechte Licht zu setzen." Lanz habe mit "sorgsam verwuschelten Haaren und weit geöffnetem Hemd auf eine Eigenschaft, die als Authentizität durchgehen könnte" gesetzt, doch diese komme "eitel wie bemüht" rüber. Dabei habe der Moderator durchaus Potenzial: "Das Traurige (…) ist, dass er zwar das Potenzial zu all dem hat: zur Kunst, zur Selbstironie, sogar zum Witz, aber dass sein Geltungsbedürfnis seine Talente grell überstrahlt."

Die

"Taz"

zeigt sich enttäuscht über die Gespräche auf dem neuen "Wetten, dass ..?"-Sofa, die genauso farblos geblieben seien wie bei Thomas Gottschalk: "Vor der Sendung hat Lanz angekündigt, „journalistischer“ fragen zu wollen als sein Vorgänger, sich mehr für die Wettkandidaten zu interessieren. Davon ist wenig zu merken. Seine Fragen sind allenfalls eitler: Seht her, wie toll ich mich vorbereitet habe! Die Antworten sind ihm genauso egal, wie sie Thomas Gottschalk egal waren."

Auch der

"Tagesspiegel"

hatte sich von den Lanz'schen Fragen an seine Gäste mehr erhofft: "Mit seinen Gästen, darunter Fußballer Rafael van der Vaart und dessen Frau Sylvie, "Tote Hosen" -Sänger Campino, Tenor Rolando Villazon, Komiker Bülent Ceylan und Designer Karl Lagerfeld, wusste Lanz offensichtlich wenig anzufangen. Rasch hakte er eine Frage nach der anderen von seinen Moderationskarten ab, hetzte durch die Lebensläufe (...). Kein einziges interessantes Gespräch konnte er entwickeln, da war Lanz keinen Deut besser als sein Vorgänger Thomas Gottschalk."

Die

"Frankfurter Rundschau"

stört sich an den Witzen von Markus Lanz: "Ein paar Dankesworte an die Leute im Saal, dann möchte er witzig sein. Perfekt sei, sagt Lanz, dass das Publikum nicht zu klatschen aufhöre, trotz seiner abwiegelnden Handbewegungen. "Das kennen die meisten Männer ja von zu Hause, dass die Frauen da auch einfach weitermachen." Höfliches Lachen. Es sind Momente wie diese, in denen man sich überlegt, ob es nicht doch besser gewesen wäre, die Sendung mit Gottschalks Abgang einzustellen."

Auch das Boulevard-Blatt "Bild" empfindet den Humor des gebürtigen Südtirolers Lanz gewöhnungsbedürftig: "Der Neumoderator wollte lustig sein, aber verkrampfte. Wo Gottschalk spontan war, wirkte Lanz bemüht. Wo Gottschalk improvisierte, las Lanz vom Zettel. Kostprobe: 'Ich bin ein Moderator mit Migrationshintergrund, manchmal auch mit Migränehintergrund!' Aha. Auch andere Gags zündeten nicht - auch wenn mit der Zeit zwar nicht der Witz, aber Lanz als Moderator immer besser wurde."

Für die Schwächen und zwischendurch aufkommende Langeweile der Show macht das

"Hamburger Abendblatt"

nicht Lanz alleine verantwortlich, sondern auch seine Gäste: "Niemand wird sagen können, dass sich der Gottschalk-Nachfolger, der anfangs so nervös war, dass er einem fast leidtun konnte, nicht ins Zeug gelegt hätte. Er quälte sich durch Liegestütze mit gefülltem Bierkasten auf dem Rücken, dass der Schweiß nur so von der Moderatorenstirn tropfte. (...) Dass "Wetten dass ..? reloaded" keine gute Show geworden ist, ist weniger seine Schuld als die der Verantwortlichen, die statt in Comedy-Künstler vielleicht besser in gute Ideen investiert hätten. Dann kommt der Spaß von ganz allein


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